Über Samy

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Freitag, 20.April

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Heute haben
Pietro Aretino * 1492
Herman Bang * 1857
Arto Paasilinna * 1942
Geburtstag
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Dieses Bild haben wir am 20.April 2017 gepostet.

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Wilhelm Müller
Venus am Himmel

Tritt an’s Fenster, meine Liebe, sieh den hellen Himmel an,
Wie der Mond, der keusche Freier, mit der Venus scherzen kann,
Wie sie sich so nahe rücken, und die kleinen Sterne sehn
Lüstern nach dem schönen Paare und vergessen fort zu gehn.
Tritt an’s Fenster, meine Liebe, neige nieder dich, mein Stern!
Venus herrscht am Himmel heute, und die Erde folgt ihm gern.
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Susanne Martin vom Schillerbuch-Blog empfiehlt:

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Arno Geiger:Unter der Drachenwand
Hörbuch Hamburg,  11 CDs,  € 26,00

Auf den neuen Roman von Arno Geiger war ich gespannt, denn „Der letzte König in seinem Exil“ war ein Buch von ihm, das mir sehr gut gefallen hatte!

Daß das neue Buch ganz anders sein würde, war mir klar und ich hatte es auch schon gehört. Trotzdem war ich überrascht, daß es mir ziemlich schwer gefallen ist, mich in den Roman einzufinden. Die ganz hervorragenden Sprecher hielten mich jedoch bei der Stange und irgendwann wollte ich dann auch wissen, wie es weitergeht.

Doch erst einmal kurz zum Inhalt: Veit Kolbe (gelesen von Torben Kessler) ist 24 Jahre alt und Soldat in Russland. 1944 wird er an der Front schwer verletzt und verbringt einige Monate am Mondsee, um sich von den körperlichen und seelischen Verletzungen zu erholen. In seinem Quartier lebt eine Frau, die er zu Beginn nur „die Darmstädterin“ nennt. Sie ist verheiratet mit einem Soldaten aus Linz und hat eine kleine Tochter. Am Mondsee gibt es das Kinderheim „Schwarzindien“, in dem Mädchen aus Wien leben, die hierher in die Sicherheit des Landlebens geschickt wurden. Eines davon ist Nanni, der Veit Kolbe zweimal begegnet: Beim ersten Mal hält sie seine Hand, als ihn ganz plötzlich einer seiner Angstzustände überkommt, das zweite Mal sieht er sie auf einem Weg, von dem sie nicht mehr zurückkehrt. Aus der Darmstädterin wird irgendwann Margot und mit ihr erlebt er eine Liebe, wie er sie nie kannte. Über allem schwebt die Sicherheit, daß dieser Lebensabschnitt, in dem er beginnt, zu sich selbst zu finden, irgendwann zu Ende gehen wird mit seiner Rückkehr an die Front.

Eingestreut in diesen Haupthandlungsstrang sind die Briefe 3er Menschen, im Hörbuch von 3 weiteren Sprecher*innen gelesen: Die Mutter der Darmstädterin (gelesen von Cornelie Niemann), die ihrer Tochter Briefe schreibt, in denen sie vom Alltag des Bombenkrieges in Margots Heimatstadt erzählt. Ein junger Mann, Kurti (gelesen von Torsten Flassig), der Cousin von Nanni, der ihr rührende Liebesbriefe schreibt und ihr Verschwinden nicht begreift. Und Oskar Meyer (gelesen von Michael Quast), ein Jude aus Wien, der mit seiner Familie zu spät ernst nimmt, was passiert und es versäumt, sich mit seiner Familie in Sicherheit zu bringen.

Ich gebe zu, zu Beginn tat ich mich sehr schwer mit diesem Roman. Ich bin eine Leserin, die auch eine spannende Handlung zu schätzen weiß und Handlung im klassischen Sinne gibt es recht wenig in diesem Roman. Vielmehr ist es die Zustandsbeschreibung des letzten Kriegsjahres aus der Perspektive der ganz normalen Menschen. Als ich das begriffen hatte, habe ich mich auch viel besser auf das Buch einlassen können. Man merkt, daß Arno Geiger sich intensiv mit dem Thema beschäftigt hat und wie wichtig es ihm ist, seine Protagonisten direkt aus der Zeit heraus sprechen zu lassen. In einem Gespräch mit dem Deutschlandfunk Kultur sagt er, daß er ganz kaum Sachbücher, dafür aber unendlich viele Briefe und Tagebücher aus dieser Zeit gelesen hat. So scheinen seine Figuren direkt aus ihrer Zeit zu uns zu sprechen. Dabei jedoch in einer schnörkellosen Sprache, die oft wunderbare Bilder findet und zeichnet.

Die exzellenten Sprecher*innen machen dieses Buch darüber hinaus auch zum einem tollen Hörvergnügen. Mir hat besonders gut Cornelia Niemann gefallen, für fie Briefe von Margots Mutter den richtigen Tonfall trifft: Eine Mischung aus Sorge um die Tochter, Ungeduld mit deren vermeintlichen Unverständnis über die Sitation der Mutter und Entsetzen über das, was den Menscchn in den Bombennächten wirderfährt. Aber auch die anderen Sprecher geben diesem Hörbuch durch ihre Lesart eine Vielstimmigkeit, die den Eindruck des Textes noch vertieft.

Ein Hörbuch, für das man sich Zeit nehmen sollte. Dann wird man mit einem eindrücklichen Hörerlebnis belohnt!

Donnerstag, 19.April

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Heute haben
August Wilhelm Iffland * 1759
Riccardo Bacchelli * 1891
Richard Hughes *1900
Stefan Schütz * 1944
Pierre Lemaitre * 1951
Geburtstag
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Heinrich von Kleist
An unsern Iffland

Singt, Barden! singt Ihm Lieder,
Ihm, der sich treu bewährt;
Dem Künstler, der heut wieder
In eure Mitte kehrt.
In fremden Landen glänzen,
Ist Ihm kein wahres Glück:
Berlin soll Ihn umkränzen,
Drum kehret Er zurück.

Wie oft saht ihr Ihn reisen,
Mit furchterfüllter Brust.
Ach! seufzten Volk und Weisen:
Nie kehret unsre Lust!
Nein Freunde, nein! und schiede
Er mehrmal auch im Jahr,
Daß Er euch gänzlich miede,
Wird nie und nimmer wahr.

In Sturm nicht, nicht in Wettern
Kann dieses Band vergehn;
Stets auf geweihten Brettern
Wird Er, ein Heros, stehn;
Wird dort als Fürst regieren
Mit kunstgeübter Hand,
Und unsre Bühne zieren
Und unser Vaterland!
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Nuria Rial:Vocalise
Nuria Rial und 8 Cellists des Sinfonieorchesters Basel
SONY CD € 19,99

Die letzten CDs Nuria Rial haben wir hier auf dem Blog schon vorgestellt. Auch ihre neue Einspielung möchte ich Ihnen hier präsentieren.
Rial begeistert seit Jahren mit ihrer klaren, sehr weichen Stimme und als Interpretin alter Musik. Auf dieser CD kommt eine weitere Variante dazu, denn die Sopranistin macht uns mit spanischer Musik des 20. und 21. Jahrhunderts vertraut. Zusammen mit Cellisten des Sinfonieorchsters Basel bekommen wir den Zyklus „Die vier Jahreszeiten des Hafens“ von Astor Piazolla zu hören. Ein moderner Tango, der abgelöst wird von Bach-Hommagen und einem bekannten Volkslied aus der katalanischen Heimat der Sängerin. Mit diesem „El cant dels ocells“ (Der Gesang der Vögel), einem Weihnachtslied, in dem Vögel mehrfach die Geburt Jesu besingen, beendete Pablo Casals seine Konzerte im Exil. Dieses Lied wurde zur Hymne der Flüchtlinge vor dem Franco Regime. Ein weiterer Höhepunkt ist die Weltureinspielung von „Vocal Ice“ des Spaniers Bernat Vivancos, bei der Nuria Rial nicht wirklich singt, sondern nur die Vokale a und o benutzt und so aus „Vocal Ice“ eine „Vocalise“ entstehen lässt.

Ich habe keine Hörbeispiele der CD gefunden, aber eine Aufnahme von „El cant dels ocells“ mit Sol Gabetta am Cello.

Mittwoch, 18.April

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Heute haben
Thomas Middleton * 1580
Udo Werner Steinberg * 1913
Shimao Toshio * 1917
Kathy Acker * 1948
Geburtstag
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Johann Christian Günther
Frühling

Hier setze dich, verschämtes Kind!
Hier ist gut sein, hier laß uns bleiben,
Wo Wind und Lind gesprächig sind,
Und Feld und Wald den Gram vertreiben;
In dieser grünen Einsamkeit,
Wo Bach und Stein und Blätter rauschen
Soll weder List, Gefahr noch Neid
Den süßen Frühlingsscherz belauschen.

Die Schätze deiner keuschen Zucht
Und der noch unberührten Brüste
Sind wahrlich eine seltne Frucht,
Nach der ich innerlich gelüste;
Erschrick nicht vor der schnellen Hand
Und laß sie um den Busen spielen,
Ich führe dich in einen Stand,
Des Lebens Kern und Mark zu fühlen.

Beschau die Werke der Natur,
Betrachte Bäume, Feld und Tiere,
Und lerne, wie der Liebe Spur,
Dich überall zum Scherzen führe!
Wodurch sind ich und du denn da?
Zu was bist du nebst mir geboren?
Der, so die Welt im Wesen sah,
Hat uns zum Lieben auserkoren!
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Unser Buchtipp:

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Giovanna Zoboli / Mariachiara di Giorgio:Krokodrillo
Bohem Press  € 16,95
Ein Bilderbuch ohne Worte für Kinder ab 3 Jahre

Das Bilderbuch kommt zwar ohne Worte aus, hatte aber doch ein Problem mit einem Wort. „Krokodil“ oder „Cocodrillo“? Nun, die beiden jungen Italieren hatten es da leichter und der schweizerische Bohem Press Verlag hat sich für ein Ding dazwischen entschieden. Und: Es passt. Denn das Krokodil ist in diesem Buch auch ein Zwischending. Es ist eindeutig ein Krokodil, benimmt sich aber wie ein Mensch.
Der Wecker klingelt, er zieht die Vorhänge auf, macht Toilette, frühstückt und macht sich auf den Weg zur Arbeit. Ob das jetzt Mailand, oder Berlin, oder New York ist, spielt keine Rolle. Aber was er auf diesem täglichen Weg alles erlebt, wen er alles trifft, welche anderen Tieren er zwischen den vielen Menschen trifft, das ist schon wichtig. Da müssen wir die Augen ganz groß aufmachen. Egal, wenn wir das Buch zuende geblättert haben, fangen wir eh wieder von vorne an. So verblüffend ist die Arbeitsstelle des Krokodils und wir wollen wissen, wo die beiden Künstler ihre Fährten ausgelegt haben.
Mit großer Leichtigkeit und immer wieder verblüffenden Perspektiven haben die Buchmacher ein besonders Bilderbuch für Kinder ab 3 Jahren geschaffen, das uns Großen sicherlich auch große Freude bereitet.

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