Donnerstag, 1.Februar

Heute haben
Hugo von Hofmannsthal * 1874
Jewgeni Samjatin * 1884
Günter Eich * 1907
Muriel Spark * 1918
Dieter Kühn * 1935
Horst Bosetzky (-ky) * 1938
Monika Felten * 1965
Geburtstag
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„Leicht muß man sein:
mit leichtem Herz und leichten Händen,
halten und nehmen, halten und lassen …“
Aus: „Der Rosenkavalier“ von Strauss/Hofmannsthal, 1. Akt
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Unser Tipp:


Charles Simic: „Im Dunkeln gekritzelt
Gedichte
Aus dem Englischen von Michael Krüger und Wiebke Meier
Mit einem Nachwort von Wiebke Meier
Hanser Verlag € 24,00

Cherry Pie

If it’s true that the devil has his finger
In every pie, he must be waiting
For the night to fall, the darkness to
Thicken in the yard, so we won’t see him
Lick the finger he dipped in your pie,
The one you took out of the oven, my love,
And left to cool by the open window.

Kirschkuchen

Wenn es stimmt, dass der Teufel seine Finger
In jedem Kuchen hat, muss er warten,
Bis es Nacht wird und die Dunkelheit sich
Im Hof staut, so dass wir nicht sehen,
Wie er den Finger ableckt, den er
In deinem Kuchen gesteckt hat, den du
Gerade aus dem Ofen geholt hast, Liebes,
Und am offenen Fenster abkühlen lässt.

Leseprobe

In diesem Sammelband, mit den schönsten Gedichten seiner späten Jahre, zeigt sich Charles Simic als ein genauer Beobachter. Wie ein Flaneur streift er durch die Straßen und Zeiten, sieht Kleinigkeiten, die er unserem Menschsein zuordnet. „Jedes Bild ist ein Universum“, sagte er. Mag es der Kirschkuchen sein, oder ein Farbfleck, seine Gedanken, wenn er wach im Bett liegt. Seine Gedichte sind voller Witz und auch Melancholie, wenn er an sein Geburtsland denkt, das es nicht mehr gibt. Er war ein Chronist unserer / seiner Zeit und ihm wären bestimmt passende Zeilen zu den jetzigen Kriegen und zu unserer Ich-Ich-Gesellschaft eingefallen, die einerseits tröstlich, aber auch aufrüttelnd gewesen wären.
Lassen Sie sich ein wenig Zeit und schauen Sie in die Leseprobe, die zwar mit vielen „leeren“ Seiten beginnt, dann aber doch ein paar Gedichte zeigt.

„Alles wird anders in dem Augenblick, in dem man Mitleid mit einem Menschen oder einer Maus hat, die zitternd in einer Ecke hockt. Plötzlich taucht vor unseren Augen eine andere Welt auf, eine Welt, die schrecklicher, aber zugleich schöner ist.“

Charles Simic, 1938 in Belgrad geboren und 2023 in Dover, New Hampshire, gestorben, kam 1954 in die USA. Er war Professor der Universität New Hampshire, wo er seit 1973 lehrte. Er hat etwa 20 Gedichtbände veröffentlicht, die vielfach ausgezeichnet wurden, u.a. mit dem Pulitzer-Preis. Zuletzt erschienen bei Hanser „Picknick in der Nacht“ (Gedichte, 2016) und „Im Dunkeln gekritzelt“ (Gedichte, 2022).