Freitag, 4.November


Heute haben
Felix Braun * 1885
Klabund * 1890
Gert Ledig * 1921
Judith Herzberg * 1934
Bettina Wegner * 1947
Erich Wolfgang Skwara * 1948
Geburtstag
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Verurteile nie einen Menschen, in dessen Lage du nicht gewesen bist.
Gert Ledig
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Dienstag, 8. November ab 19 Uhr
„Die 1.Seite“

Wir stellen folgende Bücher vor:

Annika Büsing: Nordstadt
Dörte Hansen: Zur See
Anna Woltz: Nächte im Tunnel

und Christiane Wachsmann liest aus ihrem neuen Roman: Lilits Töchter

Mit dabei natürlich Clemens Grote
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Am Mittwoch, den 16.November geht es los.
Wolfgang Schukrafts neues Theaterstück „Revoluzzerkind“ hat Premiere.
Immer ab 19 Uhr im Kunstverein Ulm.
Vorverkauf bei uns in der Buchhandlung.


Wolfgang Schukraft:

Für die einen waren sie Revolutionäre und Idealisten, die den Versuch unternahmen, die politischen Zustände in Deutschland zu ändern, für die anderen waren sie Terroristen und Verbrecher, die keine Skrupel kannten.

Ein Konflikt, der auch noch heute emotional geführt wird.

In meinem Stück „Revoluzzerkind“ möchte ich die Geschichte von einer anderen Warte aus erzählen. Viele dieser RAF-Mitglieder hatten Kinder, die nicht mit im Untergrund leben konnten, sondern versorgt werden mussten. Wie haben sie diese Zeit erlebt, was ist aus ihnen geworden?

Dem menschlichen Aspekt wird der gesellschaftlich-politische Aspekt gegenübergestellt. Das Stück beginnt mit einer schicksalhaften Begegnung bei einer Ausstellungseröffnung und es entsteht eine berührende Geschichte über die ersten Opfer der RAF: die Kinder. Auch wenn in diesem Theaterstück das Motive aus dem Leben von Ulrike Meinhof anklingen, sind Personen und Handlung dennoch fiktiv.

Felix Huby, der bekannte, jüngst verstorbene Autor von Fernsehsendungen, Theaterstücken und Büchern ließ Wolfgang Schukraft nach der Lektüre seines Stückes wissen: „Für mich war es besonders spannend, weil ich ja ein Zeitzeuge der 68er Jahre bin. Ich finde, Schukraft hatte eine wunderbare Idee, und sie ist genial umgesetzt. Man kann dem Stück nur wünschen, dass es Erfolg hat, wenn die Theater endlich wieder spielen dürfen.

Anlass zu meinem Stück war die Information, dass viele der damaligen Top-Terroristen Kinder hatten:

Gudrun Ensslin hatte einen Sohn, Felix
Ulrike Meinhof hatte Zwillinge, Bettina und Regine
Andreas Baader hatte eine Tochter, Suse
Angelika und Volker Speitel hatten einen Sohn, Grischa
Susanne Albrecht hatte einen Sohn, Felix
Marianne Herzog hatte einen Sohn, dessen Name ich nicht kenne.

Mich beschäftigte die Frage: Was wurde aus den Kindern, als die Eltern in den Untergrund gingen? Wie wirkten sich diese Erfahrungen bei ihnen aus.

Nach den umfangreichen Recherchen (übrigens das Schönste für mich beim Stückeschreiben) habe ich ein Theaterstück geschrieben, in das Berichte und Erfahrungen dieser Kinder einflossen. Es hat trotzdem eine eigene Wahrheit und Wirklichkeit und kann nicht auf reale Personen eingeengt werden.

Ich bin Ulrike Meinhof begegnet. Von 1968 bis 1971 (damals war ich gerade 21 Jahre alt) arbeitete ich als Redakteur in der Fernsehabteilung des Süddeutschen Rundfunks in Stuttgart. In dieser Zeit wurde dort ein Drehbuch von Ulrike Meinhof verfilmt: „Bambule“.

Sie schildert darin die autoritären Methoden der Heimerziehung in einem Berliner Mädchenheim. Es kommt zu einer Revolte der Heiminsassinnen gegen die unterdrückerischen Strukturen. Es ist eine „Bambule“, ein Aufstand.

Der Film kann auch als eine Parabel auf die gesellschaftlichen Strukturen der damaligen Zeit und als ein indirekter Aufruf zum Klassenkampf verstanden werden.

Frau Meinhof war während der Dreharbeiten oft im Stuttgarter Fernsehstudio. Ich meine mich zu erinnern, dass der Regisseur Eberhard Itzenplitz sich oft gegen die Forderung von Frau Meinhof wehren musste, in jedem Satz ihre politische Botschaft unterzubringen. Es sollte ja ein Fernsehspiel werden und kein offensichtliches politisches Manifest. Da sich Ulrike Meinhof nicht in allem durchsetzen konnte, zog sie sich vor Drehende zurück.

Außerdem erinnere ich mich an die Darstellerinnen der Mädchen, die aus Fürsorgeeinrichtungen kamen und sehr authentisch ihre Situation gespielt haben.

Am 24.Mai 1970 sollte dieser Fernsehfilm ausgestrahlt werden. 10 Tage vorher beteiligte sich Ulrike Meinhof an der Befreiung von Andreas Baader und lebte von da an im Untergrund. Daraufhin wurde „Bambule“ aus dem Programm genommen. Erst 25 Jahre später wurde der Film gesendet.

Mi, 16.11._19 UhrKunstverein Ulm, Kramgasse 4
(hinter dem Ulmer Münster)
Premiere Revoluzzerkind
von Wolfgang Schukraft. Es spielen Celia Endlicher und Marion Weidenfeld, Inszenierung: Wolfgang Schukraft
Do, 17.11._19 UhrKunstverein UlmRevoluzzerkind
So, 20.11._19 UhrKunstverein UlmRevoluzzerkind
Do, 01.12._19 UhrKunstverein UlmRevoluzzerkind
So, 04.12._19 UhrKunstverein UlmRevoluzzerkind
Do, 08.12._19 UhrKunstverein UlmRevoluzzerkind
So, 11.12._19 UhrKunstverein UlmRevoluzzerkind
Do, 12.01._19 UhrKunstverein UlmRevoluzzerkind
So, 15.01._19 UhrKunstverein UlmRevoluzzerkind