Mittwoch, 14.September

Der große Wagen mit Spezialbeleuchtung (Foto: Michel Wiltschek)

Heute haben
Theodor Storm * 1817
Michel Butor * 1926
Ivan Klima * 1931
Gerd Fuchs * 1932
Eckhard Henscheid * 1941
Martin Sperr * 1944
Uli Becker * 1953
Geburtstag
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Theodor Storm
Meeresstrand

Ans Haff nun fliegt die Möwe,
und Dämmrung bricht herein;
über die feuchten Watten
spiegelt der Abendschein.

Graues Geflügel huschet
neben dem Wasser her;
wie Träume liegen die Inseln
im Nebel auf dem Meer.

Ich höre des gärenden Schlammes
geheimnisvollen Ton,
einsames Vogelrufen –
so war es immer schon.

Noch einmal schauert leise
und schweiget dann der Wind;
vernehmlich werden die Stimmen,
die über der Tiefe sind.

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Zum 90. Geburtstag der Autorin am 27.Oktober 1932


Sylvia Plath: „Das Herz steht nicht still
Späte Gedichte 1960-1963
Zweisprachige Ausgabe. Herausgegeben, aus dem Englischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Judith Zander
Suhrkamp Verlag € 25,00

1960 zieht Sylvia Plath nach England und schreibt unermüdlich weiter. Es erscheint ihr Gedichtband Der Koloss. Kurz vor ihrem Tod, 1963, folgt ihr einziger Roman: Die Glasglocke. In diesen Jahren wird sie zweimal Mutter.
„Es ist, als setzte mein Herz ein Gesicht auf und ginge hinaus in die Welt.“
Sylvia Plath schwankt zwischen Mutter sein und sich das Leben nehmen, zwischen Glücksgefühl und Verzweiflung.
Großes Lob an Judith Zander für diese Übersetzungsarbeit und das sehr informative Nachwort.

Stillborn
These poems do not live: it’s a sad diagnosis.
They grew their toes and fingers well enough,
Their little foreheads bulged with concentration.
If they missed out on walking about like people
It wasn’t for any lack of mother-love.
O I cannot understand what happened to them!
They are proper in shape and number and every part.
They sit so nicely in the pickling fluid!
They smile and smile and smile and smile at me.
And still the lungs won’t fill and the heart won’t start.
They are not pigs, they are not even fish,
Though they have a piggy and a fishy air –
It would be better if they were alive, and that’s what they were.
But they are dead, and their mother near dead with distraction,
And they stupidly stare, and do not speak of her.

Totgeboren
Diese Gedichte leben nicht: eine traurige Diagnose.
Dabei wuchsen sie gut, alle Zehen- und Fingertriebe.
Ihre kleinen Stirnen schwollen vor Konzentration.
Wenn sie es versäumten herumzulaufen wie Menschen,
Lag’s nicht an einem Mangel an Mutterliebe.
Ach, ich begreife gar nicht, was mit ihnen passiert ist!
Sie sind proper in Form und Anzahl und allem Drumrum.
Sie hocken so nett in der konservierenden Lake!
Sie lächeln und lächeln und lächeln und lächeln mir zu.
Und doch füllen die Lungen sich nicht und das Herz bleibt stumm.
Sie sind keine Schweine, sie sind noch nicht einmal Fische,
Obwohl sie eine schweinige, fischige Anmutung haben –
Besser wäre, sie wären lebendig, und das ist’s, was sie waren.
Doch sie sind tot, und die Mutter fast tot vor Verzweiflung,
Und sie starren blöde und wollen nichts über sie sagen.


Sleep in the Mojave Desert
Out here there are no hearthstones,
Hot grains, simply. It is dry, dry.
And the air dangerous. Noonday acts queerly
On the mind’s eye, erecting a line
Of poplars in the middle distance, the only
Object beside the mad, straight road
One can remember men and houses by.
A cool wind should inhabit those leaves
And a dew collect on them, dearer than money,
In the blue hour before sunup.
Yet they recede, untouchable as tomorrow,
Or those glittery fictions of spilt water
That glide ahead of the very thirsty.
I think of the lizards airing their tongues
In the crevice of an extremely small shadow
And the toad guarding his heart’s droplet.
The desert is white as a blind man’s eye,
Comfortless as salt. Snake and bird
Doze behind the old masks of fury.
We swelter like firedogs in the wind.
The sun puts its cinder out. Where we lie
The heat-cracked crickets congregate
In their black armourplate and cry.
The day-moon lights up like a sorry mother,
And the crickets come creeping into our hair
To fiddle the short night away.

Übernachten in der Mojave-Wüste
Hier draußen gibt es keine Herdstellen,
Nur heiße Körnchen. Es ist trocken, trocken.
Und die Luft gefährlich. Mittag spielt seltsam
Mit dem inneren Auge, stellt eine Reihe
Pappeln in mittlerer Entfernung auf, die einzigen
Objekte neben der irren, schnurgeraden Straße,
Die einen an Menschen und Häuser erinnern kann.
Ein kühler Wind sollte in diesen Blättern wohnen
Und ein Tau, wertvoller als Geld, sich auf ihnen sammeln
In der blauen Stunde vor Sonnenaufgang.
Doch weichen sie zurück, unnahbar wie morgen
Oder jene glitzernden Einbildungen von vergossenem Wasser,
Die vor den sehr Durstigen herschweben.
Ich denke an die Eidechsen, die ihre Zungen kühlen
Im Spalt eines äußerst schmalen Schattens,
Und die Kröte, die das Tröpfchen ihres Herzens beschirmt.
Die Wüste ist weiß wie das Auge eines Blinden,
Trostlos wie Salz. Schlange und Vogel
Dösen hinter den alten Masken des Zorns.
Wir verschmachten wie Feuerböcke im Wind.
Die Sonne löscht ihre Schlacke aus. Wo wir liegen,
Versammeln sich hitzerissige Heuschrecken
Mit ihren schwarzen Panzern und klagen.
Der Tagmond leuchtet auf wie eine bedauernde Mutter,
Und die Heuschrecken kriechen uns ins Haar,
Um die kurze Nacht zu vergeigen.
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