Sonntag, 7.August

Heute haben
Joachim Ringelnatz *1883
Luisa Famos * 1930
Josef W.Janker * 1922
Wladimir Sorokin * 1955
Geburtstag
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Joachim Ringelnatz
Sommerfrische

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß,
Das durch den sonnigen Himmel schreitet.
Und schmücke den Hut, der dich begleitet,
Mit einem grünen Reis.

Verstecke dich faul in der Fülle der Gräser
Weils wohltut, weils frommt.
Und bist du ein Mundharmonikabläser
Und hast eine bei dir,
dann spiel, was dir kommt.

Und lass deine Melodien lenken
Von dem freigegebenen Wolkengezupf.
Vergiss dich. Es soll dein Denken
Nicht weiter reichen als ein Grashüpferhupf.
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Dienstag, 20.September, 19.00 Uhr
Gérard Scappini: „Ankunft in der Fremde

Bei uns in der Buchhandlung
Eintritt frei

Badische Zeitung vom 2.8.22

Man könnte Gérard Scappinis Roman „Ankunft in der Fremde“ lesen wie einen Zeitzeugenbericht. Wie sein Protagonist Pascal Napolitana stammt Scappini aus Toulon – und nachdem der Autor in den beiden Vorgängerbänden über Kindheit und Jugend Pascals in der südfranzösischen Stadt geschrieben hat, geht es nun ins Freiburg der Jahre 1966/67, wo der junge Mann, wie damals der Autor selbst, seinen 16-monatigen Militärdienst ableisten muss. In der Tasche hat er einen Gedichtband des Pazifisten Prévert, dafür keinen Schulabschluss, von Deutschland kennt er kaum mehr als „Goethe / Hitler / und Beckenbauer“.
Aus dem ungewohnten Blickwinkel eines französischen Soldaten erzählt der Roman von einer Epoche der Freiburger Geschichte, als die Truppen des ehemaligen Besatzers, seine Kasernen und Verwaltungsgebäude längst Teil des Stadtbilds geworden sind. Die Perspektive ist exklusiv, ja intim. Abhängig ist die von einem bisweilen zaghaften Ich-Erzähler und einem höchst begrenzten Bewegungsradius hinter Kasernenmauern, zwischen Kantinen, Wachposten und schließlich den wenigen Treffpunkten mit Kameraden und neuen Freunden. Nimmt der Ich-Erzähler die Menschen im kalten Freiburg zunächst als misstrauisch und abweisend wahr, tritt er allmählich mit ihnen in Kontakt – mit der Französischstudentin Uschi, radebrechend mit der Verkäuferin, die ihn nach „Weggle oder Milchweggle“ fragt, beim Tanz mit gleichaltrigen Einheimischen, von denen die Soldaten nur an den kurzgeschorenen Haaren zu unterscheiden sind.

So entsteht eine sehr persönliche emotionale Topografie der fremden Stadt: der Beatkeller und der Brunnen auf dem Münsterplatz, das Lorettobad, wo der Ich-Erzähler im Tausch gegen ein paar Liter abgezweigtes Benzin den Sommer verbringt, die nach Lavendel duftende Badewanne in der Kandelstraße, in der Verena mit ihm sitzt.
Die Perspektive bleibt die des jungen Schulabbrechers, der nicht weiß, was er von seiner Zukunft eigentlich erwartet, und nicht versteht, weshalb er in einem offenbar friedlichen Land Krieg spielen und Büros bewachen soll. „Ankunft in der Fremde“ ist damit auch eine Geschichte vom Erwachsenwerden. „Ich lasse mich treiben. Abwartend. Ziellos“: Die bürgerliche Welt bietet dem Ich-Erzähler oft ebenso wenige Orientierung wie jene fremde Stadt, in der er so unvermittelt im tiefsten Winter abgesetzt wurde.

Für diese zögerliche Ankunft hat Scappini eine auffällige, jedoch passende Sprache gefunden. Die Setzung in freien Versen, die auch aus einzelnen Wörtern bestehen können, verleihen der angenehm schmucklosen Prosa einen eigenen Rhythmus, der vorantreibt und doch immer wieder in unerwarteten Momenten innezuhalten scheint. So lesen sich die Sätze mal atemlos, mal als vorsichtige Annäherung an Gefühl und Ausdruck. Sie bringen die unbeholfene Aneignung der fremden Sprache zum Ausdruck, einen Prozess der Formsuche und der Selbstfindung.

Gérard Scappini wurde 1947 in Toulon geboren. 1966 kam er nach Freiburg, um seinen Militärdienst zu absolvieren und blieb danach in Deutschland. Er reiste viele Jahre als Verlagsvertreter durch den Buchhandel.

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