Montag, 27.Juni

Glühwürmchen fotografiert von Margit

Heute haben
Helen Keller * 1880
Frank O’Hara * 1926
Rafael Chirbes * 1949
Geburtstag
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Hugo von Hofmannsthal
Siehst du die Stadt?

Siehst du die Stadt, wie sie da drüben ruht,
Sich flüsternd schmieget in das Kleid der Nacht?
Es gießt der Mond der Silberseide Flut
Auf sie herab in zauberischer Pracht.

Der laue Nachtwind weht ihr Atmen her,
So geisterhaft, verlöschend leisen Klang:
Sie weint im Traum, sie atmet tief und schwer,
Sie lispelt, rätselvoll, verlockend bang …

Die dunkle Stadt, sie schläft im Herzen mein
Mit Glanz und Glut, mit qualvoll bunter Pracht:
Doch schmeichelnd schwebt um dich ihr Widerschein,
Gedämpft zum Flüstern, gleitend durch die Nacht.
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Unser Tipp, nicht nur für Ostseereisende:


Hans Werner Richter: „Geschichten aus Bansin“
Wagenbach Taschenbuch € 10,90

Sieben Erzählungen von einer Insel. Die Insel heißt Usedom und der Ort, in dem sie alle spielen, Bansin. Er ist die Heimat von Hans Werner Richter, dem legendären Leiter der Gruppe 47.
Alle Erzählungen handeln von Richters Vater, der nacheinander Fischer, Bademeister und Tankwart war. Der Vater war kein Held, obwohl in einer Krieger- und Heldenzeit großgeworden. Zwar konnte er Kaisers Förster reinlegen, aber dafür wurde er auch von seinen Freunden reingelegt und zum Schützenkönig gekürt. Nur einmal wäre er fast ein Held geworden, als Entdecker von Beutegut: einige tausend Nachthemden. Aber auch die verflattern im Wind der Zeiten.

Hans Werner Richter, 1908 in Bansin auf der Fischerinsel Usedom geboren, arbeitete zunächst als Buchhändler und für Verlage. 1946 gab er mit Alfred Andersch die Zeitschrift „Der Ruf“ heraus. Kurz darauf gehörte er als Initiator des ersten Treffens zu den Mitbegründern der Gruppe 47. 1993 starb er in München.
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Hardy on Tour


Tag 31
152 km von Nairn über die Städte Eigin, Buckie, Banff und Turff nach Maud

Seid ich mich entschieden hatte, wie ich es nun machen will, ging es mir besser. Klar, könnte es schief gehn, aber zumindest hatte ich nun einen Plan und der hieß: „Auf nach Aberdeen“ und ich entschied mich, zum Glück, auch,  daß ich nicht den schnellsten Weg auf der Hauptstraße dorthin nehme, sondern dem viel weiteren Nordseeküstenradweg folgen werde.
Den Zustand meiner Felge versuchte ich so gut es eben ging außer Acht zu lassen. Verdrängung ist schließlich ein probates Mittel zur Problembewältigung und das Hinterrad erfüllte heut stoisch und treuergeben seinen durchaus  anspruchsvollen Dienst. Die Unwucht des Reifens spürt man zwar deutlich, aber so lange noch eine luftbreit Platz zwischen Mantel und Rahmenstreben ist und das Rad läuft, soll mir alles recht sein.
Der Sonntag an sich war ein überaus schöner, auch wenn es zum Premium Titel wegen des heftigen Windes nicht gereicht hat. Fast alle Kilometer waren richtig erarbeitet, der Wind war nur selten heut Verbündeter.
Dafür kann ich den Nordseeküstenradweg N1 auszeichnen. Er ist exzellent ausgeschildert und führt auf sehr guten und recht verkehrsarmen Wegen durch die grüne Landschaft und durch historische kleine Fischerstädtchen, in denen man das Gefühl hat, daß die Zeit irgendwann dort stehen geblieben ist.
Sobald der Weg ein wenig weg von der Küste führt, ist man umgeben von weit auseinanderliegenden Farmen mit ihren großen Weiden voller Kühe, Schafe und Pferden. Das sieht auf den ersten Blick, bei blauem Himmel mit Schäfchenwolken, richtig malerisch und idyllisch aus und verstärkt wurde das heute alles von einer absolut friedlichen Sonntagsruhe.
Mein Zelt hab ich sehr frech auf dem Bowling Feld der Sportanlage aufgestellt. Dort ist der einzigste einigermaßen windgeschütze Platz und die Anlage macht zudem den Eindruck, als hätte sie schon bessere Tage gesehen.
Ich bin jetzt doch recht geschafft und auch durchfroren vom kühlen, immer noch kräftigen Wind und freue mich auf den Schlafsack und die heiße Milch, die gehört schon fast zur guten Traditon und wird mich sicher und sanft schlafen lassen.

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