Dienstag, 28.Juni

Heute haben
Jean-Jacques Rousseau * 1712
Anton Philipp Reclam * 1807
Luigi Pirandello * 1867
Berthold Viertel * 1885
Eric Ambler * 1909
Jürg Federspiel * 1931
Marlene Streeruwitz * 1950
Geburtstag
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„Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern dass er nicht tun muss, was er nicht will.“
Jean-Jacques Rousseau
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Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Der ukrainische Schriftsteller und Musiker Serhij Zhadan erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. In seinen Texten führe er eindringlich vor Augen, was viele lange nicht sehen wollten, so die Jury.

„Wir ehren den ukrainischen Schriftsteller und Musiker für sein herausragendes künstlerisches Werk sowie für seine humanitäre Haltung, mit der er sich den Menschen im Krieg zuwendet und ihnen unter Einsatz seines Lebens hilft“, heißt es in der Begründung der Jury. Die Entscheidung gab der Stiftungsrat am Montag in Frankfurt bekannt.
In seinen Romanen, Essays, Gedichten und Songtexten führe Serhij Zhadan in eine Welt, die große Umbrüche erfahren habe und zugleich von der Tradition lebe. „Seine Texte erzählen, wie Krieg und Zerstörung in diese Welt einziehen und die Menschen erschüttern.“

Zhadan lebt weiter in Charkiw, organisiert Konzerte, rettet Menschen aus umkämpften Vierteln, liest Gedichte und verteilt Hilfsgüter in der Stadt. Seine jüngsten Artikel über die Situation in der Ukraine sind aktuelle Zeitdokumente darüber, wie die dort lebenden Menschen im Angesicht von Gewalt und Bedrohung versuchen, ihren Alltag zu organisieren.
In der „Zeit“ bezeichnete er den russischen Angriff im April als „Genozid“. Und weiter: „Jeder, der jetzt versucht, eine Rechtfertigung oder Erklärung für das Verhalten der Russen zu finden, tut nichts anderes, als einen Genozid zu rechtfertigen.“

Den kompletten Bericht finden Sie hier unter Tagesschau.de
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Bei uns in der Buchhandlung
Mittwoch, 29.Juni ab 19 Uhr

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Hardy on Tour


Tag 32
106 km von Maud über Aberdeen nach Stonehaven

Am Morgen hab ich es tatsächlich geschafft, mich nach 2 km so zu verradeln, daß mir dies einen Umweg von satten 8 km eingebrockt hat, weil ich einen Wegweiser vom Nordseeküstenradweg falsch interpretiert hab. Super Start schon mal.
Die Strecke ging auch heute ruhig und beschaulich hügelig übers Land. Unglaublich wieviele Kühe es hier gibt. Auch an einer großen Schweineweide bin ich vorbeigekommen und muß sagen: Kuh riecht eindeutig besser.
Je weiter südlich man kommt, umso mehr Ackerland ist zu sehen. Gerste und Weizen vorallem, auch Raps und Kartoffeln, aber die Weidefläche dominiert eindeutig.
Immer wieder führt der Radweg auch auf stillgelegten Eisenbahnlinien entlang. Immer ein besonderer Radelgenuß.
Je näher ich mich Aberdeen näherte, desto trödeliger wurde ich, obwohl ich eigentlich ja so früh wie möglich dort sein wollte, um mich um die Felge kümmern zu können.
Es war so bisschen wie zur Schulzeit am Tag, wenn man die verkorkste Klassenarbeit rausbekommen hat. Man versucht den Zeitpunkt so weit wie irgend möglich wie Kaugummi in die Länge zu ziehen, wohlwissend es ändert nichts am Ergebnis.
Irgendwann um die Mittagszeit war ich dann angekommen und das erwartete Verkehrswirrwarr blieb überraschend aus. Ich kam und fand gut in die Stadtmitte, wo der Radladen sein sollte, für den ich mich ohne besonderen Grund entschieden hatte, als ich danach gegoogelt hatte. Ich war auf alles mögliche vorbereitet, aber wahrlich nicht auf das was da kommen sollte:
Der junge Monteur in dem recht modernen Laden hörte sich in aller Selenruhe den aufgeregten, englisch kauderwelschenden deutschen Radfahrer an, meinte „I will have a look“, verschwand für 10 Minuten und kam dann tatsächlich mit einer eingespeichten Felge zurück und erklärte, die könne ich haben. Wow, das war ja schon mal überraschend positiv. Er würde sie mir auch gleich montieren und „Nein“ ich bräuchte nichts weiter helfen. Das war jetzt schon mehr als nur positiv und nach einer guten halben Stunde war der Zahnkranz und die Bremsscheibe an die neue Felge geschraubt und das Hinterrad eingebaut und die Bremsen nachjustiert und die Gangschaltung optimiert, kurzum das Fahrrad fertig.
Als ich dann bezahlen wollte sagte der junge Mann, als ob dies das Selbstverständlichste wäre von der Welt „it’s okay“, „is free“. ich schaute ihn ziemlich fassungslos an und er verdeutlichte „zero“, und „it’s a gift from Scotland to you“. Also so perplex war ich selten oder noch nie. Ich konnte nur mich herzlichst bedanken und er wünschte mir noch eine schöne Reise. Hey Hallo, kann mich mal jemand bitte kneifen. Hab ich das grade wirklich erlebt ????
Ziemlich verwirrt ob diesem Verlauf schob ich dann mein Fahrrad mit der neuen Felge behutsam durch die Start. Ich traute mich erst gar nicht damit zu fahren, warum auch immer.
Vor dem markanten Museum Tolbooth erklang Dudelsackmusik, dorthin ging ich und lauschte dieser so charakteristischen Musik und war einfach ergriffen von der Musik und meiner neuen Felge und ganz besonders von dem jungen Radmonteur, nach dessen Namen ich völlig vergessen hab zu fragen.
Aberdeen ist eine tolle Stadt. Nach Glasgow und Edinburgh die drittgrößte Schottlands. Unglaublich imposante Granitgebäude, eine tolle Bucht samt herrlichem Strand und dabei so unaufgeregt und entspannt. Es war so easy sich in der Stadt zurechtzufinden und auch mit dem Fahrrad sich dort zu bewegen. Mein Eindruck jedenfalls war so.
Am späten Nachmittag bin ich dann noch die knapp 30 km bis Stonehaven geradelt, wo ich mich auf dem Campingplatz gleich am Strand eingerichtet hab. Nach notwendigstem Wäschewaschen, gab es noch einen Strandspaziergang und 3 Kugeln Eis, denn die hatte dieser Tag mehr als verdient.

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Montag, 27.Juni

Glühwürmchen fotografiert von Margit

Heute haben
Helen Keller * 1880
Frank O’Hara * 1926
Rafael Chirbes * 1949
Geburtstag
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Hugo von Hofmannsthal
Siehst du die Stadt?

Siehst du die Stadt, wie sie da drüben ruht,
Sich flüsternd schmieget in das Kleid der Nacht?
Es gießt der Mond der Silberseide Flut
Auf sie herab in zauberischer Pracht.

Der laue Nachtwind weht ihr Atmen her,
So geisterhaft, verlöschend leisen Klang:
Sie weint im Traum, sie atmet tief und schwer,
Sie lispelt, rätselvoll, verlockend bang …

Die dunkle Stadt, sie schläft im Herzen mein
Mit Glanz und Glut, mit qualvoll bunter Pracht:
Doch schmeichelnd schwebt um dich ihr Widerschein,
Gedämpft zum Flüstern, gleitend durch die Nacht.
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Unser Tipp, nicht nur für Ostseereisende:


Hans Werner Richter: „Geschichten aus Bansin“
Wagenbach Taschenbuch € 10,90

Sieben Erzählungen von einer Insel. Die Insel heißt Usedom und der Ort, in dem sie alle spielen, Bansin. Er ist die Heimat von Hans Werner Richter, dem legendären Leiter der Gruppe 47.
Alle Erzählungen handeln von Richters Vater, der nacheinander Fischer, Bademeister und Tankwart war. Der Vater war kein Held, obwohl in einer Krieger- und Heldenzeit großgeworden. Zwar konnte er Kaisers Förster reinlegen, aber dafür wurde er auch von seinen Freunden reingelegt und zum Schützenkönig gekürt. Nur einmal wäre er fast ein Held geworden, als Entdecker von Beutegut: einige tausend Nachthemden. Aber auch die verflattern im Wind der Zeiten.

Hans Werner Richter, 1908 in Bansin auf der Fischerinsel Usedom geboren, arbeitete zunächst als Buchhändler und für Verlage. 1946 gab er mit Alfred Andersch die Zeitschrift „Der Ruf“ heraus. Kurz darauf gehörte er als Initiator des ersten Treffens zu den Mitbegründern der Gruppe 47. 1993 starb er in München.
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Hardy on Tour


Tag 31
152 km von Nairn über die Städte Eigin, Buckie, Banff und Turff nach Maud

Seid ich mich entschieden hatte, wie ich es nun machen will, ging es mir besser. Klar, könnte es schief gehn, aber zumindest hatte ich nun einen Plan und der hieß: „Auf nach Aberdeen“ und ich entschied mich, zum Glück, auch,  daß ich nicht den schnellsten Weg auf der Hauptstraße dorthin nehme, sondern dem viel weiteren Nordseeküstenradweg folgen werde.
Den Zustand meiner Felge versuchte ich so gut es eben ging außer Acht zu lassen. Verdrängung ist schließlich ein probates Mittel zur Problembewältigung und das Hinterrad erfüllte heut stoisch und treuergeben seinen durchaus  anspruchsvollen Dienst. Die Unwucht des Reifens spürt man zwar deutlich, aber so lange noch eine luftbreit Platz zwischen Mantel und Rahmenstreben ist und das Rad läuft, soll mir alles recht sein.
Der Sonntag an sich war ein überaus schöner, auch wenn es zum Premium Titel wegen des heftigen Windes nicht gereicht hat. Fast alle Kilometer waren richtig erarbeitet, der Wind war nur selten heut Verbündeter.
Dafür kann ich den Nordseeküstenradweg N1 auszeichnen. Er ist exzellent ausgeschildert und führt auf sehr guten und recht verkehrsarmen Wegen durch die grüne Landschaft und durch historische kleine Fischerstädtchen, in denen man das Gefühl hat, daß die Zeit irgendwann dort stehen geblieben ist.
Sobald der Weg ein wenig weg von der Küste führt, ist man umgeben von weit auseinanderliegenden Farmen mit ihren großen Weiden voller Kühe, Schafe und Pferden. Das sieht auf den ersten Blick, bei blauem Himmel mit Schäfchenwolken, richtig malerisch und idyllisch aus und verstärkt wurde das heute alles von einer absolut friedlichen Sonntagsruhe.
Mein Zelt hab ich sehr frech auf dem Bowling Feld der Sportanlage aufgestellt. Dort ist der einzigste einigermaßen windgeschütze Platz und die Anlage macht zudem den Eindruck, als hätte sie schon bessere Tage gesehen.
Ich bin jetzt doch recht geschafft und auch durchfroren vom kühlen, immer noch kräftigen Wind und freue mich auf den Schlafsack und die heiße Milch, die gehört schon fast zur guten Traditon und wird mich sicher und sanft schlafen lassen.