Freitag, 10.Juni

Heute haben
Saul Bellow * 1915
James Salter * 1925
Maurice Sendak * 1928
Mensje van Keulen * 1946
Geburtstag
und heute erst Peter Kurzeck, den ich gestern schon erwähnt habe.
Rudi Deuble, der Mitherausgeber seiner Werke, hat mich darauf hingewiesen.
Übrigens kommt Rudi Deuble am Donnerstag, 13.Oktober zu uns in die Buchhandlung und stellt ein weiteres Buch von Peter Kurzeck vor.
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Mittags ist das Licht so grell, daß du all deine Kraft zusammennehmen mußt,
nur um in diesem Licht zu sein. Aber mußt bleiben in diesem Licht. Hin und
her, auf und ab – du kannst dich nicht trennen! Wie das Leben selbst.
Erschöpft oder nicht, du findest kein Ende in diesem Licht. Im Licht und so nah
bist du dir und den Menschen und allem, was du siehst. Jedem einzelnen vonder Sonne beseelten Grashalm. So weit alle Wege, so eine Nähe zu dir selbst.
Jedes Ding als Erleuchtung in diesem Licht. Der längste Tag. Zwei oder drei
längste Tage.

aus: Peter Kurzeck: „Der vorige Sommer und der Sommer davor“
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Dieses Buch ist eine Wucht:


Ilya Kaminski: „Republik der Taubheit

Aus dem Englischen von Anja Kampmann
Hanser Verlag € 22,00

Was es doch für Zufälle gibt. Gestern nachmittag las ich das Buch und dann stellt sich heraus, dass es am selben Abend in der Kulkturzeit auf 3sat vorgestellt wird.
Ein paar Gedichte aus dem Buch habe ich, mit Genehmigung von Anja Kampmann, die das Buch übersetzte und auch bei uns schon in der Buchhandlung ihren Roman „Wie hoch die Wasser steigen“ vorgestellt und zuvor ein paar ihrer eigenen Gedichte vorgelesen hat, hier auf dem Blog veröffentlicht. Damals haben mich die poetischen Zeilen sehr bewegt. Mir war aber nicht klar, dass dies Teile aus einem Ganzen waren. Einem Roman in Gedichten, einer poetischen Parabel über Krieg, über Liebe, über unser Zusammenleben und gegen das Schweigen.
Selten habe ich so starke, bewegende Zeilen gelesen, wie gestern Nachmittag.

In der Stadt Vasenka wird ein tauber Junge, der einem Puppenspiel zuschaut, von Soldaten auf offener Straße erschossen. Daraufhin schweigen alle Bewohner der Stadt, geben sich als taub aus, verständigen sich in Gebärdensprache und leisten in dieser Form Widerstand. „Deaf Republic“ heisst das Buch im Original, wobei da sicherlich die Verwandschaft von deaf und death zu lesen ist.
Neben den Grausamkeiten des Krieges gibt es eine herzzerreissende Liebesgeschichte zwischen Sonya und Alfonso und deren noch ungeborenes Kind („so groß wie ein Seepferdchen“) Anuschka.
Dass dies alles nicht gut ausgehen kann, dass das Puppenspiel in den Wirren des Krieges nicht übersteht und seine MitspielerInnen nicht überleben, ist zwar kaum auszuhalten, aber wenn wir die täglichen Nachrichten aus der Ukraine verfolgen, pure Realität.
Vielen Dank an Anja Kampmann, dass sie das Buch für uns entdeckt und übertragen hat. Von einer Übersetzung kann hier fast nicht gesprochen werden. Ich denke, dass nur eine Lyrikerin sich in diese poetische Form hineinversetzen kann.

Ilya Kaminsky
Wir lebten glücklich während des Krieges

Und als sie die Häuser der anderen zerbombten

protestierten wir,
aber nicht genug, wir waren dagegen, aber nicht 

genug. Ich lag
in meinem Bett, um mein Bett ging Amerika

zugrunde: unsichtbares Haus um unsichtbares Haus um unsichtbares Haus-

Ich stellte einen Stuhl hinaus und betrachtete die Sonne.

Im sechsten Monat
dieser verhängnisvollen Herrschaft im Haus des Geldes

in der Straße des Geldes in der Stadt des Geldes im Land des Geldes,
unserem großartigen Land des Geldes, lebten wir (vergib uns)

glücklich während des Krieges.

Ilya Kaminsky, geboren 1977 in der ehemaligen Sowjetunion, wanderte 1993 in die USA aus. Er ist ein ukrainisch-russisch-jüdisch-amerikanischer Dichter, Kritiker, Übersetzer und Lyrik-Professor. Bekannt wurde er durch die Gedichtsammlungen „Tanzen in Odessa“ und „Republik der Taubheit“, für die er zahlreiche Auszeichnungen erhielt. Sein Werk wurde bislang in über zwanzig Sprachen übersetzt.
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Hardy on Tour

Tag 14
82 km bis nach Land’s End 

Die 42 km, von meinem Übernachtungsplatz in das sehr bekannte Küstenstädtchen St. Ives, waren trotz des Gegenwindes recht schnell zurückgelegt. Leider schlug, kaum dort angekommen, das Wetter um und es begann zu nieseln.
St.Ives ist nicht nur wunderschön gelegen, sondern auch bekannt für seine zahlreichen Galerien und seine beliebten Surfstrände. Es gibt wohl keinen besseren Ort um endlich mal ein Bad im Meer sich zu gönnen; immerhin hat das Wasser schon annehmbare 14 Grad, allemal erfrischend jedenfalls. 
Die Küstenstraße von St.Ives nach Land End ist eigentlich wunderschön und bietet eine prächtige Szenerie; nur bei Wind und Regen habe ich davon leider nicht allzuviel  mitbekommen. Da strampel ich die steilen Anstiege hoch, muß bei der Minimalgeschwindigkeit von grade mal 6 km/h eh schon schauen, daß ich in Balance bleibe mit dem Fahrrad, und dann spielt der Wind sein fieses Spiel, in dem er ordentlich Böen einem entgegenbläst. Aber ich habe mir die Laune nicht verderben lassen und habe mein gesamtes Liedgut dem englischen Regen gegengeträllert. Kurz vor Land’s End hatte schließlich auch der Regen genug und stellte sein Tagwerk ein. Am Abend gab es sogar noch richtig Sonne zu bestaunen. 
Land’s End – das erste Ziel meiner Tour habe ich nach ziemlich genau 1.600 geradelten km nun also erreicht und zugleich ist hier der Startpunkt der „End to End Tour“ hoch in den Nordosten der Insel nach John o Groats in Schottland und dorthin geht also ab morgen die Reise.