Dienstag, 5.April


Heute haben
Robert Bloch * 1917
Arthur Hailey * 1920
Hugo Claus * 1929
Bora Cosic * 1932
Jochen Ziem * 1932
Werner J.Egli * 1943
Geburtstag
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Lessie Sachs (1897-1942)
Frühling

Die Sonne scheint, und man ist bass erstaunt,
Die Bäume schmücken sich mit Perlen-Schnüren,
Und haben, weiss Gott, junge-Braut Allüren,
Und alle Welt ist plötzlich gut gelaunt.

Der Frühling kommt wahrhaftig jetzt in Gang,
Der Herr von nebenan pfeift „Winterstürme“, –
Der Häftling denkt, wie er am besten türme, –
Du denkst: wie werd‘ ich wieder jung und schlank? –

Man sollte jetzt sofort die Grosstadt fliehn,
Die Kinder spielen draussen Ringelreihe, …
Vielleicht kann man am Sonntag doch in’s Freie, …
Doch hat man leider garnichts anzuziehn. –

Man wärs eigentlich jetzt gern zu zwei’n,
Man ist bereit zu jeder Art von Märchen, –
Zur Hälfte sind die Menschen Liebespärchen,
Die and’re Hälfte möcht es gerne sein.
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Christine Langer: Ein Vogelruf trägt Fensterlicht
Gedichte
Kröner Verlag / Edition Klöpfer € 20,00

An der Schwelle

Lichtrisse schieben den Himmel vor sich her bevor sie die Abend-
Glocken in die Baumwipfel hängen

Schwer wiegen sich die Schatten des Walds in den Wolken
Und spannen Laken über die Erde

Der Geruch feuchter Steine trägt Spuren wilder Tiere in mein Haus:
Ich habe die Stirn gelehnt an die offene Tür der Nacht

Christine Langers Gedichte aus diesem neuen Band spüren den Kleinigkeiten in der Natur nach. Spiegelungen am Himmel, im Fenster werden zu Lyrik umgewandelt, die wiederum irgendwo in der Natur auftauchen.

Der Blick aus dem Fenster geht mit dem Sturm,
Bald bricht sich Zweig um Zweig an jenem Baum,
Von dem es hieß, daß der Himmel darin wächst.

Es ist eine Reise durch das eigene Zimmer, durch den Garten vor dem Haus, den Wiesen und dem Wald um die Ecke, mit allem was sich darin und darüber bewegt, in Verse gesetzt, die eine große Leichtigkeit in sich bergen und doch nicht auf den ersten Moment schlüssig sind. Das zweite und dritte Lesen machen den Reiz der Gedichte aus.
Erinnerungen mischen sich mit Gefühlen und verbinden sich mit dem Klang der Wörter zu einem stimmigen Ganzen.

Das Krähenpaar im offenen Fenster holt den Morgen
aus dem Winterschlaf eines fremden Tiers