Montag, 28.März

Heute haben
Maxim Gorki * 1868
Bohumil Hrabal * 1914
Marianne Fredrikssen * 1927
Mario Vargas Llosa * 1936
Jürgen Lodemann * 1936
Tilman Röhrig * 1945
Eric-Emmanuel Schmitt *1960
Geburtstag
___________________________________

Federico Italiano
Camera ardente


È il primo morto di cui abbia ricordi:
la zia tra le candele,
senza le scarpe, i piedi
nel sempiterno collant color pelle,
il plissé della gonna e poi qualcosa
di scavato, la penombra, la camera
ardente, le voci sopra la mia testa,
lo stinco gelido, che sfiorai quando non c’era
nessuno. Fu la prima morte, il primo
cadavere che sentii mio, mentre
sul cornicione le tortore tubavano
e in fondo alla strada il silenzio devoto
del pomeriggio cedeva al rancore
oscuro di un motorino truccato.

Die Aufbahrungskammer

Der erste Tod, an den ich mich erinnre:
Die Tante inmitten der glosen-
den Kerzen, ohne Schuhe, die Füße auf immer
und ewig in der hautfarbenen Strumpfhose,
und dann, überm Plissee des Rocks,
dieses eingefallene Etwas; Zwielicht, die Kammer,
die glühte, Stimmen über meinem Kopf,
ein kaltes Schienbein, das ich berührte, als keiner
dabei war. Es war der erste Tod, der erste
Leichnam, der mir nahe war, während
auf dem Sims die Turteltauben gurrten
und am Ende der Straße die andächtige Stille
des Nachmittags dem dunklen Grummeln
eines frisierten Mopeds wich.

(aus: Federico Italiano: Sieben Arten von Weiß
übersetzt aus dem Italienischen von Raoul Schrott, Jan Wagner
Carl Hanser Verlag Verlag, München, 2022)
_______________________________________________

Unser Buchtipp des Tages:


Marie Luise Knott: „370 Riverside Drive, 730 Riverside Drive
Hannah Arendt und Ralph Waldo Ellison – 17 Hinweise
Matthes & Seitz Verlag € 22,00

Als ich das Buch letzte Woche aus der Kiste nahm, war ich sehr gespannt, um was es in diesem Buch geht. Die Adresse Riverside Drive hat mich stutzig gemacht, da dort Hannah Arendt gewohnt hat, aber auch Gesine und Marie Cresspahl aus den Jahrestagen von Uwe Johnson und ich das Gedbäude deshalb auch einmal aufgesucht habe.
Was es mit den beiden Adressen auf dem Titel und dem Zahlendreher auf sich hat, war mir überhaupt nicht klar.
Nach wenigen Seiten, wusste ich, dass ich diesen Essay zuende lesen will.
Obwohl es sich um einen Text von 1959 handelt, der Hannah Arendt viel Kritik eingebracht hat, ist dieses Buch so hochaktuell, auch auf Grund der Black Lives Matter-Bewegung.
Marie Lusie Knott nähert sich in 17 Hinweisen den Gedankengängen der Philosophin, die sich gegen die gesetzlich forcierten Integration schwarzer Schüler und Schülerinnen aussprach. 1965 schrieb sie dem afroamerikanischen Schriftsteller Ralph Ellison (der in der gleichen Straße in der Nr.730 wohnte), sie habe seine Replik auf ihre damaligen Ausführungen gelesen, die ’nackte Gewalt‘ bislang nicht bedacht und sein ‚Ideal des Opfers‘ jetzt erst verstanden.
Das könnte ja schon genügen. Marie Luise Knott gibt sich mit so einer einfach Erklärung nicht zufrieden, entfaltet ein eindrückliches Mosaik an Gedanken, Bildern und Reflexionen zu den Hintergründen von Arendts Briefs und öffnet so einen Blick in den Abgrund der Geschichte des vergangenen Jahrhunderts.
Ein sehr kluges Buch über zwei kluge Menschen, die beide von ihren Fenstern aus auf den selben Fluss blicken konnten, der gleich um die Ecke in jenes Meer mündet, über sie, Schwarze wie Juden, einst, wenngleich unter konträren Bedingungen, ins Land kamen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s