Montag, 8.November


Heute haben
Bram Stoker * 1847
Margaret Mitchell * 1900
Martha Gellhorn * 1908
Peter Weiss * 1916
Peer Hultberg * 1935
Kazuo Ishiguro * 1954
Geburtstag
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„So kommt der Schreibende auf einem Umweg über den Zerfall und die Machtlosigkeit zum Schreiben, und jedes Wort, mit dem er eine Wahrheit gewinnt, ist aus Zweifeln und Widersprüchen hervorgegangen.“
Peter Weiss
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Winfried Hermann Bauer
Auf meinem Weg

So lange
Suchte ich meinen Weg
Wollte weg von allem
Immer nur weg
Von all den Dingen
Von all den Zwängen
Von all den Menschen
Die mich aufhielten
Festhielten
Gefangen nahmen
Bis ich feststellte
Dass ich längst auf meinem Weg war
Mit all den Menschen
Mit all den Dingen
Mit all den Zwängen
Und dass ich immer freier atmen konnte
Auf meinem Weg
Und zulassen
Und wach bleiben
Sogar lieben konnte
Ohne festzuhalten
Zuschauen
Einfach nur zuschauen konnte
Wie all die Dinge von mir abfielen
Sowieso
Stück für Stück
Als wären es Brosamen
Auf meinem Weg nach Hause
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Emmanuel Bove: „Die Geschichte eines Verrückten“
Erzählung
Aus dem Französischen von Helke Voß-Becher
Mit einem Nachwort von Jörg Plath
Umschlag: Tjark Ihmels
Fadengeheftete französische Broschur
Golden Luft Verlag, 24 Seiten, € 14,00

Diese Erzählung hat mich sehr ungeduldig gemacht. Auf den wenigen Seiten schildert der junge Fernand, wie er uns, den Lesenden seines Berichtes, klar machen will, dass er nicht verrückt ist. Er bricht an einem einzigen Tag mit all den Menschen, die ihm nahestehen. Ohne Anlass, ohne Begründung. Er erzählt uns, wie er sich von seinem Vater, seiner Geliebten, seiner Schwester und seinem Freund verabschiedet. Er sagt ihnen, dass er sie nicht mehr sehen will. Dies ohne Begründung. Für die Angesprochenen kommt es aus heiterem Himmel. Für uns Lesende wird es immer abstruser, wie sich der Erzähler in seiner absurden Logik verstrickt.
Eine kurze Erzählung, in der die Sprache den Weg in den Wahnsinn zeigt.

Die broschierten Ausgaben des Verlages zeichnen sich durch ihre sehr schöne, handwerkliche Verarbeitung aus.
Schön, dass es solche Dinge noch gibt. Die Friedenauer Presse hat dies jahrelang vorgemacht.

Emmanuel Bove
Schon mit seinem ersten Roman „Mes amis“ gelang Emmanuel Bove, der 1898 als Sohn eines mittellosen russischen Juden und einer Luxemburgerin in Paris geboren wurde, der literarische Durchbruch – ein Meisterwerk, das einen ganz eigenen Ton anschlägt und keinem Vorbild, keiner literarischen Richtung zugeordnet werden kann. Es folgten weitere 22 Romane und über 30 Erzählungen, die Bove – im Sinne von Proust und Balzac – als Teile eines Ganzen verstand. Nach seinem frühen Tod im Jahr 1945 lange in Vergessenheit geraten, gilt Bove heute als großer Außenseiter der französischen Moderne.

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