Dienstag, 3.August

(Foto: Christa Lessner)

Heute haben
Leon Uris * 1924
PD James * 1920
Geburtstag
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Dorothea Schlegel (gestorben am 3.8.1839)
Draußen so heller Sonnenschein
 
Draußen so heller Sonnenschein,
Alter Mann, laß mich hinaus!
Ich kann jetzt nicht geduldig sein,
Lernen und bleiben zu Haus.
 
Mit lustigem Trompetenklang
Ziehet die Reuterschar dort,
Mir ist im Zimmer hier so bang,
Alter Mann, laß mich doch fort!
 
  Er bleibt ungerührt,
  Er hört mich nicht:
  »Erlaubt wird, was dir gebührt,
  Tust du erst deine Pflicht!«
 
Pflicht ist des Alten streng Gebot;
Ach, armes Kind! du kennst sie nicht,
Du fühlst nur ungerechte Not,
Und Tränen netzen dein Gesicht.
 
Wenn es dann längst vorüber ist,
Wonach du trugst Verlangen,
Dann gönnt man dir zu spät die Frist,
Wenn Klang und Schein vergangen!
 
    Was du gewähnt,
    Wonach dich gesehnt,
    Das findest du nicht:
    Doch bleibt betränt
    Noch lang dein Gesicht.
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Ein guter Lauf und wieder mal Zufälle.
Meine letzten Bücher waren alles Volltreffer. Sigrid Nunez: „Was fehlt dir“, Ali Smith: „Sommer“ (das ich noch vorstellen muss) und jetzt Caleb Azumah Nelsons: „Freischwimmen“.
In „Freischwimmen“ wird immer wieder James Baldwin zitiert, der am 2.8. Geburtstag hatte, an dem Tag, als ich diesen Roman gelesen habe.


Caleb Azumah Nelson: „Freischwimmen
Aus dem Englischen von Nicolai von Schweder-Schreiner
Kampa Verlag € 20,00
Open Water“ Penguin Books € 18,00

Freischwimmen ist zarte Poesie, eine Liebeserklärung an schwarze Kunst, schwarzes Denken, eine Erforschung der Intimität und Verletzlichkeit im Zusammensein zweier junger Künstler, die behutsam miteinander umzugehen lernen – in einer Welt, die sich Schwarzen gegenüber unerbittlich zeigt.,
schreibt die Autorin Yaa Gyasi („Ein erhabenes Königreich„, „Heimkehren„)

Mit diesem Satz hat Yaa Gyasi recht. Eine unglaubliche zarte Liebesgeschichte, die ganz anders ist und doch so intensiv. Sie erinnert manchmal an James Baldwins „Beale Street Blues“, der auch erwähnt wird.
Viel schwarze Musik, schwarze Filme, schwarze Kunst und schwarze Literatur lässt der Autor in sein Debüt einfließen und ich kam kaum hinterher, die Tipps auf’m Smartphone nachzuschlagen, was aber ungeheuren Spaß gemacht hat. Und so wie Caleb Azumah Nelson diese Zitate in seinen Roman einfließen lässt, so scheint auch sonst einiges biografisch zu sein, wenn ich seinem Lebenslauf, die der Kampa Verlag veröffentlicht hat, glauben darf.
Es tat mir so gut, die Zeit mit den beiden Hauptpersonen verbringen zu dürfen, ihnen beim Telefonieren zuzuhören, mit ihnen durch die Pubs und Clubs Londons zu ziehen und ihren Gesprächen zu lauschen. Und gleichzeitig finden wir den alltäglichen Rassismus, der das Leben der Liebenden jeder Zeit beenden könnte. So wird von einer Sekunde auf die andere aus dem Liebesspiel ein Tanz auf Messers Schneide.
Wirklich ein tolles Buch, in dem auch der Sommer eine wichtige Rolle spielt, wobei wir wieder bei Ali Smiths „Sommer“ sind. Sie merken, Literatur ist ein großer Reigen.
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1. Welches Buch lesen Sie gerade?
2. Welches Buch empfehlen Sie unbedingt?
3. Welches Buch wollen Sie schon immer mal (wieder) lesen?

Bernadette und Ole vom Ulmer Radladen „Pedaleur“ empfehlen:

Das Gewicht der Worte“ von Pascal Mercier (Bernadette)
und „Palermo ist eine Zwiebel“ von Roberto Alajmo (Ole)

Offene See“ von Benjamin Myers (Bernadette)
und „Brot und Unwetter“ von Stefano Benni (Ole)

Etwas von den Wurzelkindern“ – das lese ich mein Leben lang immer wieder (Bernadette)
und „Tante Jolesch“ von Friedrich Thorberg – da stehen viele weise Worte, die einen erst schmunzeln und dann nachdenken lassen (Ole)

Danke!!!!
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„Wenn‘s so weitergeht, dann braucht‘s kein „Klima vor Acht“ mehr,
dann sind das einfach die Nachrichten!“

Katrin Bauerfeind (Journalistin, Fernsehmoderatorin, Entertainerin, Buchautorin und Schauspielerin.

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