Mittwoch, 24.März





Dies schickte uns unser Verband Baden-Württemberg:

Sehr geehrter Herr Wiltschek,
bis spät in die Nacht tagten die Bundeskanzlerin und die Regierungschefs und Regierungschefinnen der Länder, heraus kamen zum Teil sehr strenge neue Maßnahmen, die wie üblich nun von der Landesregierung Baden-Württemberg umgesetzt werden müssen.
Da wir aber voraussichtlich erst am Wochenende die neuen rechtlichen Grundlagen haben werden, vorab die für uns wichtigsten Punkte im Überblick: 
Vom 1. bis 5. April 2021 soll es einen harten Lockdown geben.
Bis auf den Lebensmittelhandel im engeren Sinne soll alles geschlossen bleiben.
Was das genau bedeutet ist noch offen, wir müssen aber davon ausgehen,
dass am Gründonnerstag und Ostersamstag u.a. Buchhandlungen geschlossen bleiben.
Auch die Einordnung des Buchhandels in den Bereich der „Waren des täglichen Bedarfs“ wird nochmals überprüft werden. Anlass dafür ist vor allem die Entscheidung des OVG Münster, wonach in Nordrhein-Westfalen die bevorzugte Behandlung von Baumärkten, Blumenläden und eben auch Buchhandlungen als Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz gewertet und gerichtlich für unwirksam erklärt wurde. Wie diese „Überprüfung“ in Baden-Württemberg ausfällt, müssen wir abwarten.
Mit der geänderten Verordnung ist angesichts der rechtlichen Probleme erst am Wochenende zu rechnen, sie gilt dann voraussichtlich ab Montag, den 29. März 2021.
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Und trotzalledem gibt es von uns auch jetzt einen Buchtipp:


Sharon Dodua Otoo: „Adas Raum“
S.Fischer Verlag € 22,00

Endlich ist er da, der erste Roman der Bachmann-Preisträgerin.
Und was für den Debüt.
Ada lebt in vier Zeitebenen: Im 15.Jahrhundert, im 19.Jahrhundert, 1945 und 2019 im jetzigen Berlin.
Ada durchlebt vier verschiedene Leben und immer sind diese Biographien von Leid, Tod, Erniedrigung und Gewalt und Rassismus geprägt. Wie Sharon Otoo dieses Kapitel miteinander verknüpft, Verbindungen herstellt, Bezügung von jetzt in eine komplett andere Welt vor vielen Jahren herstellt, ist schon sehr gekonnt. So finden wir den täglichen Rassimus und Sexismus, der in den letzten Jahren sehr in die öffentliche Diskussion gekommen ist, schon immer und überall. Gleichzeitig erleben wir mit diesen Frauen Glück, Hoffnung und erfüllte Sehnsucht, die durch ein Armreif symbolisiert wird, der von Frau zu Frau gereicht wird.
Sharon Otoo hat diesen Roman in deutsch geschrieben, obwohl dies nicht ihre Muttersprache ist.
Ein kleines. großes Meisterwerk, das es zu entdecken gilt.

Leseliste von Sharon Dodua Otoo während sie „Adas Raum“ schrieb.

Interview auf dem Dach des S.Fischer Verlages.

Heute abend ab 19.30 Uhr im Literaturhaus Stuttgart
https://www.literaturhaus-stuttgart.de/event/adas-raum-4893.html
Bitte bis eine Stunde vorher Karten reservieren.

Sharon Dodua Otoos Bachmann-Rede von 2020: „Dürfen Schwarze Blumen Malen

Dienstag, 23.März

Heute haben
C.F.D.Schubart * 1739
William Morris * 1834
Dario Fo * 1926
Martin Walser  wird 90. * 1927
Peter Bichsel * 1935
Geburtstag
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Fred Endrikat
Frühling ist’s

Frühling ist’s! Die Hennen glucksen
Veilchen raus – und weiße Buxen.
Frauen schnüren sich geringer,
und der Bauer schiebt den Dünger.
Fliegen klettern unverdrossen
auf den Nasensommersprossen.
Ringsum blüht’s an allen Hecken –
und es riecht aus den Ap’theken.
Ich steck mir voll Übermut
’nen Sonnenstrahl an meinen Hut.
Freudig jubeln und frohlocken
Kirchen-, Kuh- und Käseglocken.
Frühling wird’s mit Vehemenz.
Auf grünen Filzpantoffeln naht der Lenz!
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Claudia Wiltschek empfiehlt:


Iain Lawrence : „Skeleton Tree
Verlag Freies Geistesleben  € 19,00
Jugendbuch ab 12 Jahren


Chris lebt nach dem tödlichen Unfall seines Vaters allein mit seiner Mutter. Um ihn ein bisschen aus der Trauer zu locken, lädt ihn sein Onkel Jack zu einer Segeltour an der Küste Alaskas ein. Seine Mutter willigt nur zögerlich ein, ist doch Onkel Jack als risikofreudiger Draufgänger bekannt. Aufgeregt und voller Freude besteigt Chris das Boot, wird aber etwas enttäuscht, befindet sich doch noch ein Junge dort, etwas älter als er. Frank ist mürrisch, überheblich und wechselt mit Chris eigentlich kein Wort. Chris wird zu alledem noch seekrank. In einem Sturm erleiden sie Schiffbruch und mit letzter Kraft können sich nur Frank und Chris ans Ufer retten. Menschenleere und völliger Wildnis sind die beiden nun ausgesetzt und für beide beginnt ein Leben, das von Nahrungssuche und Kämpfen gegen Bären und Wölfen bestimmt ist. Zudem hat sich Franks Verhalten gegenüber Chris nicht geändert und so muss Chris auch noch täglich Demütigungen ertragen. Die Situation ändert sich, als ein großer Rabe Zutrauen zu Chris findet und eine rührende Beziehung zwischen den beiden entsteht. Die Klugheit dieses Tieres rettet sie aus vielen gefährlichen Situationen und auch Frank wird zugänglicher und erzählt endlich Chris, warum er so abweisend war.
Ich wollte eigentlich nur kurz in das Buch reinlesen: Es hat mich aber so gefesselt und daraus sind einige aufregende Lesestunden geworden. Ein tolles Buch für für alle, die Abenteuer und ein bisschen Grusel mögen und es sich leisten können einige Stunden auf dem Sofa oder sonstwo vor Spannung festgeklebt zu sein. Bestens geeignet für lesemüde Jungs, die sich sicher auch durch das tolle gelungene Cover angesprochen fühlen.
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Heute ab 19.30 Uhr online im Literaturhaus Köln
Hildegard E. Keller: „Was wir scheinen“
Ein Roman über Hannah Arendt
https://literaturhaus-koeln.de/programm/hildegard-e-keller-was-wir-scheinen/23-03-2021/