Dienstag, 2.März

Heute haben
Sholem Alejchem * 1859
Tom Wolfe * 1931
John Irving * 1942
Geburtstag
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Winfried Hermann Bauer
Gestern noch

Gestern noch
Stand die Friedhofsmauer starr und stolz
Und schied
Unter den Klängen der Kirchenglocken
Wie gewohnt
Die Welt der Lebenden
Von den Toten

Gestern glich
Auch der Fluss im Tal noch
Einer silberglänzenden Schlange
Die sich in ihrem Bett räkelte
Und mich mit schmeichelnden Worten
Glucksend
In den Schlaf raunte

Heute jedoch
Geht ein Tosen durch die Welt
Die Schlange bäumt sich
Reißt zischend und fauchend
Mannsgroße Stücke aus den Ufern
Während sie sich vorwärts stürzt
Gen Osten

Und in der Friedhofsmauer
Klafft ein gewaltiger Riss
Wie ein weit aufgesperrtes Maul
das an der kleinen Blume würgt
Die das Leben wagt
Und unverhofft
In diesem Schlund erblüht
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Unser Tipp:


Barry Kosky: „On Ecstasy
Aus dem Englischen von Ulrich Lenz
Theater der Zeit € 15,00

Vorwort

Ekstase
gesteigerte Freude oder Vergnügen

ein emotionaler Zustand von solcher Intensität,
dass der Mensch seiner Vernunft und Selbst-
kontrolle beraubt ist

mit mystischer oder prophetischer Begeisterung
in Verbindung stehendes Gefühl von Trance,
Rausch oder Verzückung

vom kirchenlateinischen ecstasis entlehnt, das
auf griechisch ἔκστασις(ékstasis)„Außersich-
geraten, Verzückung“ zurückgeht, von ἐξ-ίστασθαι
(ex-hístasthai)
„aus sich heraustreten, außer sich
sein“

Es ist nicht notwendig, dass du aus dem Haus gehst.
Bleib bei deinem Tisch und horche. Horche nicht
einmal, warte nur. Warte nicht einmal, sei völlig still
und allein. Anbieten wird sich dir die Welt zur
Entlarvung, sie kann nicht anders, verzückt wird sie
sich vor dir winden. Franz Kafka

Auf diese Lektüre wäre ich ja nie gestoßen, hätte mich nicht der Verlagsvertreter Rudi Deuble darauf aufmerksam gemacht . Danke dafür.
Barrie Kosky ist mittlerweile Intendant der Komischen Oper in Berlin und blickt zurück in seine Kindheit und Jugend. Wo und wann überkamen ihn ekstatische Gefühle? Wann gab es diese Momente? Dies erzählt er so nah, dass ich die Situationen förmlich riechen und schmecken konnte. Die weltbeste Hühnersuppe seiner Großmutter etwa. Da läuft mir als Vegetarier sogar das Wasser im Mund zusammen. Die rauschhaften Stunden im Plezlager seines Vaters in Melbourne. Seine erotischen Assoziationen während des Vorspanns einer Kinder Fernsehserie und natürlich Theater, Oper, Musik. Seine Beschreibungen, seine Gefühle beim ersten Mal Hören einer Arie aus Madama Butterfly und der 1.Sinfonie von Gustav Mahler, waren so intensiv und schön, dass ich mir parallel dazu Mahlers Sinfonie angehört habe. Zum Schluss noch Tristan und der Fliegende Holländer von Wagner, die für ihn schon fast überirdisch sind. Wahrscheinlich auch der Grund, warum er den Ring in Hannover komplett inszeniert hat.
Dies alles geschrieben aus der Sicht eines gestandenen Theatermenschen. Herrlich.

Biografisches gefunden auf der Verlagshomepage:

Barrie Kosky wurde 1967 in Melbourne geboren und lebt heute in Berlin. Nach einer Ausbildung in Klavier und Musikgeschichte an der Universität Melbourne wandte er sich der Theater- und Opernregie zu. Von 1990 bis 1997 war er künstlerischer Leiter der Gilgul Theatre Company in Melborne, 1996 war er Künstlerischer Leiter des Adelaide Festivals, von 2001 bis 2005 Co-Direktor des Wiener Schauspielhauses, seit 2012 ist er Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper Berlin.
Engagements als Opernregisseur führten Barrie Kosky unter anderem an die Bayerische Staatsoper München, an das Royal Opera House in London, zum Glyndebourne Festival, an die Oper Frankfurt, die Dutch National Opera und an das Opernhaus Zürich. 2017 debütierte er mit Die Meistersinger von Nürnberg erfolgreich bei den Bayreuther Festspielen. 2019 erfolgte mit Orphée aux enfers sein gefeiertes Debüt bei den Salzburger Festspielen. Seine Inszenierungen wurden außerdem am Teatro Real Madrid, an der Wiener Staatsoper, Opéra de Dijon, Los Angeles Opera, English National Opera in London, Australian Opera Sydney, Oper Graz, Staatsoper Hannover, am Theater Basel, Aalto Theater Essen, Deutschen Theater Berlin, Schauspiel Frankfurt sowie am Berliner Ensemble gezeigt.

Ein Kommentar zu “Dienstag, 2.März

  1. Danke für diesen Tipp! Wirklich ein außergewöhnliches, tolles Buch! Ich hatte das Glück, ein paar von Kosky inszenierte Opern sehen zu können: immer Nahrung für Kopf und Herz. Seine „Meistersinger“ aus Bayreuth gibt’s auf blu-ray. Plötzlich gibt’s bei Richard Wagner viel zu lachen.

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