Donnerstag, 25.Februar

Heute haben
Carlo Goldoni * 1707
Karl May * 1842
Anthony Burgess * 1917
Erice Pedretti * 1930
George Harrison * 1943
Franz Xaver Kroetz * 1946
Geburtstag
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Theodor Storm
Februar

Im Winde wehn die Lindenzweige,
von roten Knospen übersäumt;
Die Wiegen sind’s, worin der Frühling
die schlimme Winterzeit verträumt.

O wär im Februar doch auch
wie’s andrer Orten ist es Brauch,
bei uns die Narrheit zünftig!

Denn wer, solang das Jahr sich misst,
nicht einmal herzlich närrisch ist,
wie wäre der zu andrer Frist
wohl jemals ganz vernünftig!
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Diese Motive (und mehr) von Julia Hanisch haben wir als Postkarten im Laden.

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Sarah Wiltschek empfiehlt:


Hildegard E. Keller: „Was wir scheinen
Eichborn Verlag € 24,00

„Freedom is just another word for nothing left to lose“.

Hildegard E. Kellers Roman taucht ein in das Leben einer Frau, deren höchstes Gut das freie und unabhängige Denken war und deren Stimme gerade jetzt wieder lauter wird und gehört werden will: Hannah Arendt. Auf eine leichte Weise nimmt die Autorin uns mit ins vergangene Jahrhundert und zum Ausgangspunkt vieler politisch philosophischer Auseinandersetzungen ihrer Protagonistin: das Judentum und der Nationalsozialismus. In Rückblenden erleben wir Arendts wichtige Lebensstationen, während sie ein letztes Mal Urlaub macht an ihrem Tessiner Rückzugsort: Ihre Kindheit in Königsberg, das Leben im Pariser Exil, die Internierung, die Flucht gemeinsam mit ihrer Mutter, das Ankommen in Amerika und ihr rascher Aufstieg als Journalistin und wichtige Stimme im „jüdischen Diskurs“. Dabei wird der miterlebte und in Reportagen und einem Buch verarbeitete Eichmann-Prozess in Jerusalem zu einem zentralen, tief in ihr Leben eingreifenden Ereignis. Durch ihre damalige Positionierung sah sie sich einer völlig ungewollten Öffentlichkeit ausgesetzt, die auch vor dem Privaten nicht Halt machte. Freundschaften zerbrachen und es blieben von den wenigen überlebenden, noch weniger an ihrer Seite. Gleichzeitig war es das, was Arendt als ihre Lebensaufgabe sah: Integer und in vollkommener Verantwortung für sich selbst einzustehen, sich nicht verbiegen zu lassen, sich so unabhängig als irgend möglich zu äußern und zu handeln.
Und doch sind es gerade die tiefen und langen Freundschaften, die sie trugen und ihr Leben auszeichneten, von denen Briefe zeugen und regelmäßige Besuche in die Schweiz und nach Jerusalem. Zentrale Figuren sind ihr Doktorvater Karl Jaspers und Kurt Blumenfeld, die sie in aufrichtiger Freundschaft ein Leben lang begleiteten und unterstützen und Martin Heidegger, von dem sie nie die Anerkennung bekam, die sie sich wünschte. Arendts Ehe mit Heinrich Blücher und ihr gemeinsames Leben in New York war hingegen Begegnungs- und Rückzugsort zugleich, war Austausch auf Augenhöhe, tiefe Verbundenheit und vielleicht so etwas wie Heimat, für die Arendt ansonsten keinen geografischen Ort mehr finden konnte.
Die Autorin nimmt sich außerdem die Freiheit, gerade in den letzten Jahren, als Arendt verwitwet und allein zurückblieb, ihr neue Freundschaften an die Seite zu stellen. So dass uns Leser*innen noch einmal deutlich vor Augen steht, was diese Frau, neben ihrem scharfen Verstand und ihrem klugen Humor antrieb: Eine unersättliche Neugierde am Menschen und an der Welt, die sie bis an ihr Lebensende selbstständig denkend arbeiten ließ. Das Komplexe ihrer Werke zeigt sich in diesem Roman in und durch die Figur Hannah Arendt und macht augenblicklich Lust, sich tiefer in das Werk dieser großen Denkerin zu stürzen.

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