Donnerstag, 18.Juni

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Heute haben
Blaise Pascal * 1623
Gustav Schwab * 1792
Wassili Bykow * 1924
Salman Rushdie * 1947
Geburtstag
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Wilhelm Müller
Frühlingstraum

Ich träumte von bunten Blumen,
So wie sie wohl blühen im Mai,
Ich träumte von grünen Wiesen,
Von lustigem Vogelgeschrei.

Und als die Hähne krähten,
Da ward mein Auge wach;
Da war es kalt und finster,
Es schrien die Raben vom Dach.

Doch an den Fensterscheiben
Wer malte die Blätter da?
Ihr lacht wohl über den Träumer,
Der Blumen im Winter sah?

Ich träumte von Lieb um Liebe,
Von einer schönen Maid,
Von Herzen und von Küssen,
Von Wonn und Seligkeit.

Und als die Hähne krähten,
Da ward mein Herze wach;
Nun sitz ich hier alleine
Und denke dem Traume nach.

Die Augen schließ ich wieder,
Noch schlägt das Herz so warm.
Wann grünt ihr Blätter am Fenster?
Wann halt ich dich, Liebchen, im Arm?

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9783803133250


Giulia Caminito: „Ein Tag wird kommen“

Aus dem Italienischen von Barbara Kleiner
Wagenbach Verlag € 23,00
Erscheint Mitte August 2020

So etwas habe ich auch ganz ganz selten, oder noch nie gemacht. Das Buch erscheint erst Mitte August und ich habe erst ca. 30 Seiten gelesen. Aber bis dahin hat mich der Roman der jungen Italienerin sehr begeistert. Allein schon die Sprache und die Wortwahl. Wenn es auch nur eine Übersetzung ins Deutsche ist. Deshalb möchte ich Ihnen den Beginn, die ersten Seiten nicht vorenthalten.

Das schreibt der Wagenbach Verlag über das Buch:

Eine italienische Familiengeschichte in Zeiten des aufkeimenden Faschismus, ein politischer Roman über Schuld und Anarchie, Widerstand und unverwüstliche Hoffnung – in einer Sprache, so zärtlich-rau wie die Liebe zwischen zwei Brüdern.

Im Wald ist es warm und dunkel, als Nicola zitternd das Gewehr auf seinen geliebten Bruder Lupo richtet. Er bittet um Verzeihung, dann schießt er. Der Erste Weltkrieg hat Serra de’ Conti erreicht, ein Dorf in den italienischen Marken.

An diesem Ort der Habenichtse zählt der Einzelne bloß, wenn er arbeitet, gehört keinem Bauern das Land, das er bestellt. In der Familie des Bäckers Ceresa überlebt kaum ein Kind, bald sind nur noch zwei Söhne übrig, so grundverschieden wie unzertrennlich: Nicola, der schwächliche Junge mit dem Prinzengesicht, und der aufsässige Lupo, der sich schon früh den Anarchisten anschließt. Unermüdlich beschützt Lupo den ängstlichen Bruder, kämpft gegen die Ungerechtigkeit der Mächtigen und die Märchen der Kirche. Doch zwischen den Brüdern steht eine Lüge, verborgen hinter Klostermauern.

In wirkmächtigen Bildern von karger Schönheit erzählt Giulia Caminito »von unten« aus der Geschichte Italiens: von Malatestas Anarchisten, dem Ersten Weltkrieg und der Spanischen Grippe bis zum Aufstieg Mussolinis – ein Roman über zwei ungleiche junge Männer und über den unerschütterlichen Glauben an eine bessere Zukunft.

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Foto: Rino Bianchi

Giulia Caminito, 1988 in Rom geboren, wo sie politische Philosophie studierte. Sie hat zwei mehrfach preisgekrönte Romane geschrieben und betreibt mit vier Kolleginnen eine Verlagsagentur. „Ein Tag wird kommen“ ist dem Andenken ihres Urgroßvaters gewidmet, einem in den Marken bekannten Anarchisten, dessen Spuren sich nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland verlieren.

Mittwoch, 17.Juni

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Heute haben
Felix Hartlaub * 1913
Hanna Johansen * 1939
Geburtstag
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„Am besten erzähle ich einfach,
was sich mir täglich sichtbar zeigt;
vielleicht kommt man gerade
damit dem Unsichtbaren, das natürlich
das Entscheidende ist, am nächsten.“

Felix Hartlaub
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Bertram Verhaag: „Blue Eyed“
Denkmal Film € 12,90

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Jane Elliott, ehemalige Lehrerin aus dem Mittelwesten der USA, führt seit über 20 Jahren einen engagierten Kampf gegen Vorurteile, Ignoranz und Rassismus in ihrer Gesellschaft. Was sie nach dem Tod von Martin Luther King jun. 1968 mit ihren Schülern begann, praktiziert sie heute mit Lehrern, Studenten, Feuerwehrleuten oder ganzen Bankbelegschaften. In Workshops teilt sie die Menschen nach einem willkürlichen körperlichen Merkmal ein: in Blauäugige und Braunäugige. Letztere erklärt sie für besser und intelligenter und stattet sie mit Privilegien aus, die sie den Blauäugigen, die sie als schlecht, minderwertig und dümmer abqualifiziert, nicht gewährt.
Viele Weiße erspüren hier zum ersten Mal das Gefühl, zu denen zu gehö­ren, die nie gewinnen können, und so behandelt zu werden, wie die Gesellschaft Frauen, Farbige oder Menschen behandelt, die körperlich abweichend sind.
In weniger als 15 Minuten schafft Jane Elliott innerhalb einer Gruppe von 30 Leuten einen Mikrokosmos unserer Gesellschaft mit allen Phänomenen und Gefühlen, die auch in der Realität aufscheinen. Das was den Blauäugien während der zwei Stunden angetan wird, erfahren diskriminierte Menschen in den USA ihr ganzes Leben.
Ein beeindruckender Dokumentarfilm, der mit Priesen überschüttet wurde und heute immer noch brandaktuell ist.