Samstag, 25.April

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Heute haben
Claude Mariac * 1914
Albert Uderzo * 1927 (gestorben am 24.3.2020)
Elfriede Czurda * 1946
Geburtstag
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Jörn-Peter Dirx
Die „Ramona-Krise“

Niesen, schwitzen, trockner Husten
und es schmerzen alle Zähne
Kopfweh, er kann kaum noch pusten
Ja, er muss in Quarantäne

Völlig klar, so wird man sagen
da braucht man nicht lange testen
Die Symptome sind erdrückend
manchmal trifft es auch die Besten

Doch geirrt, nicht die Corona
hat ihn bös in ihren Krallen
Nein, es ist der Virus Liebe
der ihn plötzlich überfallen

An der Kasse sitzt die Schöne
die den Virus ihm geschickt
Und wie gut steht ihr die Maske
über die ihr Auge blickt

Auf dem Kittel klebt ein Schildchen:
Es bedient Sie Frau Ramona
Husten Sie nicht auf die Kasse
Bitte Abstand weil Corona

Wie gern würd er sie umarmen
lieben, kosen, streicheln, küssen
Doch der Staat hat kein Erbarmen
weil sie Abstand halten müssen

Pip und pip macht’s ohne Ende
und sein Einkauf der läuft hier
einzeln brav durch ihre Hände:
Hefe, Nudeln, Klopapier …

© Jörn-Peter Dirx
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Gruener wirds nicht von Kathrin Hartmann

Kathrin Kartmann: „Grüner wird’s nicht“
Warum wir mit der ökologischen Krise völlig falsch umgehen
Blessing Verlag € 14,00

Nachdem das neue Buch von Kathrin Hartmann seit einigen Wochen auf dem Markt ist und sich mit Maja Göpels Buch „Unsere Welt neu sehen“ zu den beiden meistverkauften Bücher zu den Themen Klimakrise, Kapitalismuskritik, … entwickelt hat, stellte ich der Autorin ein paar Fragen.

Liebe Kathrin, warum so ein Buch und nicht eines mit Recherchen, wie wir es von dir gewohnt sind?

Ich war die vergangenen zwei Jahre mit dem Buch und dem Film „Die Grüne Lüge“ zu vielen Lesungen, Filmvorführungen und Diskussionsrunden eingeladen. Außerdem hab ich selbst an vielen Protesten teilgenommen, zum Beispiel im Hambacher Forst, für eine Verkehrswende und bei den Seebrücke- und Fridays for Future-Demonstrationen. Da habe ich stark gespürt, dass viele Menschen sich dringend Veränderung und Gerechtigkeit wünschen und diese immer vehementer einfordern. 2019 verging kein Tag, an dem die Klimakrise nicht Thema in den Medien war. Demgegenüber steht bis heute aber der politische Unwille, enstprechend zu agieren. Unternehmen, die sich grün und verantwortungsvoll geben, kämpfen mit aller Macht dafür, ihre Privilegien zu behalten. Aus all diesen Beobachtungen habe ich versucht, herauszukristallisieren, was in der Debatte schief läuft und warum wir mit der ökologischen und sozialen Krise falsch umgehen. Es ist also gewissermaßen ein Leitfaden, nach welchen falschen Argumenten wir die Diskussion immer wieder abklopfen müssen. Denn, und das finde ich ganz wichtig: nicht jeder Weg, das Klima schützen zu wollen, ist richtig, manches davon ist sogar richtig gefährlich, auch das beschreibe ich.

Was hat sich durch die Corona Krise an deinen Thesen im Buch geändert?

Als ich im vergangene Herbst und Winter das Buch geschrieben habe, hatte ich schon die Sorge, dass die Aufmerksamkeit für die Klimakrise wieder verschwinden könnte. Dass aber eine Pandemie mit einer solchen Wucht unser Leben verändert, damit hat wohl keiner gerechnet. Obwohl Pandemien auch eine Folge der Klimakrise sein können. An den Thesen in meinem Buch hat sich nichts geändert – im Gegenteil: nach wie vor ist das zentrale Problem, dass die ökologische gegen die soziale Frage ausgespielt wird. Also: Arbeitsplätze versus Klimschutz, bei den Diskussionen um den (viel zu späten!) Kohleausstieg ging es darum ja immer wieder. Und das erleben wir jetzt bei Corona mehr als deutlich: die Regierung und die EU haben milliardenschwere Rettungspakete geschnürt, um die Wirtschaft, wie wir sie kennen, zu erhalten, so schädlich sie auch ist. Es wird komplett ausgeblendet, dass auch die ökologische Krise, also die Folgen des Klimawandels, der Verlust der Biodiversität, die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen, unser Leben bedroht, Menschen schon heute krank macht oder umbringt. Erschreckend finde ich auch, dass die Zerstörung von Wäldern und Biodiversität Pandemien hervorbringen kann. Auch das zeigt: Zerstörung von Natur ist immer auch Zerstörung von Menschen.

Lernen wir etwas aus der Krise?

Es gab von Anfang an die Hoffnung, dass Corona dazu führe, dass die Regierung ähnlich drastische Maßnahmen verhängen würde, um uns vor den Folgen der Klimakrise zu schützen. „Geht doch!“, hieß es, als Flugzeuge am Boden und Straßen leer blieben. Aber eine Pandemie ist keine Verkehrswende, die Autos rollen wieder. An die ganzen Rettungspakete sind keine Auflagen an Klimaschutz oder Menschenrechte geknüpft. Lobbyisten kämpfen verstärkt gegen den Klimaschutz und der Wirtschaft ist es endgültig gelungen, das geplante Lieferkettengesetz vom Tisch zu fegen, dass Unternehmen dazu verpflichtet hätte, entlang ihrer Lieferkette die Menschebrechte einzuhalten. Kurz: von selber passiert da gar nichts. Denn es ist ja eine Frage von Machtverhältnissen. Und genau das müssen wir aus der Krise lernen: das gegenwärtige System ist nicht in der Lage, uns zu schützen. Es hat dazu geführt, dass das Gesundheitssystem auf den Hund gekommen ist. Diejenigen, die es am laufen halten, werden am miserabelsten bezahlt und sind am meisten gefährdet. Es wird deutlich, dass unser ganzer Alltag, gerade unsere Lebensmittelversorgung, auf Ausbeutung und Naturzerstörung beruht. Und während ein enormer Aufwand betrieben wird, um Billigstarbeiterinnen und -arbeiter aus Osteuropa (einer von ihnen ist bereits hier an Corona gestorben) hierher zur Spargelernte einzufliegen, bleiben Geflüchtete in den entsetzlichen griechischen Lagern und auf dem Mittelmeer sich selbst überlassen. Wenn wir uns nicht dagegen solidarisieren, erwartet uns ein Katastrophenkapitalsimus, der genau die Kräfte stärkt, die uns an den Abgrund führen.

Welche Möglichkeiten haben wir, der Regierung zu zeigen, wo es lang gehen soll?

Corona bringt natürlich mit sich, dass wir nicht demonstrieren können, wie gewohnt. Das ist wirklich ein Rückschlag, denn die Proteste der Fridays for Future und anderer Bewegungen sind ja so wunderbar kraftvoll geworden und gewachsen, niemand konnte sie mehr ignorieren. Aber die werden bestehen bleiben, das hoffe ich jedenfalls, online geht der Protest ja weiter. Man darf auch nicht vergessen: Bewegungen entwickeln sich, man lernt voneinander und schärft Forderungen. Das wird auch nicht verloren gehen. Großartig ist ja zum Beispiel, dass sich lange vor Corona bereits Auszubildene medizinischer Berufe und Pflegekräfte den Fridays for Future angeschlossen haben. Ein gutes Beispiel dafür, dass diese Bewegung die ökologische und soziale Frage zusammendenkt. Das ist progressiv, das macht Hoffnung!

Was kommt nach Corona? Die nächste Pandemie? Und die Klimakatastrophe?

Ich hoffe, die ökologische und soziale Transformation! Auch jetzt schon gibt es Beispiele, dass es anders geht: Mailand will jetzt die Autos aus der Stadt verbannen und mehr Platz für Fahrräder schaffen. In Dänemark bekommen Unternehmen, die Dividenden auszahlen oder in Steueroasen gemeldet sind, keine Staatshilfen. Ach, man könnte jetzt so vieles anders machen! Ganz wichtig, und darum geht es auch in meinem Buch, ist: wir fangen nicht von vorne an. Es gibt Alternativen zum System. In der Landwirtschaft, im Verkehr, bei der Energie, in der Daseinsvorsorge, in einer demokratischen Wirtschaft. Die wichtigste Frage ist: wer verhindert diese Alternativen, wie und wodurch? Wer profitiert davon, dass alles bleibt, wie es ist? Das sind die, gegen deren Interessen wir unsere erkämpfen und durchsetzen müssen. Und dafür habe ich das Buch geschrieben, dass wir wissen, wofür wir kämpfen müssen und gegen wen.

Was macht eine Wahlmüncherin ohne Biergarten?

Da fragst Du was… die fehlen wirklich sehr! Weil es so wunderbare Orte sind, an denen sich alle treffen können. Und natürlich wegen dem Bier… Noch mehr vermisse ich aber meine Familie, meine Freunde, die Berge und meine alte Heimat.

Liebe Kathrin, ich danke dir für deine Antworten.
Sie machen wütend und Mut. Venceremos. Hoffentlich.

Dazu auch noch ein Artikel von Kathrin Hartmann im Freitag vom 24.März 2020.

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/das-kommt-nicht-von-aussen

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