Dienstag, 14.April

IMG_8836

Heute haben
Martin Kessel *1901
Landolf Scherzer * 1941
Felix Kamphausen * 1944
Valerie Martin * 1948
Péter Esterházy * 1950
Geburtstag

IMG_8838

Die Erde ist rund –
aber man stößt sich an tausend Ecken.

Martin Kessel

IMG_8839

Sarah Wiltschek empfiehlt:

csm_9783832181123_15da24429a

Delphine de Vigan: „Dankbarkeiten“
Aus dem Französischen von Doris Heinemann
DuMont Verlag € 20,00

Ein ziemlich passendes Buch in dieser ziemlich unwirklichen Zeit: Michka ist alt und verliert immer mehr Wörter. Ihr Sprachgedächtnis schrumpft Tag für Tag. Und sie leidet, weil Schrift und Sprache ihr Leben war. Sie vergisst Dinge in der Gegenwart und kommt mit Maries Hilfe in einem Pflegeheim unter, in dem sich die Menschen, wider ihrer schlimmen Alpträume, liebevoll um sie kümmern. Insbesondere der Logopäde Jérôme.
Diese Geschichte einer demenzkranken Frau zeigt, wie lebenswichtig die Verbundenheit zu Angehörigen und wie unerlässlich die Arbeit und Zuwendung durch Pfleger*innen in unseren Seniorenheimen ist.
Michka verliert ihre Sprache, nicht aber ihr Gedächtnis von Ereignissen, die lange zurück liegen. Fast ein ganzes Leben: Zwei Menschen, die ihr als Kind das Leben gerettet haben. Zu denen ihre Mutter sie gebracht hat, um sie vor der Verfolgung durch die Nazis zu schützen. Diesen Menschen war sie ein völlig fremdes Kind. Eines, das sie bei sich aufgenommen und dabei ihr eigenes Leben riskiert haben. Ihnen will Mischka einmal noch Danke sagen, ehe sie geht.
Und so entsteht ein Kreis von Menschen, die sich gegenseitig in Dankbarkeit verbunden sind: Mischka mit zwei ihr unbekannten Menschen, die ihr über Jahre ein sicheres zu Hause gegeben haben. Marie mit Mischka, die sie mit Nahrung, Unterkunft und Liebe versorgt hat, während ihre eigenen Eltern das nicht konnten. Jérôme, der von Michka auf sein eigenes zerrüttetes Verhältnis mit seinem Vater gestoßen wird und der immer wieder erkennt, dass Menschen ihre Kindheitswunden ein ganzes Leben mit sich herumtragen. Kein Wunder insistiert Mischka unaufhörlich, Jérôme möge den Kontakt zu seinem Vater aufnehmen, koste es, was es wolle. Sie selbst hatte die Chance nicht.
Doch eine Chance bekommt sie am Ende doch noch: Sie kann ihren Dank weitergeben, mit zittriger, krakeliger Schrift, adressiert an einen anderen, sehr alten Menschen, irgendwo in einem anderen Seniorenheim des Landes.

Ein Gedanke zu „Dienstag, 14.April

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s