Dienstag, 1.Oktober

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Heute haben
Inge Merkel * 1922
Günter Wallraff * 1942
Geburtstag
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Heute auf dem Lyrikkalender:

Christian Morgenstern

Der Schnupfen

Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse,
auf daß er sich ein Opfer fasse

– und stürzt alsbald mit großem Grimm
auf einen Menschen namens Schrimm.

Paul Schrimm erwidert prompt: „Pitschü!“
und hat ihn drauf bis Montag früh.
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index

„Capernaum“

Stadt der Hoffnung
DVD € 16,95
Libanon/Frankreich, 2018
FSK ab 12 freigegeben
Drama, 122 Min.
Regie: Darsteller: Zain Al Rafeea, Yordanos Shiferaw, Boluwatife Treasure Bankole, Kawthar Al Haddad, Fadi Kamel Youssef, Nour el Husseini, Cedra Izam

„Capernaum“ hat einen biblischen Ursprung und bedeutet einen Ort voller Chaos und Unordnung. Und genau diesen Ort zeigt uns die libanesische Regisseurin Nadine Labaki auf über zwei Stunden. Von der Vogelperspektive tauchen wir in die Slums von Beirut, dort wo in unendlichen Gassen und Winkeln, Hinterhöfen, Blechhütten und zerfallenen Mehrfamilienhäusern die Rechtlosen, Namenlosen, Staatenlose wohnen.
Der Junge Zain ist 12 Jahre alt. Das erfährt er aber erst, als er von einem Amtsarzt im Gefängnis untersucht wird. Er hat keine Papiere, keinen Ausweis und seine Eltern wissen auch nicht, wann er auf die Welt gekommern ist. Zain steht vor Gericht, weil er sich gegen eine große Untergerechtigkeit mit dem Messer gewehrt hat. Dem Richter gegenüber verklagt er seine Eltern, weil sie ihn auf die Werlt gebracht und sich nicht um ihn gekümmert haben.
Der Film wird in Rückblenden erzählt und hat mich von der ersten Minuten gefesselt. Die Regisseurin hat allein zwei Jahre nach den passenden Laiendarstellern gesucht. Gedreht hat sie an Originalschauplätzen, ohne diese abzusperren. Wir sind mitten drin in einer Welt voller Ungerechtigkeit, Überlebenskampf, Betrug und Gewalt, aber auch unglaublicher Liebe und Zuneigung und Hoffnung in einer hoffnungslosen Welt. Nadine Labaki filmt dies mit solch einer Empathie, wie ich es selten gesehen habe. Zwei Erzählstränge fließen nebeneinander und gemeinsam durch den Film und wenn wir die zwei Stunden geschafft haben, werden wir mit zwei unglaublich, zu Tränen rührenden Sequenzen belohnt.
Fassungslos war ich nach diesem Film und habe mir gedacht, in welchem Elfenbeinturm lebe ich eigentlich? Was sind das für Probleme, die ich habe?

Der Film wurde in Cannes vorgestellt, danach mit 12 Minuten stehenden Beifall beklatscht und mit dem Preis der Jury ausgezeichnet. Er war für einen Oscar für den besten nichtamerikanischen Film nominiert.

Hochinteressant ist der Wikipediaeintrag zu diesem Film.


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Heute abend ab 19 Uhr:
„Shortlistlesen“
mit Clemens Grote.

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