Freitag, 13.September

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Heute haben
Jaroslav Seifert * 1901 (Nobelpreis 1984)
Per Olov Enquist * 1934
Antonio Tabucchi * 1943
Geburtstag.
Aber auch Bruce Springsteen, Romy Schneider und Ray Charles.
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Heinrich Heine

Der Schmetterling ist in die Rose verliebt,
Umflattert sie tausendmal,
Ihn selber aber, goldig zart,
Umflattert der liebende Sonnenstrahl.

Jedoch, in wen ist die Rose verliebt?
Das wüßt ich gar zu gern.
Ist es die singende Nachtigall?
Ist es der schweigende Abendstern?

Ich weiß nicht, in wen die Rose verliebt;
Ich aber lieb euch all‘:
Rose, Schmetterling, Sonnenstrahl,
Abendstern und Nachtigall.
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Jetzt als Taschenbuch:

Die Koenigin schweigt von Laura Freudenthaler

Laura Freudenthaler: „Die Königin schweigt“
btb € 10,00

Laura Freudenthaler, 1984 in Salzburg geboren, legt ihren ersten Roman vor, nachdem sie schon einen Band mit Erzählungen veröffentlicht hat. In kurzen Kapiteln erzählt sie das Leben von Fanny nach. Fanny, die in den 30er Jahren auf einem Bauernhof in Österreich zur Welt gekommen ist. Verträumt schaut sie in diese starre Welt voller Normen und harter Arbeit. Sie schaut auf zu ihrem älteren Bruder, der aus dem Krieg nicht mehr zurückkehrt. Fanny verlässt das elterliche Gehöft, geht auf eine Wirtschaftsschule, heiratet den kommunistischen Dorflehrer. Wir verfolgen dieses Leben, bis Fanny als Dame alleine in ihrer Wohnung sitzt und sich nicht mehr so richtig an die passenden Worte für das vor ihr liegende Kreuzworträtsel erinnert. Mit dieser Sequenz beginnt auch der Roman, bevor er chronologisch weitererzählt wird. Laura Freudenthaler erzählt in kurzen Kapiteln, manchmal nur eine halbe Seite lang. Sie schreibt unspektakulär, reiht Episode an Episode und ihre ruhige Erzählweise nimmt uns mit in eine andere, in eine verschwundene Welt mit. Eine Welt, die voller unausgesprochener Gesetze ist, voller Normen und unerreichbaren Hoffungen. Blitzt etwas auf, das eine Veränderung verspricht, erlischt dieses Licht ungenutzt wieder. Diese warme Melancholie zieht sich durch die Kapitel.
Eigentlich sollte Fanny in ein leeres Buch, das ihr ihre Enkelin geschenkt hat, das aufschreiben, was sie erlebt hat. Das Buch bleibt, bis auf eine Widmung der Enkelin, leer.
„Über gewisse Dinge spricht man nicht“ ist ein Zitat und passt genau auf den Titel, in dem die Königin schweigt. Fanny kann und will nicht erzählen und so übernimmt die Enkelin und auch die Autorin diesen Part. Sie notiert auf, reiht aneinander und legt es vor uns hin.
Ich wünsche mir mehr solcher Bücher, die nicht durch Lautstärke und Geprotze punkten, sondern durch die Kraft der Sprache funktionieren.

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