Mittwoch, 28.August

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Heute haben
Johann Wolfgang von Goethe * 1749
Ernst Weiß * 1884
Liam O´Flaherty * 1896
Janet Frame * 1924
Jurij Trifonow * 1925
Arkadi Strugatzki * 1925
Mian Mian * 1970
Geburtstag
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Johann Wolfgang von Goethe
Sommer

Der Sommer folgt. Es wachsen Tag und Hitze,
und von den Auen dränget uns die Glut;
doch dort am Wasserfall, am Felsensitze
erquickt ein Trunk, erfrischt ein Wort das Blut.
Der Donner rollt, schon kreuzen sich die Blitze,
die Höhle wölbt sich auf zur sichern Hut,
dem Tosen nach kracht schnell ein knatternd Schmettern;
doch Liebe lächelt unter Sturm und Wettern.
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Sarah Wiltschek empfiehlt:

HERKUNFT von Saa Stanii

Saša Stanišić: „Herkunft“
Luchterhand Verlag  € 22,00

Saša Stanišićs Roman über seine Herkunft, über ein Land, das es nicht mehr gibt und eine Familie, die seither verstreut über den Erdball lebt, ist ein sehr privates, aber kein sentimentales Buch, das erzählt, was der Balkankonflikt für seine Familien bedeutete und welche Löcher er hinterlassen hat. Das zu verstehen hilft, was es heißt, fremd zu sein in einem Land und doch die Chance für einen Neuanfang zu bekommen, als 14-jähriger in Heidelberg. Erst viel später begreift der Autor, wie hart das deutsche Leben für seine Eltern gewesen war, wie sie sich kaputtgearbeitet haben, mit schlechten Jobs und schlimmen Gehältern. Zwei gut ausgebildete Menschen in ihren besten Jahren. Die Mutter Lehrerin in Jugoslawien, dann Arbeitskraft in einer Großwäscherei, der Vater in Deutschland auf Baustellen, wo er sich den Rücken kaputtmacht.
Saša hat Glück, wird unterstützt, in der Schule, unter Freunden. Fängt an zu schreiben, studiert, darf bleiben. Während die Eltern abgeschoben werden und in die USA auswandern. Seine Mutter lebt heute wieder in Kroatien, der Autor in Hamburg. Nur seine Großmutter war bis zu ihrem Tod die einzige Verbindung zur gemeinsamen geographischen Herkunft Višegrad.
Stanišić erzählt aus Erinnerungen, die er zum Teil selbst nicht verifizieren kann. Nicht weiß, ob es bloß Kindheitsbilder oder reale Ereignisse waren. So wie Erinnerung eben ist, lückenhaft, von Emotionen geleitet. Und während er versucht zu erinnern, vergisst seine Oma immer mehr, ist schließlich ganz in ihrer Demenz gefangen, sieht die Vergangenheit im Jetzt, während sie das Heute nicht mehr versteht.
Stanišić fragt seine Eltern nach ihren Erinnerungen und erzählt gleichzeitig sein eigenes Heute, als Schriftsteller und Vater mit. Verbindet seine Geschichte mit den Geschichten der vielen Flüchtenden, die er auf seinen Besuchen auf dem Balkan erlebt. Menschen, die wie er ihre Heimat verlassen müssen, die aber vor verschlossenen EU-Außengrenzen stehen. Er und seine Mutter hatten Glück damals. Das Buch erzählt eine persönliche Geschichte von Flucht und Ankunft und von gelungener Integration, wenn man so will. Ein Roman, von dem wir lernen können und hoffen, dass auch unter den heutigen Geflüchteten viele dabei sind, die ganz ankommen dürfen und unser Land und unsere Sprachen mit ihren Geschichten bereichern.

Herkunft“ steht auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2019.

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