Freitag, 26.Juli

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Heute haben
Alexandre Dumas * 1824
Giosuè Carducci * 1835 (Nobelpreis 1906)
Hilde Domin * 1909
Julien Gracq * 1910
Asta Scheib * 1939
Felicia Zeller * 1970
Geburtstag
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Heute auf dem Gedichtekalender:

Wilhelm Runge
Blumen flattern Sommer

Blumen flattern Sommer
Duft nimmt beide roten Backen voll
Falter wiegen Wald
Goldkäfer schreien
Mücken strampeln himmelauf und ab
heiß im Arm der Fische hängt das Bächlein
Unken patscht Libellenflügel wach
Zweige lachen
tuscheln
sonnen
strömen
Vögel wogen Wiesen
liegen flach
ziehn die Ahorndolden an den Händen
böse schelten Bienen in den Bart
Zwitschern streckt die sommerschweren Glieder
taumelnd tollt des Atems Flügelschlag
und der Augen wilde Rosen springen
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Susanne Link empfiehlt:

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Holly Goldberg Sloan und Meg Wolitzer: „An Nachteule von Sternhai“
Aus dem Englischen von Sophie Zeitz
Hanser Verlag € 17,00
Jugendbuch ab 12 Jahren

Absolut großartig: Zwei fantastische Autorinnen schreiben einen email-Roman für Kinder ab 10 Jahren.
Bett und Avery kennen sich nicht, leben an Ost-bzw. Westküste der USA und teilen auch sonst nichts miteinander – bis ihre Väter versuchen, die beiden im gleichen Sommercamp unterzubringen und so beginnt aus Protest ihre E-Mail-Korrespondenz.
Schlagfertig, eigenwillig und der Beginn einer ganz besonderen Freundschaft.
Ein bißchen hat es mich an Kästners „Doppeltes Lottchen“ erinnert, doch es ist eine moderne Variante, die ihre Eigenständigkeit mehr als verdient und glücklich macht.

Leseprobe

Das steht auf der Hanser-Homepage:

5 Fragen an Holly Goldberg Sloan und Meg Wolitzer

Was hat Sie beide veranlasst, dieses Buch zu schreiben?
HGS: Meg und ich waren vor allem durch unsere eigene Freundschaft inspiriert, und außerdem schätzen wir die Arbeit der anderen sehr.

MW: Ja, genau. Und zudem haben wir beide sehr lebendige und starke Erinnerungen an die Freundschaften, die uns mit 12 Jahren wichtig waren.

Was war die größte Herausforderung beim Schreiben dieses Buches?
HGS: Wir mussten einen Weg finden, wie zwei sehr unterschiedliche Autorinnen mit zwei sehr unterschiedlichen Stimmen zusammenarbeiten können.
MW: Noch profaner: Wie können wir »zusammen« schreiben, obwohl wir so weit voneinander entfernt leben?

Wie war es, mit einer anderen Autorin zusammenzuarbeiten?
HGS: Wir hatten jede Menge Spaß! Uns trennen 3000 Meilen, aber dank der technischen Möglichkeiten heutzutage fühlte es sich an, als wären wir Tür an Tür.
MW: Ich fand es wunderbar, dass eine von uns irgendwo ganz woanders war tagsüber, oder eben auch einfach nur ganz normal schlafen ging am Abend, und trotzdem wurde die Geschichte fortgeschrieben. Das fühlte sich für mich an wie ein Wunder.

Was würden Sie gern bei den Lesern erreichen?
HGS: Wir haben das Buch geschrieben, um die Leser gut zu unterhalten, um Leser zum lachen zu bringen, und um zu zeigen, dass Familie sehr verschiedene Formen haben kann.
MW: Ich könnte es nicht besser ausdrücken.

Wenn Sie ein Tier sein könnten, egal welches, welches Tier wäre das?
HGS: Ich liebe Delfine, sie sind so kluge Tiere. Ich lebe an der Küste und jedes Mal, wenn ich am Strand entlang gehe und Delfine sehe, ist das ein magischer Moment. Wenn ich kein Delfin sein könnte, dann wäre ich gern ein Vogel. Ich beneide sie um die Fähigkeit zu fliegen.
MW: Um in diesem Kosmos zu bleiben, sollte ich wohl ein Tier aus der Eulenfamilie wählen. Ich bewundere die majestätische Würde von Eulen sehr. Und doch wäre ich wohl am liebsten ein Labrador. Diese Hunde sind schön und freundlich und sie haben so ausdrucksstarke Augen.

Donnerstag, 25.Juli

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Heute haben
Max Dauthendey * 1867
Elias Canetti* 1905
Paul Watzlawick * 1921
Geburtstag.
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Max Dauthendey
Blütenleben

Lauer Schatten.
Ein blühender Birnbaum auf altem müden Gemäuer. Bronzefarbenes Moos quillt über die Kanten und Risse.
Ringsum Gras, junggrün und durchsichtig. Es neigt sich leise und schmiegsam.
Harte blaßgelbe Winterhalme zittern dazwischen, farblos und schwach, wie vergrämte greise Haare.
Aschgraues und purpurbraunes Laub, mit feinem Metallschimmer, wie tiefes gedunkeltes Silber deckt den Grund.
Hie und da ein weißes Blütenblatt mit blaßrosiger Lippe. Leicht, zart, aber müde.
Das Geäst biegt sich dicht und tief zur Erde.
Sacht zerrinnt Blüte um Blüte und gleitet weiß, zögernd nieder.
Die Zweige senken sich tief, bis zu den einsam gefallenen Blüten.
Das Alter hat den Stamm zerschürft. In der gefurchten Rinde ziehen die Ameisen eine Straße hoch hinaus zur Krone. Emsig und flink rennt es aneinander vorüber.
Und dann oben die Bienen. Sie saugen schwerfällig und lüstern von den süßen Lippen und klammern trunken an den weichen Blütenrändern.
Ein üppiges Summen ist in der Laubkrone, ein einförmig gärender Ton.
Die Blüten zittern leise, und die jungen Blattspitzen Zittern.
Der alte Baum wiegt sich und seufzt. Duft löst sich, schwebt hinaus in den blauen Sonnenschein, warmsüß und scharf herb.
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978-3-15-019602-1

Christian Neuhäuser: „Wie reich darf man sein?“
Über Gier, Neid und Gerechtigkeit
Reclam Verlag € 6,00

Nach seinem Buch „Reichtum als moralisches Problem“ in der Wissenschaftsreihe des Suhrkamp Verlages, ist jetzt dieses handliche, leicht verständliche Buch über „Reichtum“ erschienen. Der Reclam Verlag hat ein sehr glückliches Händchen in der Auswahl der Titel. Die Themen könnten nicht aktueller sein.
Ich bin mitten in der Lektüre und wenn mir nicht immer die Augen zufallen würden, hätte ich große Lust mir eine halbe Nacht um die Ohren zu hauen, so interessant finde ich Christian Neuhäusers Heransgehensweise.
Was heisst eigentlich reich? Wie definiert der Duden dieses Wort? Man ist reich an Glück, aber kann man auch reich an Unglück sein? Wie reich ist ein Millionär im Gegensatz zu einem superreichen Milliardär? Es gibt immer mehr Superreiche, immer weniger Menschen haben immer mehr Geld. Ist das moralisch vertretbar?
Was spielen Gier, Neid und sozialen Gerechtigkeit für eine Rolle?
Und: Gibt es überhaupt die Möglichkeit einer gerechten Verteilung von Reichtum.
Ich bin gespannt, was mich auf den restlichen Seiten noch erwartet.

Inhalt:

1. Was ist Reichtum?
Vielfalt des Reichtums
Ökonomischer Reichtum
Geldreichtum

2. Wer ist reich?
Superreiche
Reiche
Wohlhabende

3. Ist Reichtum immer ungerecht?
Reichtum und Macht
Reichtum und Demokratie
Reichtum und Würde

4. Ist Reichtum verdient?
Talent und Leistung
Erbschaften und Glück
Geld und Verdienst

5. Geht es bei der Kritik am Reichtum um Gier und Neid?
Neid und Ideologie
Individuelle und kollektive Gier
Sinn für Gerechtigkeit

6. Was wäre ein gerechter Umgang mit Reichtum?
Gerechte Kooperation
Reichtum steuern
Globaler Wohlstand

Leseprobe

Mittwoch, 24.Juli

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Heute haben
Alexandre Dumas d.Ä. 1802
Frank Wedekind * 1864
Hermann Kasack * 1896
Banana Yoshimoto * 1964
Geburtstag.
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Frank Wedekind
Bajazzo

Seltsam sind des Glückes Launen,
Wie kein Hirn sie noch ersann,
Daß ich meist vor lauter Staunen
Lachen nicht noch weinen kann!

Aber freilich steht auf festen
Füßen selbst der Himmel kaum,
Drum schlägt auch der Mensch am besten
Täglich seinen Purzelbaum.

Wem die Beine noch geschmeidig,
Noch die Arme schmiegsam sind,
Den stimmt Unheil auch so freudig,
Daß er′s innig liebgewinnt!
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Emilia Wiltschek (13 Jahre) empfiehlt:

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Serena Valentino: „Das Biest in ihm“
übersetzt von Ellen Flath
Carlsen Verlag € 12,00
Jugendbuch ab 12 Jahren

Wie wurde aus dem Prinzen eigentlich das Biest? Oder war der Prinz immer schon innerlich ein Biest? Diese Geheimnisse werden mit diesem Buch gelüftet. Die Vorgeschichte von „Die Schöne und das Biest“. Der Prinz ist eitel. Das war er schon immer gewesen. Die Frauen wollte alle mit ihm verheiratet sein und er selbst war Prinz und hatte alles, was sich ein Mensch nur wünschen konnte. Und endlich nach einigen Jahren hatte er sich tatsächlich verliebt. In die wunderschöne Circe. Von ihrer Herkunft wusste er nicht viel, nur dass sie behauptete, adelig zu sein. Doch sein bester Freund Gaston stellte Nachforschungen an und fand heraus, dass die hübsche Circe gar nicht adelig war, sondern die Tochter von Schweinehirten. Doch der Prinz wollte seinem treuen Freund nicht glauben und überzeugte sich selber, indem er zu dem von Gaston angegebene Hof ritt und dort tatsächlich Circe im Schlamm arbeitend fand. Er war so erbost über die Lügen von Circe, dass er die Hochzeit kurzfristig abblies. Circe die darüber nun auch erbost war, redete mit ihren Schwestern. Denn das hatte der Prinz nicht herausgefunden: sie stammte zwar von Schweinehirten ab, aber aus einer Zauberfamilie und besaß wie ihre drei Schwestern die Fähigkeit, Magie auszuüben. Sie verfluchte den Prinzen, in dem sie ihm prophezeite, dass er sich langsam in ein Biest, das er innerlich war, verwandeln würde und niemand es auch nur in seiner Nähe aushallten würde. Der Prinz lachte nur darüber und so wurden auch seine Angestellten und das komplette Schloss verflucht. Erst passierte gar nichts und der Prinz lebte seinen Alltag weiter. Doch dann langsam merkte er Veränderungen an sich und als auch plötzlich einer seiner Angestellten nach dem andren verschwanden und statt ihnen nur neue Haushaltsgeräte auftauchten, bemerkte der Prinz, dass Circes Fluch tatsächlich exestierte und er sich nun ganz in ein lebendes Monster verwandelte.
Und wie es weiter geht und ob der Prinz noch gerettet werden kann, müsst ihr selber nachlesen! Ein sehr spannender und einfühlsamer Roman über Eitelkeit, Schönheit, Hass und natürlich Liebe.