Mittwoch, 13.März

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Heute haben
Oskar Loerke * 1884
Hugh Walpole * 1884
Frank Thieß * 1890
Jannett Flanner * 1892
Erich Kästner * 1904
Juri Andruchowytsch * 1960
Geburtstag
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Oskar Loerke
Seliges Wachstum

Verpackt in Fächern, weggehängt in Spinden,
Sang doch das Märchen seine Weltgestalt.
Verstreutem Holzmehl aus den Bohrgewinden
Entwuchs der sagenweiße Lindwurmwald.

Zigarrenkistenholz mit Klebebildern
Schwamm im Taifun, der spanisch Flüche pfiff,
Und ozean-gefüllte Augen wildern
Mit Möwenkrallen am Gespensterschiff.

Dornrosengärten rochen aus Kommoden,
Verjährter Thymian, ein Hauch Anis –
Doch eigne Ferne kam in Herz und Hoden
Vorm Spiegel, der sein Bild nicht fallen ließ:

Obwohl er alles kühn vornüberneigte,
Gab nichts dem Schwindel nach und schien bereit,
Auf schrägem Wege, den der Estrich zeigte,
Im Spitzentanz zu fliegen aus der Zeit.
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Maya Angelou: „Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt“
Aus dem Englischen von Harry Oberländer
Suhrkamp Taschenbuch € 12,00

Wochenlang bin ich um das Taschenbuch herumgeschlichen. Der Suhrkamp Verlag hat diesen Roman neu aufgelegt. Zur rechten Zeit. Denn Maya Angelous Beschreibung ihrer Kindheit im Süden der USA hat von seiner Aktualität nichts verloren. 1928 wurde sie geboren und mit drei Jahren, zusammen mit ihrem vierjährigen Bruder, zur Großmutter (Momma) hingeschickt. In Stamps, einer kleinen Stadt, verbringt sie den Großteil ihrer Kindheit. Ein sorgloses Leben in mitten von Armut, Rassismus und religiöser Enge. Die größte Hilfe der beiden Kinder ist die Literatur. Sie verschlingen Bücher und träumen sich in die Welt von Jane Austen und Charles Dickens.
Nachdem der Lebensgefährte ihrer Mutter sie sexuell missbraucht, verstummt Maya und findet erst wieder Worte, als eine Freundin ihrer Momma ihr die Wichtigkeit von Romanen, dem gedruckten und gesprochenem Wort, vor Augen führt.
Später zieht sie wieder zu ihrer Mutter nach Kalifornien, durchlebt wilde Jahre, bis sie am Ende dieses ersten Teiles ihrer Biografie ein Kind bekommt. Die letzten Zeilen, als sie mit ihrem kleinen Sohn gemeinsam im Bett liegen, ist zum Weinen schön.
Dieses Buch verbindet Lustiges mit Brutalem, Liebeswertes mit der harten Realität und es ist mir beim Lesen klar geworden, warum dieses Buch nicht in Vergessenheit geraten ist. Ja, das auch nie werden sollte.
Maya Angelou war eine Ikone der schwarzen Bewegung gegen Rassismus. Ihre Arbeit als Journalistin, als Schriftstellerin, als Theaterfrau enstand vor diesem Hintergund. Sie war befreundet mit Martin Luther Kind und Malcom X und so ist es kein Wunder, dass auf der Rückseite des Taschenbuches u.a. James Baldwin und Barack Obama diesen Roman loben.

Leseprobe

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