Donnerstag, 24.Januar

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Guten Morgen Ulm

Heute haben
E.T.A. Hoffmann * 1776
Edith Wharton * 1862
Vicki Baum * 1888
Eugen Roth * 1895
Geburtstag
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„Wer wagt, durch das Reich der Träume zu schreiten, gelangt zur Wahrheit.“

E.T.A. Hoffmann
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Ganz neu als Taschenbuch:

978-3-498-09463-8

Matthew Weiner: „Alles über Heather„
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Robben
Rowohlt Verlag € 10,00

Auf gerade mal 144 Seiten spielt der Roman von Matthew Weiner. Aber die haben es in sich. Dass der Autor vor seinem Erstling weltweit Erfolge mit Serien wie „Mad Men“ und „Die Sopranos“ hatte, wird überall erwähnt. Mehr kann nicht nicht dazu sagen, da ich sie noch nie gesehen habe. Aber: Man merkt dem Roman an, dass Weiner schreiben kann. Knapp, pointiert, präzise und messerscharf.

Eigentlich hatte sie die Hoffnung auf ein normales Familienleben schon aufgegeben. „Karen war schon fast vierzig und jenseits aller Hoffnung, jemanden zu finden, der es mit ihrem Vater aufnehmen konnte.“ Bis Mark kam. Mark, Sohn eines Lehrers und Footballtrainers aus Newton, Massachusetts, kann ihr dank seines lukrativen Jobs im Finanzdistrikt von Manhattan zumindest materielle Sicherheit bieten: eine repräsentative Wohnung (auch wenn es nur die Gegend jenseits der Park Avenue ist, und nicht die 5th Avenue), ein ordentlich gefülltes Bankkonto, ein ruhiges, Leben.

Ein ruhiges Leben könnten die Breakstones in ihrem Appartment in Manhattan haben. Erfolg, eine glückliche Ehe und eine liebreizende Tochter. Heather ist der Mittelpunkt dieses kleinen Kosmos. Karen entwickelt sich zur Helikopter Mutter, beobachtet, bewacht und stellt ihre Tochter auf einen hohen Sockel. Doch diese Vater-Mutter-Kind-Beziehung ist instabil und als Heather in die Pubertät kommt bricht dieses selbst konstruiertes Kartenhaus zusammen.

Als Heather sich von Karens erstickender Liebe zu lösen beginnt, gerät das nach außen aggressiv beschworene Familienglück vollends ins Wanken. Während Karen, radikal desillusioniert von ihrem armseligen Leben, am Rande des Nervenzusammenbruchs wandelt, konzentriert sich Mark in obsessiver Weise auf das Glück und die Unversehrtheit seiner Tochter. Deren unbeschwerte Existenz in Gefahr gerät, als plötzlich ein Fremder vor ihrem Haus steht.

Parallel erzählt Matthew Weiner das Schicksal von Bobby Klasky, Kind einer drogensüchtigen Prostituierten, der den Liebhabern seiner Mutter zur Hand geht, um ihnen einen Schuss zu setzen. Als er wegen Vergewaltigung ins Gefängnis kommt, wird er zerbrochen und verliert den letzten Rest von Menschlichkeit.
Ab dem Moment, als sich die Lebenswege von Heather und Bobby kreuzen, wird uns Lesern klar, dass die Katastrophe vorgegeben ist. Die Frage ist nur, wann, wo und bei wem.

Dass ihm das Zufügen von Schmerzen Lust bereitet, zählt für den Jungen zu den aufregendsten Entdeckungen seines Lebens. „Durch Zufall entdeckte er seine eigene Macht, als er einen Vogel fand, der sich in der Air-Condition am Fenster verfangen hatte. Bobby stellte die Anlage an und sah ehrfürchtig zu, wie das Tier von den Rotoren zerhackt wurde, bis Blut aus dem Ventilator spritzte.“ Den letzten Rest Mitgefühl für andere Lebewesen verliert Bobby, als er nach der brutalen Misshandlung eines mexikanischen Mädchens aus der Nachbarschaft für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis muss. Wie es der Zufall will, findet er seinen ersten Job nach dem Knast mitten in New York, bei der Renovierung eines Hauses im Brownstone-Viertel nahe der Park Avenue. Jenem Haus, in dem Heather mit Mark und Karen das Penthouse im zehnten Stock bewohnt.

Als er das schlaksige Mädchen mit den blauen Augen zum ersten Mal sieht, ist es, als habe ihn ein Blitz getroffen. „Bobby würde Heather besitzen, jeden Teil von ihr; sie beide würden in ihm eins werden, und er wäre der Anfang und das Ende von allem.“ Die Kollision zweier Menschen, die sich unter normalen Umständen nie begegnet wären, ist ebenso unausweichlich wie das der beiden Lokomotiven, die auf demselben Gleis aufeinander zurasen. Kein Ausweichen möglich, das Verhängnis nimmt seinen Lauf.

Diese Extreme komponiert Matthew Weiner zu einem beklemmend guten Psycho-Kammerspiel. Wir erkennen Seite für Seite, dass die Breakstones eine Fassade aufgebaut habe, die sie nicht mehr aufrechthalten können. Wir merken, dass Bobby ein Mensch ist, der noch zu Regungen fähig ist. Durch seinen enormen Geruchsinn wird er auf Heather aufmerksam und ihm fällt sein Kaffee aus der Hand. Wie in der griechischen Tragödie gibt es kein Entrinnen mehr.
Matthew Weiners Erstling lebt von diesen engen Verstrickungen, den Verirrungen, Hoffnungen und der Angst vor dem Abgrund. Dazu braucht er nicht die Zutaten eines brutalen Thrillers. Er macht dies viel subtiler und sehr geschickt.
Mehr mag ich nicht verraten.

Mittwoch, 23.Februar

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Heute haben
Stendhal * 1783
Sergej Eisenstein * 1898
Derek Walcott * 1930 (Nobelpreis 1992)
Geburtstag
Aber auch Jeanne Moreau, Humphrey Bogart und Éduard Monet.
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Rok
keine schonzeit für feige zwerge

ist der schatten der bäume
der gleiche
wie der schatten der
hochhäuser die an
wolken kratzen
vielleicht ist der vergleich
abhängig von einem
sommer oder wintertag
oder nacht
dein heißer schweiß
auf meiner zunge
kühlt meine angst
macht mich betrunken
im schatten der bäume
lass uns giftige pilze
suchen unter
aufgerissenen wolken

restlos rastlos

weite strecken zurückgelegt
nie an dem punkt angekommen
der über wahrheit und lüge
entscheidet
kann in betrunkenem zustand
entscheidungen treffen die
nüchtern nicht auszuhalten sind
aber den zeitgeist klar erkennen
betrunken bin ich bei klarem
verstand
wir lieben uns heftig in einem
heruntergekommenen hotel
bei offenem fenster
deine zunge fühlt sich an
wie die dornen der wildrosen
die nacht nimmt die gewalt
der verwundeten tage
mit sich tiefer und tiefer
wir verlieren
du kannst jetzt in meine seele
schreiben love & hate

(aus: Rok, Die Zärtlichkeit des Schneemanns.
€ 10,00 bei uns im Lyrik-Regal)
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9783423147095

Michael Köhlmeier: „Erwarten Sie nicht, dass ich mich dumm stelle“
Reden gegen das Vergessen
dtv € 8,00

„Zum großen Bösen kamen die Menschen nie mit einem großen Schritt, sondern mit vielen kleinen, von denen jeder zu klein schien für eine große Empörung.“
Michael Köhlmeier

Nehmen Sie sich bitte diese sechs Minuten Zeit, während denen Michael Köhlmeier als Festredner zum Gedenktag der Bücherverbennung in Wien diesen Text verlas.
Die Gesichter der angesprochenen Personen in der ersten Reihe werden im länger.
Welch eine mutige Rede.

Weitere politische Reden des österreichischen Autors sind hier in diesem schmalen Taschenbuch versammelt.
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Heute Abend bei uns in der Buchhandlung:

Mittwoch, 23.Januar um 19 Uhr
„Strafe und Verbechen“ in der Lesereihe „Wortreich“
das Theater Ulm zu Gast bei uns in der Buchhandlung
Ausverkauft

Dienstag, 22.Januar

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Heute haben
John Donne * 1572
Gottfried Ephraim Lessing * 1729
Lord Byron * 1788
August Strindberg * 1849
Francis Picabia * 1879
Erika Runge * 1939
Wilhelm Genazino * 1943
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Rok
wenn die bäume walzer tanzen

ich möchte in dieser tankstelle mit
dir sitzen bleiben
stell mir vor es ist eine bar
zwischen grenzen
und traumhaft verschneiten
tannenwäldern
bitte weiter und nicht zurück
es ist genug für dich und mich
genug zeit noch eine zigarette
und draußen traumhaft
verschneite tannenwälder
im kalten neonlicht
deine haut ist blass
alles ausziehen
nichts zurücklassen


marie goes to hollywood

she needs a big pink car
and a skull tattoo
we help you marie
for sure

(aus: Rok, Die Zärtlichkeit des Schneemanns.
€ 10,00 bei uns im Lyrik-Regal)
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

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Florence und Louis Slobodkin: „Ein Handschuh zuviel“
Diogenes Verlag € 16,00
Bilderbuch ab 3 Jahren

Die Sache mit den Handschuhen ist so ähnlich, wie mit den Socken: Der zweite fehlt…..
So geht es auch den Zwillingen Ned und Donny, die immer identische rote Fäustlinde tragen.
Eines Tages vermisst Donny mal wieder einen von beiden, die Großmutter macht sich auf die Suche in Nachbars Garten, doch erfolglos. Am nächsten Tag steht die Nachbarin mit dem Fundstück vor der Tür und der Verlust muss sich wohl herumgesprochen haben, denn überall wird ein einsamer roter Handschuh gefunden und bei den Zwillingen abgeliefert. Aber so viele Handschuhe können die zwei gar nicht verloren haben und ab jetzt hängt ein großes Schild am Haus:
FALLS DU EINEN ROTEN HANDSCHUH VERLOREN HAST: DER IST BEI UNS.

Dieses alte Kinderbuch mit liebevoller Illustration ist bei Diogenes neu erschienen und passt perfekt zum Wetter!
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Dienstag, 22.Januar um 19 Uhr
„Seien Sie gegrüßt, liebe Freunde in Ulm“
Hermann Hesse in Ulm
Mit Jan Haag, Bernd Michael Köhler und Bernd Weltin

Was führte Hermann Hesse an einem Abend im April 1904 in das Gasthaus Schwarze Henne hinter dem Gänsturm? Was faszinierte den Dichter am Ulmer Münster? Und wer war eigentlich Eugen Link? Zweimal war Hermann Hesse zu Lesungen aus seinen Werken in Ulm. Den Aufenthalt in der Donaustadt im November 1925 hat er in seiner autobiographischen Erzählung Die Nürnberger Reise in Literatur verwandelt. Dass sich Hesse sehr oft in Ulm aufgehalten hat und ein Leben lang gute Beziehungen zu Freunden und Bekannten in der Stadt pflegte, schildert dieses Buch. Anhand bekannter und bisher unbekannter Quellen zeigen Jan Haag und Bernd Michael Köhler Aspekte aus dem Leben des Schwaben Hermann Hesse, die in den bisherigen Lebensbeschreibungen nicht berücksichtigt wurden.

Bei uns in der Buchhandlung