Dienstag, 24.Juli

IMG_6358

Heute haben
Alexandre Dumas d.Ä. 1802
Frank Wedekind * 1864
Hermann Kasack * 1896
Banana Yoshimoto * 1964
Geburtstag.
_______________________

Heute auf dem Gedichtekalender:

Theodor Storm
Mondlicht

Wie liegt im Mondenlichte
Begraben nun die Welt;
Wie selig ist der Friede,
Der sie umfangen hält!

Die Winde müssen schweigen,
So sanft ist dieser Schein;
Sie säuseln nur und weben
Und schlafen endlich ein.

Und was in Tagesgluten
Zur Blüte nicht erwacht,
Es öffnet seine Kelche
Und duftet in die Nacht.

Wie bin ich solchen Friedens
Seit lange nicht gewohnt!
Sei du in meinem Leben
Der liebevolle Mond!
___________________________

Claudia Wiltschek empfiehlt:

csm_9783832164584_26410d20f7

Mariana Leky:Erste Hilfe
DuMont Verlag € 11,00

Die Erzählerin wohnt mit Sylvester , einem Frauenheld, der sich gerne im Badezimmer versteckt, wenn mal wieder eine seiner Freundinnen auftaucht, zusammen. Sie selbst arbeitet zur Studienfinanzierung in einem kleinen Zoogeschäft, eingeengt zwischen Vögeln, Meerschweinchen, Mäusen und Aquarien. Dort lernt sie auch Matilda kennen, die regelmässig für ihre Fische einkauft. Gesprochen wird nicht viel, bis sie eines Tages einen kleinen Jungen beobachten, der sich ein Meerschwein unter die Jacke schiebt und von den beiden nicht aufgehalten wird.
“ un haben wir ein Geheimnis“, sagt Matilda und ihre Freundschaft beginnt. Matilda ist nun ständiger Gast in der kleinen WG, bekommt eines Tages einen riesigen Hund geschenkt, der auch hier seinen festen Platz findet. Matilda weigert sich eines abends nach hause zu gehen, sie kann aus lauter Angst keine Strasse mehr überqueren und behauptet verrückt zu werden. Selbstverständlich darf sie dort einziehen und nun wird gemeinsam versucht Matilda von ihren Ängsten zu befreien.
Dies ist der erste (2004 erschienene) Roman von Mariana Leky und auch hier sind es wieder skurille, liebenswerte Menschen und Frau Lekys wunderbare Sprachbasteleien, die mir einen großen Lesespaß bereitet haben.

Ein Gespräch mit Mariana Leky über ihren ersten Roman „Erste Hilfe“:

„Wie hilft man einer Freundin, die Angst davor hat, die Straße zu überqueren?
In Ihrem Roman ›Erste Hilfe‹ nehmen drei Freunde den Kampf mit einem unheimlichen Gegner auf.“

ML: „In Freundschaften teilt man alles Schöne, und auch das, was unheimlich ist. Das unheimliche ist in diesem Fall eine Angst, die derartig an einem rüttelt, dass man glaubt, den Verstand zu verlieren. Mich hat interessiert, was geschieht, wenn eine so sperrige Angst in einer Freundschaft herumsteht – was man sich einfallen lässt, um das Leben wieder leichter zu machen.“

„Es ist bemerkenswert, wie fürsorglich die drei Freunde miteinander umgehen und manchmal sehr lustig, auf welche Ideen sie kommen, bei dem Versuch die Angst zu bezwingen. Ist dieser Umgang mit psychischen Störungen in unserer Gesellschaft üblich?“

ML: „Nein, es ist ja auch nicht leicht, unverkrampft mit einer Verkrampfung umzugehen.
Außerdem werden solche ‚komischen‘ Ängste und Phobien ja oft als peinlich bewertet. Oder als kindisch. Deswegen passieren sie, solange es geht, im Stillen. Ich glaube, keiner, der Angst vor Supermärkten hat, wird sich Ihnen – wenn er überhaupt noch einkaufen geht – zwischen Kühlregal und Wursttheke mit den Worten ‚Ich fürchte mich‘ in die Arme werfen. Solche Ängste laufen größtenteils unsichtbar ab.“

„Matilda hat Angst davor, über die Straße zu gehen. Warum haben Sie gerade diese Angst gewählt, gibt es einen besonderen Grund?“

ML: „Ich habe mir diese Angst ausgesucht, weil man mit ihr sofort aufgeschmissen ist. Eine Mäusephobie oder eine Flugangst macht das Leben nur in bestimmten Situationen kleiner. Eine Angst vor Straßen lässt den Lebensradius sofort zusammenschrumpeln. Man kann dieser Angst kaum ausweichen. Außerdem hat mir diese Angst gleich eingeleuchtet (allerdings leuchten mir fast alle Ängste gleich ein). Straßen können zu Ungeheuern werden. Jeder, der – wie ich gestern – gefühlte fünf Minuten lang auf einer vierspurigen Straße stand, mit drei Einkaufstüten in den Armen, umrauscht von Autos, wird bestätigen können: schön ist was anderes.“

„Man hat beim Lesen das Gefühl, dass diese Geschichte nur in einer Stadt spielen kann.“

ML: „Stimmt, Matildas Angst benötigt ein städtisches, größeres Publikum. Aber vor allem brauchte ich für die Liebesgeschichte einen großzügigen Stadtplan.“

„Apropos Liebe! Schon in Ihren Erzählungen ›Liebesperlen‹ schienen Ihre Figuren nicht besonders viel Glück mit der Liebe zu haben.“

ML: „Ich habe eher den Eindruck, dass die Figuren – bei aller Untröstlichkeit – trotzdem Glück in der Liebe haben; sie rütteln nur an den falschen Türen. Es stehen immer welche mit offenen Armen um sie herum.“

„Man hat beim Lesen das Gefühl, dass diese Geschichte nur in einer Stadt spielen kann.“

ML: „Stimmt, Matildas Angst benötigt ein städtisches, größeres Publikum. Aber vor allem brauchte ich für die Liebesgeschichte einen großzügigen Stadtplan.“

„Apropos Liebe! Schon in Ihren Erzählungen „Liebesperlen“ schienen Ihre Figuren nicht besonders viel Glück mit der Liebe zu haben.“

ML: „Ich habe eher den Eindruck, dass die Figuren – bei aller Untröstlichkeit – trotzdem Glück in der Liebe haben; sie rütteln nur an den falschen Türen. Es stehen immer welche mit offenen Armen um sie herum.“

Mariana Leky kommt am Freitag, den 7.September ins Ulmer Roxy.
Der Vorverkauf läuft.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s