Dienstag, 22.Mai

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Heute haben
Gérard de Nerval * 1808
Arthur Conan Doyle * 1859
Johannes R.Becher * 1891
Robert Neumann * 1987
Geburtstag
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Im Gedichtekalender zu finden:

Franz Werfel
Geistige Freude

Es ist in einer unbekannten Frühe,
Da letzter Stern anwächst zu riesigem Schein.
Gewaltige Eos kommt. Das Werk der Mühe,
Kasernen und Fabriken krachen ein.

Und Tempel, die noch nie so göttlich brannten,
Mit brüllenden Kuppeln in den Himmel stehn,
Und Menschen sieht man nur mit ausgespannten
Umarmungs-Armen, große Kreuze, wehn.

Auf den geborstenen Gräbern selbst die Toten
Am Hügel sitzen, atmend, aufgedeckt,
Wie Kinder früh am Bettrand, starr, mit rotem,
Zerbrochenem Mund, das Antlitz aufgebleckt.

Nach Nord, Süd, Ost und West vier Tuben beben.
Auf allem Munde kniet das Eine Wort.
Gott selber wirft von seinem Gnadenort
Sich uns gehüllt in Strahlenstaat ans Leben.
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voll-im-leben

John Fante:Voll im Leben
Aus dem Amerikanischen von Doris Engelke
Maro Verlag  € 18,00

Eine weitere Episode aus dem Leben des Drehbuchautors John Fante.
Erschienen ist das Buch zu Beginn der 50er Jahre und der rührige Maro Verlag aus Augsburg bringt den schmalen Roman in einer Neuausgabe heraus. In den letzten Jahren gab es eh einige Neuübersetzungen, des hier in Deutschland immer noch nicht so bekannten Autors. Alex Capus übersetzte zwei Titel von John Fante für den Blumbar Verlag.
Jetzt aber zu „Voll im Leben“, zu John Fante, seiner schwangeren Frau und seinem eigenbrötlerischen Vater.
Endlich ist etwas Geld im Hause Fante. Jeden Donnerstag gibt es einen satten Scheck für seine Drehbucharbeiten. Joyce ist schwanger und alles könnte so perfekt sein. Wenn sich die junge Frau nicht während der Schwangerschaft sehr verändern würde und sie auch noch durch den termitenvernagten Küchenfußboden krachen würde. So steht sie bis zur Hüfte versunken und klemmt mit ihrem dicken Bauch fest.
Jetzt ist Not am Mann und John Fante fällt sein Vater ein, der Maurer war und sich mit solchen Dingen bestens auskennt. Das Problem dabei ist unter anderem, dass John seine Eltern seit sechs Monaten nicht besucht hat und dass Vater und Mutter noch sehr in der italienischen Tradition verhaftet sind. John macht sich auf die Reise von Los Angeles nach San Juan und damit nimmt beginnt das große Chaos.
John Fante erzählt diese Geschichte zwischen Vater und Sohn mit großer Empathie, hintergründigem Witz und tiefsinniger Tragik. Für uns Leser ist es ein großes Vergnügen, da die Lektüre viele liebgewonnene Italien-Klischees bedient.
Ein Buch für die warmen Tage, für abends nach getaner Arbeit und für unterwegs. Aber Achtung: Nicht dauernd lachen beim Lesen, sonst meinen die Mitreisenden noch, es stimmt etwas nicht mit Ihnen.

John Fante wurde 1909 als Sohn italienischer Einwanderer in Colorado geboren und ging Ende der zwanziger Jahre nach Kalifornien. Dort begann er unter schwierigen Bedingungen eine Karriere als Autor. John Fante ist in Deutschland noch immer ein Geheimtipp. Auch in den USA wurde er erst in hohem ­Alter zu den großen West-Coast-Schriftstellern wie Mailer, ­­Fitz­gerald und Chandler gezählt. Seine Beachtung stieg, nachdem Charles Bukowski ihn zu seinem »Gott« erklärte: »Hier endlich war ein Mann, der keine Angst vor Emotionen hatte. Mit überwältigender Schlichtheit vermischen sich Humor und Schmerz.« Der Durchbruch gelang ihm 1938 mit dem Roman »Ich – Arturo Bandini«; seinen Lebensunterhalt verdiente er jedoch zeit seines Lebens als Drehbuchschreiber für die Filmindustrie. Weshalb Fante in seiner Schaffenszeit weitgehend unbeachtet blieb, wird heute der damaligen Verlagswelt zugeschrieben. Seine Romane »Wait until Spring, Bandini«, »Ask the Dust« und »Dago Red« blieben zunächst Insider-Tips, die von den großen Verlage ignoriert wurden. Fante musste sich als Drehbuchautor in Hollywood durchschlagen. 1978 verlor Fante aufgrund einer Diabetes seine Sehkraft; später mussten ihm beide Beine amputiert werden. Sein letztes Buch über seine ersten Tage in Los Angeles diktierte er seiner Ehefrau, bevor er 1983 in Malibu, Kalifornien, verstarb.

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