Freitag, 27.April

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Heute haben
Arnold Höllriegel * 1883
Cecil Day Lewis * 1904
Zhang Jie * 1937
Aminata Sow Fall * 1941
Geburtstag
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Heute vor einem Jahr

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Börries von Münchhausen
Weißer Flieder

Naß war der Tag – die schwarzen Schnecken krochen -,
Doch als die Nacht schlich durch die Gärten her,
Da war der weiße Flieder aufgebrochen,
Und über alle Mauern hing er schwer.

Und über alle Mauern tropften leise
Von bleichen Trauben Tropfen groß und klar,
Und war ein Duften rings, durch das die Weise
Der Nachtigall wie Gold geflochten war.
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Joan Didion:Süden und Westen
Notizen
Aus dem Amerikanischen von Antje Rávic Strubel
Ullstein Verlag  € 18,00

Joan Didion, geboren 1934 in Sacramento, entscheidet sich schon früh für das Schreiben. Bereits als Kind bringt sie kurze Geschichten zu Papier. Nach ihrem Abschluss am Berkeley College reicht sie für einen Wettbewerb der Vogue eine Geschichte ein und gewinnt eine Stelle in deren New Yorker Redaktion. Sie schreibt Reportagen und Essays für die Rolling Stones und The New Yorker . Berühmt geworden ist sie durch „The White Album“, in dem sie ihre sehr persönliche und kritische Sicht auf die Hippie Ära mit einer präzisen Analyse zur amerikanischen Politik und Kultur dieser Zeit verbindet.
Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes John Gregory Dunne setzt sie sich mit ihrer Trauer über diesen Verlust in „The Year of Magical Thinking“ auseinander, ebenso in „Blue Nights“ nur wenige Jahre nach dem Unfalltod ihrer Adoptivtochter Quintana. Für „The Year of Magical Thinking“ erhielt sie 2005 den National Book Award. Trauerbewältigung in der Literatur? Ein absolutes Novum.
In dem vorliegenden Buch „Süden und Westen“, trifft einen die Präzision und Eleganz ihres Stils sofort mit voller Wucht. Grundlage dieses Textes, im Original in New York erschienen, ist eine mehrere Monate andauernde Reise im Jahr 1970, gemeinsam mit ihrem Mann, in die Südstaaten Amerikas, Ausgangspunkt ist New Orleans.
Für Didion, im Hinterkopf die vage Idee über diese Zeit zu schreiben, ist es eine Reise in ein unbekanntes Land. Sie erzählt von Waschsalons, Motels, Hitze, Trailer Parks, Schmutz und ländlichen Lady Brunches, von ihren Begegnungen mit den Menschen dort, meist eher zufällig. Ihre Beobachtungen sind treffsicher, elegant und humorvoll.
Dieses Amerika hat nichts mit der Hippieszene Kaliforniens oder mit der Kulturschickeria New Yorks gemein.
„In New Orleans ist die Luft im Juni schwer von Sex und Tod, kein brutaler Tod, aber der Tod durch Verfall, Überreife, Verrotten, der Tod durch Ertrinken, Ersticken, Fieber unbekannter Herkunft.“
Fünfzig Jahre nach Entstehung dieser Notizen, schärft sie unseren Blick auf ein Amerika, das bis heute von Rassismus, Gewalt und Armut geprägt ist. Nicht erst seit der Wahl Trumps zum amerikanischen Präsidenten befassen wir uns immer wieder mit dieser Seite der USA, in dem verzweifelten Versuch dieses Land zu verstehen.
Mit den Reisenotizen Joan Didions fühlen und sehen wir mit den Augen einer meisterlichen, hoch intelligenten und emphatischen Autorin einen Teil Amerikas, der immer noch wirkt, bis heute.

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