Freitag, 9.März

Heute haben
Peter Altenberg * 1859
Agnes Miegel * 1879
Umberto Saba * 1883
Vita Sackville-West * 1892
Marie Cardinal * 1929
Ota Filip * 1930
Keri Hulme * 1947
Geburtstag.
Es ist der Todestag von Charles Bukowski.
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Peter Altenberg
Winterszeit

Der Kirchthurm ragt – – –.
Und wie in Frost erstarrt sind die Geräusche.
Da rieselt von überladenen harten Fichtennadeln
harter Schnee in Klümpchen ab – – –.
Dann wieder Stille, Stille, Stille – – –.
Und der Dichter sagt: „Ich höre die Symphonieen der Stille!“
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Sarah Wiltschek empfiehlt:

Joachim Meyerhoff: Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke
Alle Toten fliegen hoch, Teil 3
Kiepenheuer & Witsch Taschenbuch € 10,99

Nach dem Abitur träumt Joachim Meyerhoff von einem entspannten Zivijahr im Krankenhaus mit einem Bett im Schwesternwohnheim. Doch dann spricht er in der Schauspielschule vor und wird, zu seinem großen Bedauern, zugelassen.
Schließlich tauscht er das Schwesternwohnheim gegen die großelterliche Villa, versagt tagsüber kläglich im Sprechunterricht und auf der Bühne und findet am Abend Zuflucht im rosa Zimmer der Großmutter. Dass die selbst eine begnadete Schauspielerin ist, raubt dem jungen Meyerhoff noch das letzte Stück Selbstbewusstsein. Er erzählt vom Scheitern vor der Kamera, wo seine aufgeregte Stimme durch ein Double ersetzt werden muss, von Kieferkrämpfen und Bühnenfluchten.
Doch eigentlich hat er dieses Buch seinen Großeltern gewidmet. Dem strengen Großvater, ein emeritierter Philosophieprofessor und seiner Großmutter, eine Grand Dame bis zuletzt. Meyerhoff erinnert das Leben der Großmutter und ihre Schicksalsschläge. Erzählt von den vielen Hermanns in seiner Familie und wie der Großvater, der eigentlich nicht der richtige Großvater ist, seinerzeit ein bedrohlich strenges Korsett über die Familie legte. So dass Meyerhoffs Kindheitserinnerungen geprägt sind von endlos langen Mittagsruhen, in denen kein Wort gesprochen und kein Schritt gegangen werden durfte, von strammen Märschen durch das Dickicht der umliegenden Wälder und von störrigen Plastikbezügen, die über sämtliche Sitzmöbel gestülpt wurden, sobald die Enkel das Haus betraten.
Dennoch oder gerade wegen der streng durchchoreographierten Tagesabläufe und Gewohnheiten der Großeltern (darin inbegriffen, der nach festen Uhrzeiten eingehaltene Alkoholkonsum) ist die Münchner Villa für Meyerhoff in dieser Zeit Zufluchtsort und Inspiration zugleich. Noch in Trauer um den toten Bruder und in Sorge um den schwerkranken Vater, findet er hier Halt und ein zu Hause.
Meyerhoffs Gabe, aus kleinen Alltagsmomente ganze Welten entstehen zu lassen, in dem er sich ins Detail verliert und der erlebten Tragik mit unermüdlichem Humor begegnet, macht seine autobiographischen Romane zu äußerst beglückenden Leseerlebnissen.

Leseprobe

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