Mittwoch, 11.Oktober

Heute haben
Conrad Ferdinand Meyer * 1825
Gertrud von Le Fort * 1876
Francois Mauriac * 1885 (Nobelpreis 1952)
Boris Pilnjak * 1876
Anne Enright * 1962
Geburtstag.
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Conrad Ferdinand Meyer
Fülle

Genug ist nicht genug! Gepriesen werde
Der Herbst! Kein Ast, der seiner Frucht entbehrte!
Tief beugt sich mancher allzureich beschwerte,
Der Apfel fällt mit dumpfem Laut zu Erde.

Genug ist nicht genug! Es lacht im Laube!
Die saftge Pfirsche winkt dem durstgen Munde!
Die trunknen Wespen summen in die Runde:
„Genug ist nicht genug!“ um eine Traube.

Genug ist nicht genug! Mit vollen Zügen
Schlürft Dichtergeist am Borne des Genusses,
Das Herz, auch es bedarf des Überflusses,
Genug kann nie und nimmermehr genügen!
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Antonio Manzini:Spitzentitel
Aus dem Italienischen von Antje Peter
Wagenbach Verlag  €15

„Er schaut auf den Monitor seines Computers und schreibt ENDE auf das weiße Blatt. Es ist 23:30 Uhr an einem Oktoberabend, als der berühmte Schriftsteller Giorgio Volpe seinen neuen Roman abschließt. Am folgenden Morgen ruft er gutgelaunt im Verlag an, um die frohe Botschaft zu verkünden.“

Dort aber ist nichts mehr wie zuvor: Der Verlag wurde von einem Großkonzern geschluckt, nun haben windige Investoren das Sagen. Statt der vertrauten Stimme seiner Lektorin hört Volpe einen Anrufbeantworter in sieben Sprachen, und wenig später stehen zwei dubiose Typen vor der Tür, die sein Buch publikumstauglich umschreiben wollen. Doch damit fängt das Unheil erst an …

Was zuerst wie ein Alptraum, ein Wachtraum aussieht, entwickelt sich zur Realität. Große, wichtige, dicke Romane sind nicht mehr gefragt. Aber nicht nur daß gestrichen und gekürzt wird – weg mit den langatmigen Szenen – auch politisch korrekt sollte es sein. Keine zu schlechten Botschaften in dieser schlimmen Zeit dürfen in den Bücher stecken. So wird aus „Krieg und Frieden“ einfach nur „Frieden“. Das nur als kleines Beispiel. Romane werden auf ein Happy End hin umgeschrieben und SchriftstellerInnen geknebelt, zu einer bestimmten Zeit ein genaue Anzahl von Seiten abgeliefert zu haben. Und zwar nach den vorgebenen neuen Regeln.
Antonio Manzini ist hier eine messerscharfe und urkomische Persiflage gelungen, die nicht nur auf die Welt der Bücher zutrifft.
Lustig ist zusätzlich, daß im neuen Roman von Marc-Uwe Kling (der mit dem Känguru) genau das gleiche Thema aufgegriffen wird. Auch in „Qualityland“ wird alles glattgebügelt und gemainstreamt (schreibt sich das so?).
Beides sehr lustig und gleichzeitig bleibt mir das Lachen im Hals stecken.

Dienstag, 10.Oktober

Heute haben
Ivo Andric * 1892 (Nobelpreis 1961)
Claude Simon (Nobelpreis 1985)
James Clavell * 1925
Harold Pinter * 1930 (Nobelpreis 2005)
Jonathan Littell * 1967
Geburtstag.
Drei Literatur Nobelpreisträger, das ist ein Wort!
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Detlev von Liliencron
Herbst

Astern blühen schon im Garten;
Schwächer trifft der Sonnenpfeil
Blumen, die den Tod erwarten
Durch des Frostes Henkerbeil.

Brauner dunkelt längst die Heide,
Blätter zittern durch die Luft.
Und es liegen Wald und Weide
Unbewegt im blauen Duft.

Pfirsich an der Gartenmauer,
Kranich auf der Winterflucht.
Herbstes Freuden, Herbstes Trauer,
Welke Rosen, reife Frucht.
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Cruschiform:COLORAMA
Das Buch der Farben
Prestel Verlag € 25,00
Ab 8 Jahren

Ich habe noch nie etwas von Cruschiform gehört, gelesen, oder gesehen. Zumindest nicht bewusst.
„Cruschiform ist ein französisches Kreativstudio mit Sitz in Paris, das sich auf Illustrationen und Grafik-Design spezialisiert hat. Das Studio wurde 2007 von Marie-Laure Cruschi gegründet.“, so schreibt es der Prestel Verlag und wenn Sie sich die website der Firma ansehen, werden Sie sicherlich genau so staunen, wie ich.
Cruschiform

Letzte Woche habe ich schon ein Buch voller Farben vorgestellt. Es war ein Buch für Erwachsene und es war ein französisches Produkt. Genauso wie dieses hier.
Unsere Welt ist nicht nur Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo oder Violett – die sieben Farben des Regenbogens zeigen nur einen Bruchteil unseres Farbspektrums. 133 Farbtöne aus der Natur und der menschlichen Zivilisation bilden das Spektrum dieses Buches:
Wir blättern uns durch diese Farbpalette, bekommen links eine Illustration eines Gegenstandes aus dem Alltag, ein Tier, eine Pflanze, einen dazugehörenden Farbnamen und eine kurze Erläuterung dazu. Rechts dann diese Farbe flächig auf einer ganzen Seite.


Wir alle kennen Kardinalrot, Karminrot oder Safrangelb, aber wer weiß schon, warum Flamingos pink sind oder der Mond weiß? Warum die Farben so heißen bzw. was sie mit den Bildern verbindet, das erklärt der Text unter der Illustration auf sehr eingängige und poetische Weise.
Schön ist der Anfang mit den Weiß-Tönen, die wie rechts kaum oder gar nicht erkennen können, bis so ganz langsam ein gelblicher, ein bläulicher Ton ins Weiß mischt.
Und es gibt viele Informationen in dem sehr schön gestalteten Buch, die ich vorher noch nicht wusste.
Warum früher englische Rennautos grün waren und italienische (Ferrari) rot. Was es mit dem Gesichtspuder auf sich hat und warum Tennisfelder mit rotem Sand ausgelegt sind. (Das ist wirklich sehr lustig).
Es ist eine richtige Freude, sich durch das Buch zublättern.


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Robert Menasse hat für seinen Roman: „Die Hauptstadt“ den Deutschen Buchpreis 2017 erhalten.
Wir haben genügend Exemplare vorrätig und Sie können sich sofort damit eindecken.
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Nicht vergessen:

Am Donnerstag liest Stefan Ferdinand Etgeton aus seinem Buch: „Das Glück meines Bruders“ bei uns in der Buchhandlung.
Beginn ist 19 Uhr.