Mittwoch, 4.Oktober

Gefunden im Gedichte Kalender 2018

Christian Morgenstern
Der Mond

Als Gott den lieben Mond erschuf,
gab er ihm folgenden Beruf:

Beim Zu- sowohl wie beim Abnehmen
sich deutschen Lesern zu bequemen,

ein a formierend und ein z –
daß keiner groß zu denken hätt’.

Befolgend dies ward der Trabant
ein völlig deutscher Gegenstand.
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Heute haben
Jeremias Gotthelf * 1797
Anne Rice * 1941
Luis Sepúlveda * 1949
Geburtstag.
Aber auch Luis Trenker, Buster Keaton, Robert Wilson und Christoph Waltz
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Virginie Despentes:Das Leben des Vernon Subutex
Aus dem Französischen von Claudia Steinitz
Kiepenheuer & Witsch Verlag € 22,00

Die großen Zeitungen waren voll mit Besprechungen zu diesem Buch. Überall das größte Lob. Was ja an sich schon mit Vorsicht zu genießen ist. Immer wieder nahm ich das Buch in die Hand und legte es wieder weg. Dann gab es wieder neue Lobeshymnen. Als dann ein Kunde, ein Vielleser und eigentlich gar kein Vernon Subutex-Typ mit erzählte, dass er gerade diesen Roman gelesen habe und es der beste seit Monaten gewesen wäre, war es für mich klar: Jetzt möchte ich auch.
Die paar Tage Urlaub waren genau richtig für die 400 Seiten und ich wurde nicht enttäuscht. Doch, doch, eine große Verwunderung gab es schon, als ich, mitten im Lesen, erfahren habe, dass es nicht bei den 400 Seiten bleiben würde, sondern dass noch zwei weitere Bände folgen würden. Mist, wie und wann soll ich das denn schaffen?
Zurück zu Band eins. Virginie Despentes, eine französische Autorin, die mit ihrem ersten Roman, den sie auch selbst verfilmte, für ordentlich Krawall gesorgt hat, deren Verfilmung aus den Kinos genommen worden ist und nur noch in Pornokino gezeigt werden konnte, ist hier viel gefälliger geworden. Sprache und Handlung sind dem Mainstream angepasst und gleichzeitig aber immer hart an der Grenze. Frech, witzig, durchgeknallt, politisch unkorrekt, sehr aktuell und mit dem Finger auf die französische Gesellschaft gelegt, erzählt die Autorin aus dem Leben des Vernon Subutex. (Vernon war das Pseudonym von Boris Vernon und Subutex ist ein Antischmerzmittel und Opiat). Subutex hatte eine Plattenladen, war im Zentrum des Musikgeschehens und musste seinen Laden schließen. Zuerst machte er sich keine Sorgen, verkaufte später seine Reste und Musikdevotionalien, bis nix mehr übrig blieb. Danach begann der richtige Absturz. Und hier beginnt die Autorin. Subutex sucht im Freundeskreis nach Übernachtungsmöglichkeiten, schwindelt ihnen wilde Geschichten vor, nur damit er ein Dach über dem Kopf hat. Despentes lässt aber um ihren Protagonisten noch weitere Figuren kreisen und entwickelt damit einen Kosmos der französischen (Neben)-Gesellschaft. Was bei „Sex and the City“ die High Society und irgendwie alles ganz nett war, ist hier erdig, direkt, und nicht unbedingt vorabendtauglich.
Subutex und sein Umfeld hat die Autorin in einem großen Wurf hingeschmissen. Was bei Ferrante Neapel, ist bei ihr Paris.
Ich bin gespannt auf die beiden weiteren Bände.

Leseprobe
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Nicht vergessen:
Heute abend ist Shortlistlesen mit Marion Weidenfeld und Clemens Grote.
Beginn: 19 Uhr.
Pünktlich!

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