Dienstag, 22.August

Heute haben
Dorothy Parker * 1893
Wolfdietrich Schnurre * 1920
Ray Bradbury * 1920
Irmtraud Morgner * 1933
Geburtstag
und es ist der Todestag von Nikolaus Lenau.
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Nikolaus Lenau
Heimatklang

Als sie vom Paradiese ward gezwungen,
Kam jeder Seele eine Melodie
Zum Lebewohl süß schmerzlich nachgeklungen,
Darauf umschloß die Erdenhülle sie.
Noch ist dies Lied nicht völlig uns verdrungen,
Doch tönt es leiser stets auf Erden hie.
Gib acht, o Herz, daß in den Schütterungen
Dir nicht des Liedes letzter Hauch entflieh!
Ein Nachhall dieses Liedes ist entsprungen
Des Morgenlandes süße Poesie,
Von Jugendträumen wirds manchmal gesungen,
Doch dunkel, unbewußt woher? und wie?
Wem aber einmal klar und voll geklungen
Die wunderbare Heimatmelodie,
Der wird von bangem Heimweh tief durchdrungen,
Und er genest von seiner Sehnsucht nie.
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Sarah Wiltschek empfiehlt:

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Theresia Enzensberger:Blaupause
Hanser Verlag € 22,00

20er Jahre in Berlin. Der Studienplatz am Bauhaus Weimar ist für Luise Schilling gleichzeitig die Flucht aus dem patriarchalischen Elternhaus. Doch wo sie in Berlin vor der Allmacht des Vaters flieht, trifft sie in Weimar, unter der Leitung von Walter Gropius, auf nicht minder restriktive Machtstrukturen.
Luise kämpft um ihren Traum, Architektur zu studieren, eckt an, ob bei den Meistern oder Mitstudenten, fühlt sich nie ganz zugehörig, weder bei den esoterisch agierenden Ittenjüngern, noch bei den politisch aktiven Kommunisten.
Die deutsche Kunst und Kultur befindet sich auf ihrem Höhepunkt, Berlin ist weltoffen und feierwütig. Doch es fängt an zu gären im Land. Die Freizügigkeit und Toleranz der Hauptstadt trifft auf prügelende Nazionalisten. Die liberale Koexistenz unterschiedlichster kultureller, religiöser und sexueller Orientierung wird, so weiß man im Nachhinein, sich bis heute nicht wieder auf diese Höhen geschwungen haben.
Doch Luise stößt auf taube Ohren, wenn ihr das Studium und der Fokus auf das rein Ästhetische zu unpolitisch ist. Am Ende muss sie gar um das Recht an ihren eigenen Ideen fürchten. Was bleibt, ist die endgültige Flucht vor Ohnmacht und Verrat.
Theresias Enzenbergers Debüt taucht ein in die Anfänge der Bauhausgeschichte, erzählt von den selbstgefälligen Lehrmeistern, von der elitären Gesinnung der Bauhäusler in einer politisch explosiven Vorkriegszeit. Ein Emanzipationsroman, in der die Protagonistin ihren Wunsch von einem selbstbestimmten Leben nicht aufgeben will, allen Widrigkeiten zum Trotz.

Leseprobe

Theresia Enzensberger wurde 1986 in München geboren und lebt in Berlin. Sie studierte Film und Filmwissenschaft am Bard College in New York und schreibt als freie Journalistin unter anderem für die FAZ, FAS, ZEIT Online, Krautreporter und Monopol. 2014 gründete sie das vielfach preisgekrönte BLOCK Magazin.

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