Mittwoch, 11.Mai

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Heute haben
Rose Ausländer * 1901
Rubem Fonseca * 1925
Henning Boetius * 1939
Geburtstag.
Und auch Salvador Dali
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Unser heutiger Buchtipp:

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György Dragomán:Der weiße König
Aus dem Ungarischen von Laszlo Kornitzer
Suhrkamp Taschenbuch € 12,00

György Dragománs Roman „Scheiterhaufen“ war für mich das Buch des Jahres 2015. „Der weiße König“ erschein davor und gibt es bei Suhrkamp als Taschenbuch. Der Roman lag schon lange bei mir und ich habe ihn oft in den Rucksack gepackt, jedoch immer ungelesen zurückgebracht. Jetzt habe ich es geschafft und bin wieder sehr begeistert von der Geschichte, bzw. den Geschichten und der Sprache, obwohl es doch nur eine Übersetzung ist.

Rumänien im Jahr von Tschernobyl, 1986. Ein Elfjähriger wird Zeuge, wie Beamte des Geheimdiensts den Vater abholen. Von Monat zu Monat schwindet die Hoffnung, ihn wiederzusehen. Seiner tapferen, als Jüdin und Dissidentin geächteten Mutter versucht er beizustehen, während er ihr die Schikanen in der Schule verschweigt.

„Ein inhaftierter Vater, eine mutige Mutter und die Konfrontation eines hellwachen Jungen mit einer abscheulichen Diktatur. György Dragomán ist das herausragende Talent der jungen ungarischen Literatur. Dieser leidenschaftliche, wilde, zärtliche Roman mit seiner dichten, kraftvollen Sprache wird lange Bestand haben.“
György Konrád

Dragomán war selbst 13 Jahre alt, in dem Jahr, in dem der Roman spielt und wir können uns ausrechnen, dass er vieles von dem selbst erlebt und gesehen hat, was wir hier zu lesen bekommen.
In 18 Kapiteln erleben wir den Alltag des Jungen Dszátá. Zuerst sehr eng um seine Mutter herum. Noch sehr kindlich und naiv mit großen Augen. Wie er nicht mitbekommt, daß sein Vater Handschellen trägt, als der Geheimdienst seinen Vater abholt, wie er seiner Mutter einen großen Strauß Blumen klaut. Immer weiter ziehen sich seine Kreise. Die Schule, seine Mitschüler, der Fußballplatz, fremde Männer und abgestürzte Säufer. Gewalt zwischen den Erwachsenen, zwischen Eltern und ihren Kindern, Gewalt zwischen den Kindern, die nichts anderes sehen. Und über allem dieses korrupte, brutale System Ceausescus mit seiner Sekuritate.
Wir kennen die Bücher von Herta Müller, ihnen denen wir die ganze Härte des Lebens dort mitbekommen. Dragomán lässt uns dieses unerträgliche Leben aus der Sicht von Kindern sehen und verleiht somit der Brutalität eine unbekümmerte Note. Die Episoden sind gespickt mit witzigen Stellen und und glaublich tollen Beschreibungen. Szenen, die vielleicht in ihren Dimensionen nur im Kopf des Jungen so gesehen worden sind. Das Rationale der Erwachsenen fehlt und wir lesen das Buch mit viel Herz und Zuneigung. Die beschriebene Welt ist unerträglich und macht mit ihrer Gewalt die Menschen selbst zu Gewalttätern. Und ich glaube wir hätten genauso so ein beklemmendes Gefühl, wie bei Herta Müller, wenn Dragomán nicht diese kindliche Sicht auf die Dinge benutzen würde.
Ein absolutes Lesemuss, in dem sich der Junge vom kleinen Buben zu einem entwickelt, der sich selbst zu helfen weiß und sich gegen die Erwachsenen auflehnt. Auch wenn es nicht viel hilft.
Ein Buch voller Hoffnung und Empathie, wie ich es selten gelesen habe.

Leseprobe

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