Montag, 15.Februar

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Heute haben
Johann Jakob Wilhelm Heinse * 1746
Elke Heidenreich * 1943
Miranda July * 1974
Geburtstag
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Unser Büchertipp:

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Anthony Doerr:Memory Wall
Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence,
der auch Doerrs Roman. Alles Licht, das wir nicht sehen“ übersetzt hat.
C.H.Beck Verlag € 14,95
Englische Ausgabe € 14,99 (Inkl. weiterer Erzählungen)

„Jede Stunde verschwinden auf dem dem Erdball unzählige Erinnerungen“, so oder ähnlich könnten wir das Werk von Anthony Doerr überschreiben. In Deutschland hat er den literarischen Durchbruch mit seinem oben genannten Roman geschafft, für den er auch den Pulitzer Preis 2015 erhalten hat. Im englischsprachigen Raum ist er jedoch genauso bekannt für seine Erzählungen. „Der Muschelsammler“ ist hier auch erschienen, wird aber nicht groß beachtet. „Memory Wall“ ist im Original eine Sammlung von Erzählungen, Short Stories, bei uns kommt es speperat heraus und wird Novelle genannt.
Was uns da auf etwas mehr als 130 Seiten vorliegt, ist ein kleines Meisterwerk. Sprache, Handlung, Komposition, alles passt. Es geht wieder ums Erinnern, um Alma Konachek, die im Alter dement wird. Erinnerungen halten unser Leben zusammen und sie verliert jeden Tag mehr den Überblick. Auf einer Wand in ihrem Haus in einem Vorort von Kapstadt, hat sie Fotos aus ihrem Leben aufgeklebt. Unsortiert, wild durcheinander, oder doch nach System? Niemand weiß es genau. Sie wird von einem Schwarzen betreut, der jeden Tag eine weite Reise von einem Township zu ihr unternimmt und seinen kleinen Sohn dort zurücklässt. Er kümmert sich um das Alltägliche, kocht für sie, putzt, liest ihr vor, kleidet sie an, bringt sie ins Bett. Er ist ein Wandler zwischen zwei Welten. Dort ein großzügiges Haus, das Alma selbst gestaltet hat und bei ihm Armut pur.
Almas Mann hat in seinem späten Leben Fossilien gesucht und gesammelt. Das Haus ist voll von diesen Fundstücken. Schön archiviert in Vitrinen. Es gibt jedoch einen Hinweis, dass er kurz vor seinem Tod einen gigantischen Fund gemacht hätte, der mehrere Millionen wert sein soll. Doch es findet sich in den Unterlagen von Alma keinen Hinweis.
Doerrs Text spielt in einer nahen Zukunft, in der sich Menschen mit Porten am Kopf mit Speichermedien ihre Erinnerungen immer und immer wieder anhören können. Somit soll auch der fortschreitenden Demenz Einhalt geboten werden. Tausender solcher Kassetten befinden sich im Haus von Alma und sie taucht auch täglich in diese Erinnerungesfetzen ab.
Da Almas Zustand jedoch schon so weit gediehen ist, macht ein Einbrecher sich auch gar nicht mehr die Mühe sich leise in ihrem Haus zu bewegen. Er ist auf der Suche nach Fossilien, die er an einen Sammler weiterverkauft. Aber eigentlich ist er auf der Suche nach dem großen Fund. Mit dabei hat er einen Jungen, der auch solche Ports im Kopf hat. Ihn lässt er alle Speichermedien durchhören, während er mit Alma Eier ist. Sie kann sich am nächsten Morgen an nichts mehr erinnern.
Umso mehr wir lesen, merken wir, dass die beiden Jungs immer mehr in den Mittelpunkt geschoben werden. Wie schon in seinem „Licht“-Buch spielen Kinder, Jugendliche zentrale Rollen. (In der englisch sprachigen „Memory Wall“-Ausgabe gibt es noch mehr Kinder. So auch ein jüdisches Mädchen in Berlin).
Ich mag nicht mehr verraten. Die Handlung wird noch richtig turbulent. Sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Gegenwart. Was die Zukunft bringt, erfahren Sie spätestens, wenn Sie das Buch gelesen haben.
„Memory Wall“ wünsche ich viele Leser, in der Hoffnung, dass es von einem Leser zum anderen weitergerreicht wird. Eines dieser Bücher, die nicht viel Werbung brauchen, da sie für sich sprechen und überzeugen.

Leseprobe
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Werner Färbers wöchentliche Ungereimtheiten

Ungleiches Paar – 112

Über die Alpen zieht der Föhn,
der Gletscher strahlt in Blaugetön.
Der Bergfreund steht mit seiner Alten
direkt vor einer Gletscherspalten.

Sie wäre jetzt lieber am Meer.
Berge zu lieben, fällt ihr schwer.
Im nächsten Nu sieht man sie stoßen
den Mann mit Händen, ihren bloßen.

Lebensmüde Lemminge

Als Gerücht kursiert seit Jahren,
dass die Lemminge in Scharen
stürzen sich mit Anlauf munter
von Klippen hoch ins Meer hinunter.
Es heißt, die kleinen Tiere springen,
des Lebens müd‘, sich umzubringen.

In Wahrheit wollen sie nur baden
und nehmen dabei keinen Schaden.
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Nicht vergesesen:
Donnerstag, 18.februar ab 19 Uhr.
Die Journalistin, Autorin, Weltreisende Zora del Buono kommt zu uns auf Besuch und erzählt und liest aus ihren Werken.
Ihr Roman „Gotthard“ ist übrigens auch im Beck Verlag erschienen.

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2 Gedanken zu „Montag, 15.Februar

  1. Das Cover vom Doerr Roman ist echt klasse, aber ich war von „Alles Licht das wir nicht sehen“ nicht sehr überzeugt, daher bin ich nicht sicher, ob ich einem weiteren Doerr eine Chance geben mag ;)

    • der Vorteil ist ja, dass das neue Buch sehr schmal ist.
      Oder Du schnappst dir gleich die englische Ausgabe mit mehreren Erzählungen.
      Ich finde, dass er einfach mit großer Empathie für seine Figuren schreibt und ein prima Happy end auf Lager hat.
      Ansonsten gibt es auch viele andere tolle Bücher.
      Kennst du „Scheiterhaufen“? Das hat mich komplett umgehauen.
      Alles Liebe,
      Sam

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