8. Januar

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Heute haben
Wilkie Collins * 1824
Paul Scheerbart * 1863
Leonardo Sciascia * 1921
Juan Marsé * 1933
Stephen W.Hawking * 1942
Gudrub Mebs * 1944
Geburtstag
und David Bowie und Sarah.
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Paul Scheerbart
Dicker roter Mond

Ach, ich kann ja gar nicht schlafen!
Über dem dunkelgrünen Myrtentor
Thront ein dicker roter Mond. —
Ob es später wohl noch lohnt,
Wenn man auf dem Monde wohnt?
Über dem dunkelgrünen Myrtentor?
Wär’s nicht möglich, daß uns drüben
»Längre« Seligkeiten küßten?
Wenn wir das genauer wüßten!
Hier ist alles zu schnell aus.
Jeder lebt in Saus und Braus.
Wem das schließlich nicht gefällt,
Hält die ganze große Welt
Auch bloß für ein Narrenhaus!
Ach, ich kann ja gar nicht schlafen!
Alter Mond, ich lach dich aus!
Doch du machst dir nichts daraus!

Die große Sehnsucht

Wenn die große Sehnsucht wieder kommt,
Wird mein ganzes Wesen wieder weich.
Und ich möchte weinend niedersinken —
Und dann möcht ich wieder maßlos trinken.
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„Der Fanatismus gehört zu Extremformen menschlicher Konflikte, weil er anders als der Krieg weder Waffenstillstand noch Frieden kennt, sondern für absolute, unversöhnliche Gegnerschaft steht.“

Christophe Bouton: „Die Furie der Zerstörung
aus: Sinn und Form 4/2007
Das Heft ist vergriffen. Der Verlag stellt jedoch den obengenannten Artikel nochmals ins Netz.

Das aktuelle Heft ist erschieben und noch so neu, dass es nicht einmal auf der Website des Verlages auftaucht.

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Unscheinbar wie eh und je taucht es bei uns im Buchladen auf. Die Abonennten werden bedient, der Rest kommt an die Kasse. Bei genauer Betrachung fällt mir wieder auf, was für tolle Artikel sich wieder darin versammeln.

Pierre Mivhon (der wir von seinen Veröffentlichungen bei Suhrkamp kennen) trägt drei Wintermythologien bei. Und wenn Sie nun denken, dass das etwas Gediegenes, Getragenes ist – weit gefehlt. Der für mich unbekannte polnische Autor Tomasz Rozycki (* 1970) nimmt uns mit auf eine Reise durch Polen und die ganze Welt. Mittelpunkt, hier Haltepunkt, ist Tomis. Eine Stadt in der Provinz. Im Winter, mit Schnee und Kälte. Er beginnt mit der Idylle des nachts leuchtenden Schnee, dreht dann aber sehr schnell ab auf das Einfahren des Zuges in einen verdreckten Bahnhof während einer Silvesternacht. Und kaum haben wir ein paar Zeilen weitergelesen, so landen wir in New York und Rom. Lemberg, der Grossvater, eine wahnsinnige schwere Bücherkiste, Flucht und Rückbesinnung, sind weitere Haltepunkt für Rozyckis Jahresrück- und -ausblick.
Es folgen Auszüge aus dem Briefwechsel aus dem Jahre 1945 zwischen Gottfried Benn und Friedrich Wilhelm Oelze. Auch hier eine Ende und ein Anfang in der deutschen Geschichte. Jutta Hartwig überschreibt ihre Gedichte mit „Unsterbliche Einsamkeit“ und David Kehlmanns Text lautet: „Der Apfel, den es nicht gibt. Unordentliche Gedanken über Bilder und Wirklichkeit“. Schön, dass das einzige literarische Zitat, das er verwendet aus György Dragománs: „Scheiterhaufen“ kommt. Der Roman, der mich am Ende des letzten Jahres am meisten bewegt hat. Es folgen weitere Artikel über das Zeichnen, Malen, über Kunst und deren Betrachtungsweisen von Jan Brockmann und Hermann Pfütze.

Oktoberglast,
die Kähne
nehmen die Möwen
ins Schlepptau
auf den Kämmen
schilfiges Haar
und die Prismen der Ufer
wo um den nachblühenden Efeu
Satelliten im Safranpanzer summen:
gib mir Honig.

….

So beginnt eines der Gedichte von Walther Müller-Jentzsch, die er „Niederrhein bei Düsseldorf“ benennt und damit an Rolf Haufs erinnert.
Jonathan Böhm schreibt über Lenka Reinerová, Wulf Kirsten über die Deutsche Bücherei zu Leipzig, Irina Liebmann schreibt über den Geist, Tobias Lehmkuhl über den Langgedichtlyriker Paulus Böhmer und der bulgarischer Dichter Georgi Markov über das neue Jahr („Mit neuem Kredit auf dem Konto der Zukunft“)

Das und noch mehr befindet sich im ersten Heft (Januar/Februar) des Jahres 2016. Im März melde ich mich wieder mit dem nächsten Heft von Sinn und Form.

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