30.Dezember

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Heute haben
Theodor Fontane * 1819
Paul Bowles * 1910
Al Purdy * 1918
Douglas Coupland * 1961
Rudyard Kipling * 1865
Lukas Bärfuss * 1971
Geburtstag

Theodor Fontane
Der Schwester zu Silvester

Habe ein heitres, fröhliches Herz
Januar, Februar und März,
Sei immer mit dabei
In April und Mai,
Kreische vor Lust
In Juni, Juli, August,
Habe Verehrer, Freunde und Lober
In September und Oktober,
Und bleibe meine gute Schwester
bis zum Dezember und nächsten Silvester.
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“Einer der originellsten Köpfe der amerikanischen Literatur heute.” (The New Yorker)

Die Erzähler Franzen und Foer sind die größten Bewunderer Lydia Davis‘, sie ist eine der originellsten Köpfe der amerikanischen Literatur. Die Meisterin der kurzen Form nimmt in ihren Erzählungen, die manchmal nur zwei Zeilen lang sind, witzig und ungeheuer klug die Abenteuer des Alltags in den Blick. Egal ob sie von Reisen, Essgewohnheiten oder verflossenen Männern erzählt, mit Davis ist man stets mitten im Leben – heiter, nachdenklich, praktisch und immer mit einem philosophischen Augenzwinkern. Sie ist hier noch relativ unbekannt. Für ihr Gesamtwerk, hat sie 2013 den Man Booker International Prize bekommen. Gleichzeitig arbeitet sie als Übersetzerin und hat u.a. Marcel Prousts Mamutwerk: “Auf der Suche nach der verlorenen Zeit” ins Englische übertragen. Dazu noch Übersetzungen aus dem Spanischen und Französischen. Im Moment macht sie sich an die Texte von Thomas Bernhard. Alle Achtung.
Im Österreischischen Droschl Verlag sind bisher vier Bücher von ihr erschienen.

Lydia Davis:Reise über die stille Seite
Short Stories
Aus dem Amerikanischen von Klaus Hoffer
Fischer Taschenbuch €10,99

Lydia Davis:Kanns nicht und wills nicht
Aus dem Amerikanischen von Klaus Hoffer
Droschl Verlag € 23,00

Bei ihrer Übersetzerarbeit für Marcel Proust braucht sie für die 4.000 Seiten einen langen Atem und Marathonqualitäten. In ihren Erzählungen ist es oft das Gegenteil. Wie eine Sprinterin auf dem Basketballfeld zieht sie kurz an und ist schon am Ende der Geschichte angekommen. Es sind kleine Betrachtungen, die ähnlich wie Schnappschüsse beim Fotografieren mit einer Polaroidkamera, festgehalten werden. Die Szenen sind zu Beginn banal und sehr alltäglich, bekommen aber durch Wendungen am Ende eine explosive Wirkung. Es sind geduldige Beobachtungen von Kühen im Laufe eines Winters vom Küchenfenster eines Landhauses aus, aber auch ein Beschwerdebrief an einen Tiefkühlerbsenproduzenten. Sie schreibt über einen Hund und verwendet Texte von Flaubert und webt daraus etwas Neues. Diese kurze Form verlangt ein hohes Maß an Präzision und eine messerscharfe Auffassungsgabe. Dazu kommt bei Lydia Davis noch eine ordentliche Portion Witz und Humor, der die Beschreibungen unseres, oft nicht erfreulichen Lebens, zu kleinen Feuerwerken werden lässt. Wir bemerken bei ihr das Neurotische eines Woody Allens, aber auch die Art, Beziehungen zu beschreiben, wie wir sie bei Alice Munro lesen können. Ihr Spektrum ist auch in diesen Kürzesformes sehr groß. Und somit weitet sich auch unser Horizont und wir schauen nach der Lektüre der Texte sicherlich anders auf Kleinigkeiten auf der Straße und in den eigenen vier Wänden.
Das neuerschienene Taschenbuch enthält Texte aus verschiedenen Büchern von ihr und ein paarnoch nicht übersetzte Texte. ein guter einstieg in das Werk von Lydia Davis. Mehr von ihr finden Sie im Österreichischen Droschl Verlag, der ihr seit Jhren die Stange hält.

Kontingenz (versus Notwendigkeit)

Es könnte unser Hund sein.
Aver ist nicht unser Hund.
Also bellt er uns an.

“Sie ist ganz sicher eine Meisterin der Komposition. Sie mischt lange und kurze Stücke mit einer berauschenden Wirkung, wie ein Koch, der eine Speisenabfolge von grenzenloser Geschmacksvielfalt verabreicht.”
(The New York Times)

“Mit der Intensität und Klarheit ihrer Aufmerksamkeit verwandelt Lydia Davis triviale Probleme und transformiert sie zu fundamentalen Macken in der Ordnung der Welt.”
(Times Literary Supplement)

“Einige Schriftsteller besitzen die unheimliche Fähigkeit, deine Erfahrungen zu kippen. Lies genug Lydia Davis und ihre Stories beginnen dir zu widerfahren.”
(The New York Times Book Review)

Das Hundehaar

Der Hund ist weg. Er fehlt uns. Wenn die Türglocke läutet, bellt keiner. Wenn wir spät nach Hause kommen, erwartet uns keiner. Wir finden im Haus und an unseren Kleidern immer noch hier und da seine weißen Haare. Wir zupfen sie ab. Wir sollten sie wegwerfen. Aber sie sind alles, was uns von ihm geblieben ist. Wir werfen sie nicht weg. Wir haben eine unsinnige Hoffnung – wenn wir bloß ausreichend von ihnen aufsammeln, können wir den Hund wieder zusammensetzen.

Zirkuläre Geschichte

In den frühen Morgenstunden des Mittwoch gibt es draußen auf der Straße immer ein Spektakel. Ich wache davon auf und frage mich jedes Mal, was los ist. Es ist immer der Müllwagen,der den Müll abholt. Der Wagen kommt jeden Mittwoch in den frühen Morgenstunden. Immer weckt er mich auf. Immer frage ich mich, was es ist.

(Alle Textrechte sind beim Droschl Verlag)

Lydia Davis ist vor allem für ihre Kurzgeschichten bekannt, aber auch als Übersetzerin von Marcel Proust und Gustave Flaubert, wofür sie mit dem Orden des »Chevalier des Arts et Lettres« ausgezeichnet wurde. Sie lehrt Kreatives Schreiben an der University von Albany. 2013 erhielt Davis den Man Booker International Prize.

Wenn Sie Zeit haben, schauen Sie sich beiden Videos von und mit Lydia Davis an. Im ersten gibt sie Tipps an junge Autoren, im zweiten liest sie einen sehr witzigen, ungewohnten Text von sich vor, der dauernd erweitert wird. Sie merken dann schon, warum.

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