Mittwoch

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Heute haben
Arnolt Bronnen * 1895
Frank McCourt * 1930
Geburtstag
und auch Coco Chanel und Bill Clinton.

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Rainer Maria Rilke
Vor dem Sommerregen

Auf einmal ist aus allem Grün im Park
man weiß nicht was, ein Etwas fortgenommen;
man fühlt ihn näher an die Fenster kommen
und schweigsam sein. Inständig nur und stark

ertönt aus dem Gehölz der Regenpfeifer,
man denkt an einen Hieronymus:
so sehr steigt irgend Einsamkeit und Eifer
aus dieser einen Stimme, die der Guß

erhören wird. Des Saales Wände sind
mit ihren Bildern von uns fortgetreten,
als dürften sie nicht hören was wir sagen.

Es spiegeln die verblichenen Tapeten
das ungewisse Licht von Nachmittagen,
in denen man sich fürchtete als Kind.
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Unser heutiger Buchtipp:

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Éric Faye: „Zimmer frei in Nagasaki“
Aus dem Französischen von Bettina Deininger
Éric Faye erhielt für diesen Roman den bedeutenden Literaturpreis
Grand Prix de l’Académie Française.

Austernbank Verlag  € 16,90

Kann man aus einer Zeitungsnotiz einen Roman machen? Kann es sein, dass zwei Personen ein Jahr lang in der selben Wohnung leben, ohne dass der Besitzer von seinem Gast etwas weiß?  Brauchen wir Romane mit 500 Seiten, um so richtig in eine Geschichte eintauchen zu können? Kann ein französischer Schriftsteller einen japanischen Roman schreiben? Kennen Sie den Austernbank Verlag aus München?
Fragen über Fragen und die meisten davon können sehr einfach beantwortet werden.
Den Austernbank Verlag lernen Sie durch diese Buchvorstellung etwas kennen und am Ende des Textes gibt es einen Link zur Internetseite des Verlages.
Èric Faye hat für diesen Roman den Grand Prix de l’Académie Française erhalten. Und somit dürfte auch geklärt sein, ob der Autor sein Handwerk versteht. Zumal er in Frankreich bekannt, bei uns noch unveröffentlicht war. Die anderen Fragen erklären sich in den nächsten Zeilen vielleicht von alleine.
Auf knapp über 100 groß gesetzten Seiten erzählt Éric Faye eine sondebare Geschichte, die sich in Grundzügen wohl wirklich zugetragen hat.
Ein alleinlebender Meteorologe, Mitte 50, bemerkt, dass sich in seiner Wohnung immer wieder etwas verändert. Kann es sein, dass sein Kühlschrank Vorräte versteckt, verschwinden lässt? Wie kann es sein, dass in der Saftpackung abends ein paar Zentimeter Flüssigkeit fehlen? Unser Mann ist verwirrt und installiert tatsächlich eine kleine Überwachungskamara in seiner Wohnung, auf der plötzlich eine Frau ins Bild läuft. Wie kann es sein, dass sich jemand in seiner Wohnung bewegt, aufhält und er nichts davon bemerkt? Wie soll er weiter vorgehen? Was halten seine Mitarbeiter von seiner Unternehmung? Er entschließt sich für die Polizei, die umgehend die Frau festnimmt.
Damit bekommen wir den Blickwinkel der Frau mit und ein ganz anderer Kosmos tut sich auf. Bis auf einen Blickkontakt zwischen dem Mann und der Frau während des Prozesses, kommt es zu keiner Kommunikation zwischen den beiden.
Wie beide Menschen mit ihrer Einsamkeit leben, wie beide gerne einen Weg heraus finden wollen und was nach dem Prozess geschieht, erfahren Sie auf den letzten Seiten des schmalen Buches. Ich mag nicht zuviel erzählen und verraten.
Éric Faye schreibt mit großer Distanz, fast wie für die Gerichtsakten über das Leben dieser Menschen und zwischen den Zeilen öffnen sich neue Welten und das Leben der Frau im Versteck erscheint plötzlich deutlich interessanter, als das des Meteorologen.
Ein kurzweilige , sehr ruhiger Genuss, der noch lange nachhallt.

Eine klitzkleine Leseprobe
Die Website des Verlages