Samstag

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Bilder aus dem Büchle „Tea Time“, Jaja Verlag

Heute haben
William Butler Yeats * 1865
Fernando Pessoa * 1888
Dorothy Sayers * 1893
Anna Maria Ortese * 1914
Geburtstag

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Zum 150.Geburtstag von W.B.Yeats

Wine comes in at the mouth
And love comes in at the eye;
That’s all we shall know for truth
Before we grow old and die.
I lift the glass to my mouth,
I look at you, and I sigh.
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Unser Buchtipp für’s Wochenende:

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Eve Bunting: „Yard Sale“
Illustrationen von Lauren Castillo
Candlewick Press € 16,90

Wir kennen die Situation in dieser Form ja gar nicht in Deutschland. In den USA ist das wohl üblich. „Yard Sale“, sprich Flohmarkt im eigenen Garten vor dem Haus. So geht es auch Callie und ihrer Familie. Sie ziehen aus ihrem Haus aus in eine kleinere Wohnung und können dorthin nicht alles mitnehmen. Einfach zu wenig Platz. Der kleinen Callie ist dies gar nicht recht, weil da doch viele ihrer Sachen dabei sind. Zum Beispiel auch ihr Kinderbett, das ihre Mutter für $10 verkaufen will. Eine Interessentin will aber nur $5 bezahlen, weil doch auf der Kopfseite ein paar Striche auf dem Holz zu sehen sind. Aber weiss denn niemand, dass Callie diese Striche gemacht hat. So oft hat sie nämlich „Goodbye Moon“ gelesen. Als sich dann noch jemand für ihr kleines rotes Fahrrad interessiert und es schon aufladen will, greift Callie ein und klammert sich ans Hinterrad. Ihr Vater erklärt ihr, dass es vor der neuen Wohnung keinen Gehweg und viel Verkehr gibt und dass sie deshalb das Fahrrad nicht mitnehmen können. Schweren Herzens trennt sich unsere Callie von ihrem Rad, handelt jedoch eine mögliche Rückgabe mit dem Kunden aus.

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Ihre Freundin aus der Nachbarschaft taucht auf, ist traurig, dass Callie wegzieht und will vielleicht ihren kleinen Bruder weggeben und Callie könnte dann bei ihr einziehen. Das findet Callie jedoch nicht so gut. Da wären wohl sie, als auch ihre Eltern traurig. Alle Dämme brechen jedoch, als eine ältere Dame Callie fragt, ob sie auch zu verkaufen sei. Jetzt sehen wir, wie Mama und Papa mit glasigen Augen Callie umarmen und ihr eindringlich sagen, dass sie nie, nie, nie verkäuflich sei. Sie gehören immer zusammen. Das beruhigt unsere Kleine und sie kann nun Interessenten beraten, die noch Lust auf ihre alten Sachen haben. In der neuen Wohnung ist noch alles leer, Callie meint, sie freut sich auf ihr lustiges Klappbett und irgendwie werden sie diesen neuen Fleck passend für sich machen.
So ein rührendes Bilderbuch habe ich schon lange nicht mehr in der Hand gehabt. Die Nacherzählung liest sich vielleicht trauriger, als es ist. Eve Buntings Geschichte lässt uns teilhaben an der großen Veränderung um Callie. Es geht darum, wen du hast und nicht was du hast. Die Bilder von Lauren Castillo liebe ich ganz einfach. Vor einiger Zeit habe ich ihr letztes Bilderbuch vorgestellt („Nana In The City“), in dem es um Angst in der großen Stadt geht. Herrlich. Weiter so.

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Am Donnerstagabend lasen Susanne Fischer und Bernd Rauschenbach aus den Briefen von Arno Schmidt. Hier zwei kleine Eindrücke:

Und gestern hatten wir Bernd Rauschenbach als Vortragender seiner eigenen skurilen Erzählungen zu Gast.

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Das weitere Programm der Literaturwoche Ulm

Freitag

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Heute haben
Johanna Spyri * 1827
Djuna Barnes * 1892
HC Artmann * 1921
Henry Slesar * 1927
Anne Frank * 1929
Christoph Meckel * 1935
Regula Venske * 1953
Wolfgang Herrndorf * 1965
Geburtstag

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Heute wäre Wolfgang Herrndorf 50 Jahre alt geworden, hätte er sich nicht am 26.August 2013 umgebracht.
Mehr zu seinem Leben können Sie bei Wikipedia nachlesen.
Gerade rechtzeitig hat der Rowohlt Verlag eine Gesamtausgabe seiner literarischen Werke in drei Leinenbänden im Schuber herausgebracht.

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Wolfgang Herrndorf: „Gesamtausgabe“
Rowohlt Verlag € 49,95
Leseprobe

Damit würdigt sein Verlag ihn als Großen seines Hauses und als Wichtigen in der deutschen Literatur. Richtig so. Wir kennen ihn seit „tschick“, das in sehr vielen Schulen gelesen und an ganz vielen Bühnen gespielt wird. So auch am Akademie Theater Ulm. Danach kam „Sand“, für das er den Preis der Leipziger Buchmesse erhalten hat. Posthum erschien sein Blog in gedruckter Form „Arbeit und Struktur“ und sein Fragment gebliebener Roman „Bilder einer großen Liebe“.
Vorstellen möchte ich heute das Hörbuch von „Sand“.

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810 Minuten auf 11 CDs für € 29,95
oder auf 2 MP3-CDs für € 16,95

Stefan Kaminski liest diesen Roman, der deutlich länger und komplexer als all seine anderen Texte ist, so genial, das ich aus dem Staunen nicht herausgekommen bin. Viele LeserInnen, die sich an „Sand“ versucht haben, sind gescheitert (auch ich), haben mehrfach den Faden verloren, schätzen den Roman zwar sehr hoch, können ihn aber nicht wiedergeben. Stefan Kaminski schafft es nun mit seiner Stimme und seinen verschiedenen Tempi den einzelnen Personen ein Gesicht zugeben, die Strukturen der kurzen Kapitel zu ordnen. Endlich erkennen wir die vielen Menschen, die auftreten (hauptsächlich zu Beginn) und können sie später noch zuordnen. Der Sprecher schafft eine großartige Atmosphäre. Und dies passt natürlich auch zu Herrndorfs Roman, der wie ein Film angelegt ist. Herrndorf hat in der Zitatenkiste gewühlt und nicht nur für jedes Kapitel eines gefunden, sondern auch verschiedene literarische und filmische Muster benutzt. Politthriller, Liebesgeschichte, Afrika-Wüsten-Roman, James Bond-Persiflage und vieles mehr hat er hier verwurstelt und doch scheint bei allem seine eigene Stimme durch. Man merkt fast in jeder Zeile Herrndorfs großes literarisches Wissen. Er hat seine Klassiker alle gelesen. Egal aus welchem Bereich auch kommend. Und dazu perlen seine Wortspiele, seine genialen Dialoge, seine unglaublichen, verrückten Ideen und machen dieses Buch zu einem wirklichen Meisterwerk.
Wenn es also ein Hörbuch gibt, dass „besser“ als die gedruckte Version ist, dann haben wir hier ein Beispiel.
Lassen Sie sich berauschen von Stefan Kaminskis Können und lassen Sie sich fallen in diesen Agenten- und Spionageroman, in dem die Charaktere schablonenhaft festgelegt sind (die Amis foltern, die Afrikaner sind faul, die Europärer sind arrogant, …), in dem sich Herrndorf so richtig ausgetobt hat.

Stefan Kaminski wurde für seine herausragende Arbeit als Hörbuchsprecher u. a. mit dem Deutschen Hörbuchpreis und dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. In seinem Live-HörSpiel-Theater Kaminski ON AIR schlüpft er fließend in alle Rollen und verleiht Filmklassikern, Theater- und Opernstoffen ein neues Gewand.


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Gestern abend lasen Susanne Fischer und Bernd Rauschenbach, im Rahmen der Literaturwoche, aus den Briefen von Arno Schmidt. In einem vollen und sehr warmen Laden durften wir in den Kosmos des Schriftstellers aus der Heide eintauchen und immer wieder herzlich lachen.
Heute liest Bernd Rauschenbach eigene Texte aus seinem Buch „Applausordnung“.
Der Mensch ist das Tier, das auftritt.
Der Mensch verstellt sich – und entblößt sich dabei.
Immer aber spielt er eine Rolle, die nach Applaus verlangt.

Ort: Kulturbuchhandlung Jastram
Beginn: 19:30
Eintritt: frei
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