Mittwoch

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An der schönen blauen Donau

Heute haben
Luwig Börne * 1786
Rabindranath Tagore * 1861
Christian Morgenstern * 1871
Yasushi Inoue * 1907
Erich Fried * 1921
Franz Mon * 1926
Geburtstag

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Ludwig Börne

Humor ist keine Gabe des Geistes, er ist eine Gabe des Herzens.

Es gibt Leute, die geizen mit ihrem Verstand wie andere mit ihrem Geld.
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12

Nils Wülker: „Up“
Warner CD € 19,99
2 LPs € 22,99

Einmal alle Kumpels abklappern und nebenbei eine neue CD aufnehmen. Hört sich nicht schlecht. War aber doch ein wenig komplizierter, wie der Trompeter Nils Wülker in einem Interview sagte. Er fragte bei den großen Namen in den USA nach und klopfte auch nicht gleich an die Türe. Aber er bekam wohl keine Absagen und befand sich plötzlich in einem kleinen Studio in Los Angeles mit Blick über die Stadt und klimperte , sich dank seines Jetlag in die Morgensonne. Nils Wülkers 8.CD geht noch etwas weg vom geradlinigen Jazz und ist nicht so krachend laut, wie die vergangene CD. So grooved er sich im ersten Stück („Dawn“) in die Nacht und singt und spielt mit Max Mutzke auf („Season“). Er lässt Streicher erklingen auf „Confluence“, spielt mit einer schönen E-Gitarre ein Duett, liest Kafka am Strand („Reading Kafka on the Shore“) und lässt die Finger zu „Bridges“ schnippen und setzt einem damit beim 2.Mal hören einen Wurm ins Ohr. Wülker ließ den Dingen ihren Lauf, vertraute auf seinen Produzenten und Mitspieler und herausgekommen ist eine lockere CD, nicht nur für Sommeruntergänge, auf der sich der Trompeter als Songwriter hervortut. Da bin ich mal gespannt auf die 9.Scheibe. Aber zuerst höre ich diese hoch und runter („Up“) und genieße diesen angenehmen Mix, in dem sich der Jazz nie versteckt, oder an den Pop anbiedert.

„Sorgfältig und geschmackvoll produziert, ist ›UP‹ ein unaufgeregt poppiges Album. Jazz light.“
Stereo, 3/2015

„Sein Instrument klingt fabelhaft, er schreibt wunderschöne Stücke“
Spiegel Online 03/2015

Und noch ne ältere Aufnahme. Weil’s so schön ist.

Dienstag

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Heute haben
Henryk Sienkiewicz * 1846
Leo Lionni * 1910
Morthon Rhue * 1950
Nicolas Vanier * 1962
Geburtstag

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Davide Longo: „Der Fall Bramard“
Aus dem Italienischen von Barbara Kleiner
Rowohlt Verlag € 19,95
eBook € 16,99
„Il Caso Bramard“ € 32,00

Es gibt Bücher, die einen innerhalb ein, zwei Seiten nicht mehr loslassen und die wir am Schluß gleich nochmals lesen wollen oder müssen, weil wir den Roman zu schnell gelesen und wohl einiges überlesen haben.
In Davide Longos neuem Buch, seinem dritten Roman, ist es mir so gegangen.
Wir kennen den italienischen Autoren von seinem phänomenales Erstlingswerk „Der Steingänger“. Ein Buch, das durch seine karge Sprache, knarzigen Typen und steinigen Landschaft faszinierte. Nach seinem zweiten Buch „Der aufrechte Mann“, einem gross angelegten Italienepos, kehrt Longo wieder zurück in die Bergwelt des Piemont. Und wieder sind wir zu Beginn dort, wo die Steingänger sich bewegen. In den Bergen, ohne Menschen, ohne Tiere. Nur das Gestein, das Wetter und Corso Bramard, der mal wieder auf einer einsamen Tour unterwegs ist. Sein Dorf liegt am GTA, dort wo immer mehr Touristen durchwandern, aber doch so abgelegen, dass sie im Roman keine Rolle spielen und die Dorfbewohner sich und ihre Geschichte(n) haben.
Corso Bramard, ein mitfünfzigjähriger Einzelgänger, war der jüngste und beste Polizist in der Region und hatte eine große Karriere vor sich. Als er einem Frauenmörder auf der Spur war, ganz nah dran, den Fall zu lösen, wird seine Frau getötet und seine kleine Tochter verschwindet. Diese Ritualmorde wurden nie aufgeklärt, da sie in kein Tätermotiv passten. Seitdem ist er nicht mehr der, der er war. Er hat seinen Dienst quittiert, hat das Trinken angefangen und wieder aufgehört und arbeitet seit Jahren wenige Stunden in der Woche als Lehrer. Zurückgezogen, fast ohne Freunde und fest verwurzelt mit seinen Bergen, versucht er über das, was vor 20 Jahren passiert ist, hinwegzukommen. Aber so einfach ist das nicht, denn er bekommt jährlich einen Brief des Mörders, der ihn beobachtet und ihn nicht zur Ruhe kommen lassen will. Als in diesem Jahr noch ein Haar im Brief mit dazugepackt ist, ein Haar, das von einer der getöteten Personen sein kann, wendet sich Corso an seinen alten Partner, der immer noch bei der Polizei ist und überzeugt ihn, den Fall nochmals aufzurollen, dem Wenigen nachzugehen, was in den Akten zu finden ist. Ihm wird eine punkige junge Polizisten zur Seite gestellt, die zwar rotzfrech ist, aber unorthodox und schnell das liefert, was Longo von ihr fordert.
Ein perfektes Trio für einen Krimi. Aber Davide Longo bricht mit diesem Genre immer wieder, führt uns auf falsche Spuren, lenkt ab, zitiert Bücher und Lieder, taucht mit uns in die gewaltige und brutale Natur ein, um plötzlich den Faden wieder aufzunehmen. Das Ganze ist so packend in kurzen Kapiteln geschrieben, in denen Corso Bramard und ein älterer feiner Herr, der einiges abzuhaken hat, abwechselnd erzählen und uns Seite um Seite auf die Folter spannen.
Wenn Sie einen Krimi lesen wollen, der vielleicht gar keiner ist. Wenn Sie am Ende des Romanes plötzlich merken, dass sie wohl dies oder jenes überlesen haben und schnell noch mal zurückblättern, dann sind Sie hier bestens aufgehoben.
Für mich das spannendste Buch des Frühjahrs, das ich furchtbar gerne aus der Krimiecke herausholen möchte.

Leseprobe

Ein Lied zieht sich durch das ganze Buch und Longo zitiert immer wieder Textzeilen daraus. Hier die erste Strophe von Leonard Cohens „Story of Isaac“ und ein Livemitschnitt aus dem Jahre 1985.

Leonard Cohen
Story Of Isaac Lyrics

The door it opened slowly,
My father he came in,
I was nine years old.
And he stood so tall above me,
His blue eyes they were shining
And his voice was very cold.
He said, „I’ve had a vision
And you know I’m strong and holy,
I must do what I’ve been told.“
So he started up the mountain,
I was running, he was walking,
And his axe was made of gold.

Nachtrag:
Eines der Bücher, die Corso liest, ist ein alter Roman von Yasunari Kawabata.
Nachdem ich die Lektüre von Davide Longo beendet hatte, griff ich zu Alejandro Zambras: „Bonsai“. Der beginnt mit folgendem Zitat:

„Die Jahre vergingen, und die Einzige,
die sich nicht veränderte,
war das Mädchen seines Romans.“
Yasunari Kawabata
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Heute abend ab 19 Uhr.
„Die erste Seite“
Clemens liest aus folgenden vier neuen Büchern:

Russell Banks: Verstoßen
Barbara Honigmann: Chronik meiner Straße
Sifiso Mzobe: Young Blood
Matthew Thomas: Wir sind nicht wir