Mittwoch

Heute haben
Kerstin Ekman * 1933
und
Undine Gruenter * 1952
Geburtstag
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Mein PC macht Zicken und ich hoffe, ich komme auf diesem Wege gut über die Runden.

nan

Stewart O’Nan: „Letzte Nacht“
Rowohlt Taschenbuch € 8,99

Es ist sicherlich die falsche Zeit für diese Besprechung. Zum einen ist es ein älteres Taschenbuch und keine literarische Neuheit, von der überall gesprochen wird. Zum andern spielt der Roman an einem Tag kurz Weihnachten im tiefsten Winter. Ich bin auf das Buch aufmerksam geworden, weil ein Kunde es bestellt hat und ich gerade den aktuellen Roman von O’Nan: „Die Chance“ gelesen und hier vorgestellt habe. Als ich kurz auf den Inhalt schaute, habe ich mir das Buch noch als gebundene Variante aus dem mare Verlag aus der Stadtbibliothek ausgeliehen.

Geschäftszeiten

Ein grauer Wintertag, der verkehr am Einkaufszentrum ist zum Erliegen gekommen. Später Vormittag, aber die schwach leuchtenden Straßenlaternen brennen noch. Vereinzelte Schneeflocken schweben herab wie Asche, doch die Straßen sind im Moment größtenteils trocken. die Feiertage stehen bevor – am Kühlergrill eines Müllautos, das an de Ampel hält, ist mit Draht ein großer Kranz befestigt, rote Samtschleife inklusive.

Manny ist der Geschäftsführer eines Lobster Restaurants und es sein letzter Tag. Besser gesagt, der letzte Tag für alle, da die Besitzer es schließen werden. Manny hat seinen Leuten schon Bescheid gesagt. einige werden mit ihm in ein anderes Restaurant mitgehen, anderen musste er einfach kündigen. Manny nimmt die Situation so, wie sie ist, er hadert nicht groß mit seinem Schicksal, da er eh nichts daran etwas ändern kann. Er erinnert mich sehr an den Menschen, den Robert Seethaler in seinem neuen Roman : „Ein ganzes Leben“ beschrieben hat. Er geht mit seiner Checkliste durch den Laden, schaut, dass alles sauber ist, dass genügend Vorräte für den letzten Tag vorhanden sind. Dass die Gäste aus der kompletten Speisekarte wählen können. Er schaut Punkt für Punkt alles durch und schaut, dass auch heute nicht geschlampert wird. Die Bestecke müssen sauber sein, das Aquarium geputzt, die Tische aufgedeckt und die Toiletten in Ordnung.
Seine Angestellten trudeln so langsam ein, binden sich die Schürzen um und wissen auch nicht so recht, was auf sie zukommt. Ein paar tauchen schon gar nicht auf, obwohl sie eingeteilt und dringend in der Küche gebraucht werden. Manny bemüht sich in allen Richtungen, verteilt um, organisiert, improvisiert und versucht am Telefon noch jemanden zu erreichen. Gleichzeitig wartet zuhause noch jemand auf ihn und seine Ex-Freundin ist mit als Angestellte im Betrieb. Irgendwie steht er zwar dauernd unter Strom, er strahlt jedoch eine große Gelassenheit und Ruhe aus, obwohl er manchmal nicht mehr weiter weiß.
Das Wetter ändert sich. Der Schnee fällt in Säcken vom Himmel, der Verkehr kommt zum Erliegen, sie wissen nicht, ob überhaupt noch Kunden kommen. Und als dann doch die ersten Stammkunden auftauchen, geht der Betrieb seinen Gang. In der Küche brummt es, Manny hilft aus, wo er nur kann und in den kleinen Pausen geht er raus, um Schnee zu schippen. Sehr interessant ist es, hinter die Kulissen eines us-amerikanischen Restaurant zu schauen, das doch in einigen Dingen starkt von unseren abweicht. Gerade im Umgang mit den Gästen. Die zeigen sich heute nicht von ihr besten Seite und fordern von Manny und seinen Leute die letzten Nerven. Da wird genörgelt, umbestellt, Kinder wollen nicht so, wie ihre Mütter und kotzen dann auch noch den Boden voll. Nicht, dass die Mutter sich entschuldigen würde, während Manny ihr die Schuhe mit dem Erbrochenen ihres Kindes putzt – nein, sie will den Geschäftsführer sprechen, da einer der Angestellten wohl gelacht habe. Und so weiter. Ich weiss nicht, wie ich mit diesen Situationen umgehen würde. Es ist nur ein Arbeitstag und es passiert nicht viel und doch könnte ich nicht einige andere Situationen aufzählen. Wie z.B. ein Bus mit Polizeibegleitung auf den Hof fährt und Manny fragt, ob die Mitreisenden die Toiletten benützen dürften? Sie hätten alle eine Lebensmittelvergiftung. Und ob sie auch noch Wasser bekommen könnten? Oder als ein verärgerter Mitarbeiter die Windschutzscheibe seines alten Autos demoliert. Oder das alte Ehepaar, das Probleme mit dem Bezahlen haben und wie dann alles auf’s Haus geht. In diesem ganzen Trubel möchte Manny sein Privatleben noch organisieren und es einfach allen rechtmachen.
Vielleicht ist es doch eine Weihnachtsgeschichte, vielleicht beschreibt uns O’Nan einen einfachen Mann, der nie aufgibt und immer Licht am Horizont sieht.

„Wenn jemals ein Buch über das Gute im Menschen geschrieben wurde, dann ist es dieses.“
Stephen King

„Stewart O’Nans: „Letzte Nacht“ ist ein Meisterstück.“
Hubert Winkels, Deutschlandfunk

Dem möchte ich mich anschließen, obwohl in dem schmalen Roman nichts besonderes passiert, sondern viele Alltäglichkeiten beschreiben werden. So erinnert mich Manny natürlich an Auggie Wreng, den Zigarrenhändler aus Brooklyn, den wir aus Paul Austers: „Smoke“ kennen und vom es es auch ein sehr schöne Weihnachtsgeschichte gibt.

Abrechung

Alles wird weggeworfen. Die Spieße, die Fritten, der Reis – alles, was sie vorbereitet haben. De Krautsalat geht weg, die Ofenkartoffeln, der ganze Blumenkohl, tablettweise Brötchen. Normalerweise würden sie die Fisch- und die Gumbosupper aufheben. … Was für eine Verschwendung denkt Manny, und stellt sich vor, wie viele Menschen eine Suppenküche in der Innenstadt damit verköstigen könnte.