Montag

Am Sonntag hatten
Dylan Thomas * 1914
Sylvia Plath * 1932
Geburtstag
und heute
Evelyn Waugh * 1903
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Dylan Thomas
I Fellowed Sleep

I fellowed sleep who kissed me in the brain,
Let fall the tear of time; the sleeper’s eye,
Shifting to light, turned on me like a moon.
So, planning-heeled, I flew along my man
And dropped on dreaming and the upward sky.

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Maron

Monika Maron: „Zwischenspiel
S.Fischer Verlag € 18,99

Romane von Monika Maron sind immer für eine Überraschung gut oder sorgen für viel Gesprächsstoff. So auch hier in ihrem neuen Roman, der mit 180 Seiten und Grossdruck schnell gelesen ist. „Zwischenspiel“ nennt die 1941 geborene Autorin ihr Werk und in mehrfachem Sinne ist es auch ein solches. Ein Episode aus dem Leben der Ich-Erzählerin Ruth, die so richtig zwischen allen Stühlen spielt.
Diese Ich-Erzählerin sitzt im Auto und fährt nach Berlin Pankow zur Beerdigung ihrer Ex-Schwiegermutter Olga, die sich zu einer sehr engen Freundin entwickelt hatte. Innerlich wehrt sie sich gegen die Fahrt dorthin, weil sie am Grab sicherlich ihren Ex-Mann treffen wird. Allein die Erinnerung an ihn, läst sie schwer an ihrer Entscheidung zweifeln. Auch das Treffen mit ihrer Tochter, die sich dem Vater wieder angenähert hat, wird sich nicht einfach gestalten. Ihr Navigationsgerät hat sie von der weiblichen Stimme auf Stefan umgeschaltet, da er ihr seriöser vorkommt. Aber irgendetwas scheint mit ihm nicht zu stimmen. Sie verfährt sich, landet in einem Park und aus dem Radio hört sie die Stimme ihrer toten Freundin, die eigentlich demnächst beerdigt werden soll. Dazu kommen noch Sehstörungen und eine rückwärts ziehende Wolke. Irgendetwas ist bei ihr durcheinandergeraten und die sonst hartgesottene Ruth, die nicht an Gott und Globuli glaubt, kommt ins Grübeln. Während sie sich den zuerst menschenleeren Park anschaut, tauchen immer mehr Personen auf, die in ihrem Leben prägende Rollen gespielt haben. Bruno, der schwer an der Bierflasche hängt, sitzt neben ihr auf einer Bank. Ruth hätte schwören können, dass er seit Jahren tot ist. Aber hier scheint er sehr lebendig zu sein und erzählt viel über sich, seine Beziehung zu ihrem zweiten Mann. Für den war er nämlich eine wahre Inspirationsquelle. Durch ihn erreichten seine Bücher hohe Auflagen. Nach Brunos Tod versiegt diese Quelle und Hendriks Erfolg nimmt rapide ab. Über Bruno kommen wir auch auf die Beziehung zwischen Ruth und ihrem ersten Mann Bernhard zu sprechen. Ihre Ablehnung ihm gegenüber beruht darauf, dass er sie über ihre gemeinsame Tochter Fanny anspioniert und Berichte für die Stasi geschrieben hat. Das Thema Schuld wird immer mächtiger in diesen Zeilen. Wer hat sich schuldig gemacht und wie können wir das überhaupt festmachen.
Aber Achtung: Monika Maron schreibt diesen schmalen Roman mit viel Witz und Selbstironie und rüttelt an manchen Grundfesten. Da wundert es überhaupt gar nicht, dass Margot und Erich Honecker auftauchen. Ruth lehnt aber eine Zusammenarbeit mit den beiden Alten ab. Und Erichs Lob auf den Sozialismus hört sich an wie „Solismus“, da er doch aus dem Saarland kommt. Ihre Mutter und einer ihrer Männer tauchen auf, ihr verstorbener Hund Nicki bleibt treu an ihrer Seite. Durch all diese Treffen und Gespräche lösen sich viele Knoten und Ruth kann (hoffentlich) beruhigter in die Zukunft schauen.
Monika Maron sagt in dem unten verlinkten Interview, dass sie sieben bis acht Jahre an den Vorwürfen, sie hätte zwei Berichte für die Stasi geschreiben, schwer zu leiden hatte. Zwei Backenzähne und Unmengen von Nerven hat sie das gekostet. Mit diesem Buch, in dieser ironischen, frechen Schreibweise, hat sie es geschafft, sich von diesen Vorwürfen freizuschreiben und auch dem letzten Mitläufer den Wind aus den Segeln zu nehmen.
Aber auch das Älterwerden, ohne all diesen ganzen politischen Hintergrund, bestimmt das Büchlein. „Das Problem ist, dass man nicht als der Mensch die Welt verlässt, als der man auf die Welt gekommen ist.“ Ein gelungener Rückblick auf ein bewegtes Leben ist ihr hier gelungen. Ein Blick zurück ohne Zorn und ein Blick in eine ungewisse Zukunft, der Ruth aber gelassen gegenübertritt.

Denis Scheck interviewt Monika Maron:
http://www.ardmediathek.de/das-erste/druckfrisch/monika-maron-zwischenspiel?documentId=16869024

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