Dienstag

Heute hat Iwan Bunin Geburtstag (* 1870).
Sein Gesamtwerk erhalten Sie im Dörlemann Verlag und natürlich bei uns.
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Uni

Karl Foos: „Universität Ulm
Die bauliche Entwicklung
Verlag Klemm & Oelschläger € 26,80

Thema des Bildbandes ist die bauliche Entwicklung der Universität Ulm. An den Gebäuden lässt sich das Wachsen der Universität, die Gestaltfindung für den jeweiligen Inhalt und die sich entwickelnden Vorstellungen von der Universität als Gesellschaftsfaktor ablesen. Von den Anfängen der Neugründung mit der Idee einer Reform- und Forschungsuniversität, „der Universität unter einem Dach“, über die Universitätsentwicklung in der Zeit des Hochschulgesamtplanes und der Wachstumsgrenzen bis zu einem neuen Aufbruch durch die Perspektive der „Wissenschaftsstadt Ulm“ wird in sechs Zeitabschnitten das Entstehen der Universitätsbauten beschrieben. Die Planungen und Bauten werden chronologisch geordnet und in die jeweiligen gesellschafts- und bildungspolitischen sowie architektonischen Rahmenbedingungen eingebunden. Renommierte Architekturkritiker und ehemalige Amtsleiter kommentieren und ergänzen den Entwicklungsprozess.

Gestern abend war die Buchpräsentation im Gebäude der ehemaligen hfg Ulm.

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(von links nach rechts: Baubürgermeister Wetzig, Verleger Klemm und Autor Foos)

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Fotos aus den hfg Räumlichkeiten finden Sie auf unserem Fotoblog.
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Da das Jahr in der letzten Kurve ist und die Zielgerade bald zu sehen ist, stelle ich Ihnen immer wieder Jahresendzeitprodukte vor. Heute eine kleines Büchlein aus dem Diogenes Verlag, das dieser als Weihnachtsgeschenk gedacht hat.

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Nächstes Jahr bleibt alles anders
Vorsätzliche Ermutigungen für das neue Jahr
Mit Zeichnungen von Nikolaus Heidelbach
Zusammengestellt von Daniel Kampa
Diogenes Verlag im Miniformat € 5,00

In dieser großen Anthologie im kleinen Format finden Sie einen prima zusammengestellten Querschnitt durch die Welt der Literatur und Philosophie und den vielen guten Vorsätzen. Aber wir wissen, dass ja Vorsätze Vorsätze sind und dass dann doch alles wieder anders bleibt.
Sibylle Berg, Wilhelm Busch, Hans Fallada und Nietzsche, Morgenstern und Kästner, Seneca und Pacal, (natürlich) Goethe, Friedell und (auch natürlich) Tolstoi und Wilde, Waugh und Widmer gehören u.a. mit in den illustren Reigen, den Daniel Kampa zusammengesucht hat. Ein schöner Spaß, der durch die farbigen Bilder von Nikolas Heidelbach noch größer wird.

Goethe
Gut ist der Vorsatz, aber die Erfüllung schwer

Fontane
Die Natur ist stärker als die Vorsätze

Grillparzer
Gescheit gedacht und dumm gehandelt, so bin ich meine Tage durchs Leben gewandelt

Känguru
Lieber dreimal nachgefragt als einmal nachgedacht

Nestroy
Gute Vorsätze sind grüne Früchte, die abfallen, ehe sie reif sind.

Dies sind ein paar wenige Zitate (eines finden Sie allerdings nicht in dem Büchlein) zwischen all den vielen lustigen Geschichten, die sich in diesem Bändchen versammelt haben. Eine wahre Freude.
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Eine wahre Freude ist auch die Idee von Jaz Parkinson, der Dank seines Computers Erwähnungen von Farben in Romanen in Bilder umgesetzt hat. Da sollten Sie einen kleinen Blick darauf werfen. Sehr gut.
Jaz Parkinson.

Montag

Montag 5:45. Emma, die Katze, schreibt die Buchbesprechung.

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Heute hat
Samuel Taylor Coleridge * 1772
Geburtstag und hier kommt ein kleines Gedicht von ihm:

Answer To A Child’s Question

Do you ask what the birds say? The sparrow, the dove,
The linnet, and thrush say, ‚I love and I love!‘
In the winter they’re silent, the wind is so strong;
What it says I don’t know, but it sings a loud song.
But green leaves and blossoms, and sunny warm weather,
And singing, and loving, all come back together.
Then the lark is so brimful of gladness and love,
The green fields below him, the blue sky above,
That he sings, and he sings, and forever sings he–
‚I love my Love, and my Love loves me!‘
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Unser Buchtipp für den Wochenanfang:

Hackl

Erich Hackl: „Dieses Buch gehört meiner Mutter
Diogenes Verlag € 17,90

Brandneu. Der Diogenes Verlag meldet auf seiner website, dass das Buch am 23.10.2013 erscheint. Also wir haben es schon im Laden. Der erste Eindruck ist verwirrend. Ein Gedicht, eine Ballade, ein Roman?
Das Schriftbild lässt nicht auf normale Prosa schließen.

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„So weit ich zurückdenken kann, hat meine Mutter von der Welt ihrer Kindheit und Jugend erzählt. Ich bin nun, nach ihrem Tod, darangegangen, mich dieser Welt zu versichern, sie mit ihrem Blick und in ihren Worten wahrzunehmen, und deshalb gehört dieses Buch meiner Mutter.“

Eigentlich war der Vater der bessere Geschichtenerzähler. Er konnte weglassen, pointieren und einen Knoten an seine Geschichten machen. Seine Mutter hingegen hat erzählt, wie sie es noch in Erinnerung hatte und lässt Geschichten auch mal offen enden. So schreibt Erich Hackl dies auch auf und damit macht auch der Satzspiegel Sinn. Einzelne Erzählteile bilden Mosaiksteine für ein großes Ganzes. Wobei hier nicht das Große zählt, sondern die kleinen Steinchen, die ein großes Gemälde bilden. Nicht nur über seine Mutter, seine Familie, sondern über einen ganzen Landstrich in Österreich, an der Donau, nahe der tschechischen Grenze. Ein besonderes Buch, das wir mit immer größeren Ruhe lesen, obwohl es nicht gerade zimperlich in den Erzählungen seiner Mutter zugeht. Menschliche Schicksale, Tod und Kriege ziehen sich durch das Buch. Die Mutter zählt die fünf schlimmsten Dinge auf, die einer Frau passieren können. Und auf Platz eins landet: Ein uneheliches Kind zu bekommen. Gerade die Position der Frauen spielt eine zentrale Rolle in den Erinnerungen. Was machte ein Bauer mit Töchter? Für was waren sie zu gebrauchen? Es gab oft die Jüngste, die den besten Draht zum Vater, zum Bauern hatte, die ihn als Einzigste aus den Beizen holen konnte. Aber sonst?
Erich Hackl wird mit diesem Buch nicht auf den Bestsellerlisten landen. Wir als LeserInnen genießen aber jede Seite und tauchen immer mehr in diese verschwundene Welt ein. Eine Welt, in der es noch bunt und laut war, trotz all der grausamen Dinge, die damals geschahen. Heute ist alles ein grauer Einheitsbrei, oder so ähnlich schreibt Hackl im Nachwort.

„Als ich getauft werden sollte,
„schnell schnell, eh sie uns stirbt“,
lag meine Mutter im Wochenbett,
das sie sich in die Stube hatte stellen lassen,
des besseren Überblicks wegen.

„Sie soll Henriette heißen, merk dir das“.
sagte sie zum meinem Vater. Er nickte zerstreut,

In der Kirche fällt dem Vater vor lauter Schnaps und Durcheinander nicht mehr der aufgetragene Namen ein.

Da begann ich zu schreien, was meinen Vater belebte.
Sei Blick irrte durchs Kirchenschiff,
wanderte über die Säulen, die Bänke, den Opferstock,
streifte den Seitenaltarm blieb endlich haften
an der Muttergottes mit Kind. Seine Miene hellte sich auf.
„Maria“, sagte er mit rauher Stimme,
fragend zuerst, dann bestimmt. „Maria!“

Erich Hackl erhält am 15.11.2013 Adalbert-Stifter-Preis

„Erich Hackl spricht nicht über seine Mutter, sondern in ihrer Sprache, ihrem Bewusstsein, in der Ich-Form. Er schildert das Leben der kleinen Leute, spricht politische Fragen aus der Vergangenheit an. Und dies in einer sehr durchdachten Sprache, optisch in Strophenform gegliedert, in freien Versen, ein zugleich erzählerischer und poetischer Text.“ schreibt der Verlag
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