Samstag

Heute haben
Choderlos de Laclos * 1741
Hilde Spiel * 1911
Geburtstag
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Unser Buchtipp fürs Wochenende:

Bonné

Mirko Bonné: „Nie mehr Nacht
Schöffling Verlag € 19,95
als eBook € 15,99

Mirko Bonné wurde 1965 in Bayern geboren, lebt in Hamburg und hat sich als Autor, Lyriker und Übersetzer einen Namen gemacht. Sherwood Anderson, E. E. Cummings, Emily Dickinson, John Keats und William Butler Yeats sind Autoren, deren Texte wir auf Deutsch von ihm lesen können. Seine Bücher im Schöffling Verlag tragen Titel, die alle nicht so lustig klingen: „Der eiskalte Himmel“, „Wie wir verschwinden“, oder auch „Der kalte Sturz“. Dagegen klingt der neue Titel „Nie mehr Nacht“ ja richtig fröhlich dagegen. Nie mehr Nacht, so hätte es gerne Markus Lee, dessen geliebte Schwester sich vor ein paar Monaten das Leben genommen hat. Die Trauer darum lässt ihn nicht los. Mehr als alle anderen, auch die Eltern, schafft er es nicht, sich von ihr zu lösen. Mit Jesse, dem 15jährigen Sohn seiner Schwester macht er sich in den Ferien auf, Richtung Normandie. Dort bewohnt eine befreundete Familie von Jesse ein leeres Hotel am Strand und Markus hat den Auftrag eines Kunstmagazins Brücken zu zeichnen, die während der Invasion wichtig waren. Die Fahrt im geliebten alten Mercedes fühlt sich an, wie ein gutes Roadmovie. Es wird nicht viel gesprochen. Jesse hat andere Sachen im Kopf und Stöpsel im Ohr. „Smells Like Teen Spirit“ von Nirvana, wird zum Auslöser eines heftigen Kraches, der auch erlösend wirkt. Beide sind mit dem Tod der Schwester und Mutter beschäftigt, thematisieren das aber erst kurz vor dem Ankommen am Meer. Die geplante Woche am Meer, eine Mischung aus Urlaub und Arbeit für Marko wird zu einem monatelangen Erkundung des Inneren und Äußeren. Wir merken so langsam, wie der Tod der Schwester sich durch viele Bereiche des Buches durchzieht. Das verfallene Hotel, die leeren Zimmer mit verbrauchten Biografien, die Strände an der die Invasion stattgefunden hat und wo tausende Männer (junge und alte) ihr Leben gelassen haben, der viele Metallschrott, der dort am Strand vergraben war, das Wetter, um nur ein paar Dinge zu nennen. Die Familie und Jesse fahren ab, Marko bleibt zurück und versucht Boden unter die Füsse zu bekommen. Er geht jedoch erst in die andere Richtung und er lässt los. In dem Sinne, dass er alles verkauft, auch den geliebten Mercedes. Nur mit dem Notwendigsten versucht er im Hotel zu leben. Nachdem der in einem Supermarkt ein Foto mit zwei Frauen sieht, von der eine genauso aussieht, wie seine Schwester, nimmt der Roman eine andere Wendung.
„Nie mehr Nacht“ ist kein düsterer Roman über Tod und Sterben, sondern von Mirko Bonné in einer großen Leichtigkeit geschrieben, die uns durch die Seiten treiben lässt. Hier kommt wohl der Lyriker zum Vorschein. Bonné versteht es Realität mit Tagträumen zu vermischen und uns mit auf die Reise in Markus Lees Gedanken zu nehmen.
Mirko Bonné Romans landete auf der sogenannten Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2013, also unter den letzten sechs Büchern, was meiner Meinung nach mehr als berechtigt ist in den Bergen all der hektischen, lauten Büchern, die wir auf den Bestsellerlisten finden.

Leseprobe

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