Mittwoch

Heute haben
Ivo Andric * 1892
Mercè Rodoreda * 1909
Claude Simon * 1913
Harold Pinter * 1930
John Lennon * 1940
Geburtstag

Wow! Drei Literaturnobelpreisträger haben heute Geburtstag. Gratuliere. Und morgen wird der diesjährige Namen bekannt gegeben.
Die Buchmacher von Ladbrokes führten gestern Abend diese Favoriten für den Literatur-Nobelpreis auf:

1. Haruki Murakami
2. Alice Munro
3. Svetlana Aleksijevitj
4. Joyce Carol Oates
5. Peter Nadas
6. Jon Fosse
7. Ko Un
8. Thomas Pynchon
9. Assia Djebar
10. Adonis

Schaumermal
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Und hier ein kleines Dankeschön an John Lennon und seine vielen guten Lieder


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In der Wochenendbeilage der Süddeutschen Zeitung schreibt Christopher Schmidt, dass in Deutschland täglich durchschnittlich drei Buchpreise vergeben werden. Jährlich sind es weitmehr als tausend. „Und wer einmal das Preiskarussell erklommen hat, fliegt so schnell nicht mehr herunter. Kontuinuierlich durchgefördert, lassen sich dort viele Runden drehen, ohne eine nennenswerte Publikation vorzuweisen. Der Grund: Die meisten Buchpreise, die hierzulande ausgelobt werden, sind Förderpreise, und auch die, die es laut ihrer Statuten nicht sind, werden von den Juroren faktisch in solche umgewidmet.“ Er meint, dass Bücher, die einen Verdrängungscharakter haben, Bücher, die automatisch ganz oben mit ihren Verkaufszahlen landen, in den Vorrunden ausscheiden und das beste aus der zweiten Reihe nominiert wird. „So wird eine Elite des Mittelmaßes herangezüchtet, und Mittelmaß ist eben Konsens in der Blase des deutschen Literaturbetriebs.“ Er schreibt noch, dass es kaum noch Verrisse in den Zeitungen gibt, da sich kein Journalist zu weit aus dem Fenster lehnen will und somit angreifbar wird. Es kommt als darauf an, möglichst viele „likes“ zu verteilen. Alles andere stört die „Generation Facebook“.
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Seele

Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus
Hundert deutsche Gedichte
Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Richard Wagner
Aufbau Verlag € 12,99

Das Lebensgefühl der Deutschen in 100 Gedichten.

Schon wieder eine Anthologie werden Sie vielleicht denken. Na und! Davon kann es nicht genug geben. Und schon gar nicht in dieser schönen, leinengebundenen Reihe aus dem Aufbau Verlag. Diesmal geht es um deutsche Gedichte, um Gedicht in deutsch, in deutscher Sprache. Gedichte, die das deutsche Gefühl weitertragen. Richard Wagner ist dafür wohl der richtige Mann, der sich sowohl in der Lyrik auskennt, als auch als Rumäniendeutscher einen besonderen Blick auf die deutsche Sprache hat. Schon die motivischen Kapitel dieser Sammlung schüren die Leselust: Trost, Eisenbahn, Italien, Automobil, Goethe und Heine. Doch nicht nur die Licht-, sondern auch die Schattenseiten dessen, was die deutsche Lyrik in sechs Jahrhunderten anspricht, kommen zur Geltung. So findet sich die Celan’sche „Todesfuge“ ebenso in der Anthologie wie das berühmte Gryphius-Poem „Thränen des Vaterlandes / Anno 1636“. Glaube, Krieg, Heimat, Stadt, Land, Laster – alles, was die deutschsprachigen Lyriker seit dem Barock über die Romantik zum Expressionismus bis in die Gegenwart beschäftigt hat, wird vorgeführt. Und so zeigt Wagners Gedichtsammlung alles, was deutsch ist, ein Lebensgefühl zwischen Vanitas und Vogelsang.
Mit Gedichten von Ingeborg Bachmann, Gottfried Benn, Johannes Bobrowski, Bertolt Brecht, Rolf Dieter Brinkmann, Wilhelm Busch, Matthias Claudius, Joseph von Eichendorff, Durs Grünbein, Georg Heym, Peter Huchel, Ernst Jandl, Marie Luise Kaschnitz, Erich Kästner, Sarah Kirsch, Ursula Krechel, Conrad Ferdinand Meyer, Helga M. Novak, Thomas Rosenlöcher, Peter Rühmkorf u.v.a.

Die Sammlung beginnt mit alten Texten und diesem Rätsel:

Flog ein Vogel federlos,
Auf einen Baum ganz blattlos,
Kam die Jungfer mundlos,
Frass den Vogel federlos,
fing ihn handlos,
briet ihn feuerlos,
fraß ihn mundlos.


Anonym

Es ist ein Schnee gefallen
Und es ist noch nit Zeit
Man wirft mich mit den Ballen
Der Weg ist mir verschneit.

Mein Haus hat keinen Giebel
Es ist mir worden alt
Zerbrochen sind die Riegel
Mein Stüblein ist mir kalt.

Ach Lieb, laß dich’s erbarmen
Daß ich so elend bin
Und schleuß mich in dein Arme!
So fährt der Winter hin.

„Was wäre die Lyrik ohne die Lyrik-Anthologie oder, wie sie früher einmal genannt wurde, Blütenlese“, so beginnt das Nachwort von Richard Wagner und er fragt sich: „Was aber ist letzten Endes ein deutsches Gedicht? Ist es nichts weiter als ein Gedicht in deutscher Sprache? Er stellt uns Walther von der Vogelweide vor, den er als ersten Dichter sieht, der die Macht des Wortes (im politischen Leben) erkannte. Er schreibt, dass dessen Lyrik Nachwirkungen bis heute hat und nennt dabei Namen wie Degenhardt, Biermann, bis Falco und Rühmkorf. Wagner meint, dass das Gedicht die konzentrierteste, die sozusagen dichteste Formel ist, die in einer Sprache Geltung hat. Er endet sein Nachwort so: „Das Gedicht spricht aus, was seine Sprache ihm erlaubt. Es ist die Sprache, wie wir sie sprechen. Das Deutsch, das wir verstehen und mit dem wir auszukommen haben. Wenn dieses Deutsch schön ist, so ist es nicht zuletzt dem Gedicht zuzuschreiben.“
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Auf unserem Fotoblog gibt es wieder neue Bilder zum Thema: „Lesen“.

3 Kommentare zu „Mittwoch

    1. Im Nachhinein dachte ich, dass sich das so anhören mag, als ob ich Frau Mora den deutschen Buchpreis nicht gönnen würde. NEIN!! Ich finde das toll. Harter Stoff, aber kein Mainstream.

      1. Habe ich jetzt nicht so empfunden. Man mag ja über das Buch geteilter Meinung sein – das ist tatsächlich nicht so „leicht“ – aber die Autorin ist beeindruckend und sicher eine würdige Preisträgerin. Und: Tatsächlich kein Mainstream, da gab es auch schon andere Entscheidungen, die man mehr hätte hinterfragen können.

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