Mittwoch

Heute haben
Mahatma Ghandi * 1869
Alain-Fournier * 1886
Carl von Ossietzky * 1889
Sergej Jessenin * 1895
Louis Aragon * 1897
Thomas Wolfe * 1900
Geburtstag
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Die Lesung von Jagoda Marinic in der Ulmer Südwestpresse.
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Rausch

Schöner Rausch
Herausgegeben von Hiltrud Herbst und Doris Mendlewitsch
Reclam Verlag € 10,00

Das hat uns gerade noch gefehlt: Eine poetische Kneipentour durch viele Zeiten und Länder, von der nächsten Ecke bis in den fernen Osten.
Rausch-Poesie, Kater-Poesie, Alkohol-Lyrik, Genuss-Lyrik, Lyrik-Genuss.
Für € 10,00 bekommen Sie über 100 solcher Gedichte für alle Gemütszustände. Und eines kann ich Ihnen verraten: das Reclam-Buch ist besser eingeschenkt, als ne Wiesn-Maß und kostet fast gleich viel.

Christian Morgenstern, Friedrich Schiller, Klabund, Dschalaluddin Rumi, Helmut Krausser, Ernst Moritz Arndt, Heinz Erhardt, Robert Gernhardt beginnen im ersten Kapitel: „Heute will ich ins Freie und mich berauschen“. Das nächste Kapitel: „Weißt du, warum ich trinke?“ eröffnet Paul Scheerbaart und beendet Flann O’Brien. Es geht um gesund leben und um lieben. Um Champagner und Gelage, und um den Rausch im Allgemeinen und Speziellen. Und es endet mit einer Warnung (in Reimform):

Eduard Mörike
Zur Warnung

Einmal nach einer lustigen Nacht
War ich am Morgen seltsam aufgewacht:
Durst, Wasserscheu, ungleich Gebluet;
Dabei geruehrt und weichlich im Gemuet,
Beinah poetisch, ja, ich bat die Muse um ein Lied.
Sie, mit verstelltem Pathos, spottet’ mein,
Gab mir den schnoeden Bafel ein:
„Es schlagt eine Nachtigall
Am Wasserfall;
Und ein Vogel ebenfalls,
Der schreibt sich Wendehals,
Johann Jakob Wendehals;
Der tut tanzen
Bei den Pflanzen
Obbemeld’ten Wasserfalls -„
So ging es fort; mir wurde immer baenger.
Jetzt sprang ich auf: zum Wein! Der war denn auch mein Retter.
– Merkts euch, ihr traenenreichen Saenger,
Im Katzenjammer ruft man keine Götter!

Theodor Storm
Oktoberlied

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!

Und geht es draußen noch so toll,
Unchristlich oder christlich,
Ist doch die Welt, die schöne Welt,
So gänzlich unverwüstlich!

Und wimmert auch einmal das Herz
Stoß an und lass es klingen!
Wir wissen´s doch, ein rechtes Herz
Ist gar nicht umzubringen.

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!

Wohl ist es Herbst; doch warte nur,
Doch warte nur ein Weilchen!
Der Frühling kommt, der Himmel lacht,
Es steht die Welt in Veilchen.

Die blauen Tage brechen an,
Und ehe sie verfließen,
Wir wollen sie, mein wackrer Freund,
Genießen, ja genießen!

Johann Wolfgang von Goethe
Wenn der Körper ein Kerker ist

Wenn der Körper ein Kerker ist,
Warum nur der Kerker so durstig ist?
Seele befindet sich wohl darinnen
Und bliebe gern vergnügt bei Sinnen.
Nun aber soll eine Flasche Wein,
Frisch eine nach der andern herein.
Seele will’s nicht länger ertragen,
Sie an der Türe in Stücke schlagen.

Justinus Kerner
Im Herbst

Eh‘ sie erstirbt, die Natur, die treue Mutter, noch einmal
Ruft sie die Kinder zu sich, reicht als Vermächtnis den Wein.