Dienstag

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Heute haben
C.F.Ramuz * 1878
F.Scott Fitzgerald * 1896
Walter Kappacher * 1938
Antonio Tabucchi * 1943
Geburtstag.
Den Jungs gratuliere ich aber sehr herzlich.
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Am gestrigen Montag in der FAZ auf Seite 32:
Einmal Balkanteller für Hartgesottene, bitte
Sabine Berking bespricht Jagoda Marinic’s: „Restaurant Dalmatia„.
BuchSie beginnt, dass der Balkan-Grill um die Ecke nicht gerade bekannt ist für seine kulinarische Höhenflüge, aber berühmt für eine ehrliche, große Portion Fleisch. So auch in Tante Zoras Kneipe im Berliner Wedding, in die Mia zurückfindet.
Am Ende schreibt Sabine Berking, dass Jagoda Marinic keine Freundin konventionell an der Handlung klebenden Schreibens ist und dass man schon genau lesen sollte, um die seelischen Zustände der Figuren zu entschlüsseln.
„Jagoda Marinic bringt das schwierige Erbe des ehemaligen Jugoslawien auf den Tisch“.
Das freut mich aber sehr, dass die FAZ diesem Buch eine so positive Besprechung widmet. Zu Recht.

Auf meine Frage:
„Nun schreibst Du Romane, Erzählungen, arbeitest journalistisch. Das Überthema bei Deiner Arbeit ist Integration. Auch der Blick einer in Deutschland geborenen Kroatin auf die Deutschen und ihr Verhältnis zu Ausländern. Du hast den deutschen Pass beantragt und erhalten, bist nun also Deutsche. Und damit wird Deine Situation auch nicht überschaubarer. Wie unterscheidet sich Deine journalistische Tätigkeit, mit der literarischen?“

antwortete Jagoda Marinic:
„In einem Sinn ähnlich: Beide erzählen Geschichten. Mit Worten und auf Papier. Doch als Journalistin findet man Geschichten, als Schriftstellerin er-findet man sie, selbst dann, wenn man sie im Leben findet. Mein Überthema sind Menschen. Ihre Liebe zueinander, ihre Abhängigkeit voneinander. Integration wird es dadurch, dass ich neue Figuren in die deutsche Literatur bringe. Ein anderes Erleben von Deutschland in den Mittelpunkt stelle. Die Literatur bietet da eine andere Freiheiten, jenseits politischer Debatten. Es geht um die. Menschen, nicht die Zahlen.
Ein Roman muss nicht an dieser Welt gemessen werden; im Gegenteil, er kann gerade deshalb faszinieren, weil er eine eigene Welt schafft. Bei einem Zeitungsartikel will der Leser auch informiert werden. Romane hingegen dürfen alles. Doch nicht jeder liest gern Romane und so ist der Journalismus eine andere Form des Gesprächs mit den Lesern.“

Wenn du schreibst, dass nicht jeder Romane liest, … was liest du denn im Moment? wie lange hast du für das Restaurant gebraucht? Lag dir das schon lange auf dem Herzen und musste einfach geschrieben werden?

Ich lese : Immer wieder von vorn die ersten hundert Seiten von David Grossmans Das Gedächtnis der Haut… Restaurant Dalmatia hat mich knappe sechs Jahre gekostet, mit Lektorat, also nicht grad ein billiges Restaurant… Ich hätte nie gedacht, dass sowas geht, sechs Jahre in einem Buch bleiben. Aber es ging, denn der Roman lag mir nicht nur auf dem Herzen, er ist Teil davon. Weil er ein Tribut ist an Menschen, die ich liebte, die sich in all diesen Figuren wie Zora, Jesus, Mia, wiederfinden… Einwanderer, Abenteurer, Träumer und Enttäuschte. Ich wollte ihre Geschichten erzählen… Die FAZ schrieb heute ja, ich hätte den Einwanderern mit diesem Buch ein Denkmal gesetzt. Das war ein Antrieb, ja, diese Geschichten vor dem Vergessen zu bewahren. Und wenn schon Denkmal, dann ist ein Buch mit Sicherheit das Denkmal, das am ehesten lebt und atmet…. Erfahrbar ist… Diese Menschen haben mir dauernd erzählt, mündlich – ich wollte ihnen ihr Leben zurückerzählen, schriftlich. Damit sie bleiben. Wenigstens ein bisschen.

Mehr Fragen beantwortet Jagoda Marinic sicherlich während ihrer Lesung bei uns im Buchladen.
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Heute ist ein ganz besonderer Tag für alle Ulmer und Neu-Ulmer.
Der Restaurantführer 2014 ist erschienen und damit schaffe ich auch eine gute Überleitung nach dem „Restaurant Dalmatia“.

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KSM Verlag € 13,00

Obwohl nachher dann wieder alle schimpfen, was hier und da und dort nicht stimmen würde, stürzen sich doch sehr viele auf diese Veröffentlichung.
Der Herausgeber Jens Gehlert bezeichnet die Gastronomie als einen lebenden Organismus. So lange die Sachen dann auch wirklich tot sind, die auf den Tellern landen und dass die Tiere davor ein gutes Leben hatten, wäre mir dann schon ein Anliegen. Obwohl: Als Vegetarier betrifft es mich nicht direkt.
Wieder gibt es eine Hitparade der Top Ten der Region. Und Bewertungen der 150 getesten Restaurants. Zusätzlich dieses Mal 25 Frühstücksadressen.
Da heisst es dann schon mal: „Gehört unter Artenschutz“, weil dort einfach prima gekocht wird, oder „Wenn die Engel die Flucht ergreifen“ und dem Gasthaus selbigen Namens eine nicht gerade schöne Bewertung zuteil wird. Es wird gelobt, gemeckert, Frühstückseier getestet und dann bekommt IKEA auch noch zwei Punkte. Was für eine Welt, möchte man fast sagen. Da kommen Oktopus-Salat auf den Tisch, mit Steinbeisser, Riesengarnelen und Jakobsmuscheln, oder es klappern die Teller zu laut und landen zuviele Gläser auf dem Boden.
Ein Spaß, wenn man es nicht zu ernst nimmt, ein Muss für alle Ausgeher und ein schöner Reingucker, wenn man doch selbst mal Lust hat, oder wenn sich Gäste angekündigt haben.
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Und das schrieb Eva Stotz, die Ulmer Filmemacherin, in ihrer Rundmail:

Liebe Freunde und Kollegen,

Am 24.09.2013 um 00:35 (heißt in der Nacht von Montag auf Dienstag) läuft mein Film Global Home im ZDF – Kleines Fernsehspiel. Ich freue mich wenn ihr einschaltet!
Auf der Suche nach einer unerwarteten Seite von Globalisierung, wurde mein Team und ich auf weite Reisen nach Mali, Japan, in die USA, die Türkei und in die Westbank geführt.
Letztes Jahr feierten wir Weltpremiere in Austin. Inzwischen lief der Film in Berlin, San Francisco, London, Warschau, München, Kairo – jetzt ist er endlich im Deutschen Fernsehen zu sehen!
Wer ihn dort verpasst, oder wem die Sendezeit zu spät, der kann noch eine Woche den Film online in der ZDF Mediathek anschauen.
Und wer ihn immer und immer wieder sehen möchte, oder seine Freunde damit beschenken möchte, der sollte eine schicke DVD bestellen – hier bei Good Movies!
Ich wünsche Euch viel Spaß beim Film und freue mich sehr über jedes Feedback!
Liebe Grüße,
Eure Eva

http://www.globalhome-themovie.com/index.php?id=1&spr=eng
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Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Und so will ich nur auf nächste Woche verweisen.
Am ersten Dienstag im Monat stellen wir wieder vier neue Bücher vor.
Die erste Seite“ mit Clemens Grote am Mikrophon.
Mit Erzählungen und einem Erinnerungsbuch aus New York, einem Gedankenspiel in Rom und einem noch größeren Fabulierwerk aus Pildau.
Um 19 Uhr geht’s los.

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Montag

So ging die gestrige Bundestagswahl aus.
Ergebnis
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Heute haben Geburtstag:
Theodor Körner * 1791
Sofja Tolstaja * 1862
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Theodor Kröner
Als sie eine Kornähre in der Hand …

Ein jeder Wunsch, den in des Herzens Räumen
Mit zartem Sinne zarte Herzen pflegen,
Blüht herrlich auf mit wunderbarem Segen,
Kann nimmer seines Lebens Tag versäumen.

Und so machst du in heitern Frühlingsträumen
Verborgne Kraft sich in den Pflanzen regen;
Zum zweiten Male sproßt sie dir entgegen,
Und neue Blüten lockst du aus den Keimen.

Und so auch wogt, hat mich dein Bild getroffen,
Ein heißes Sehnen tief in meinem Busen,
Und schneller, als die Blüten dir geblüht,

Erglüht mein Herz mit jugendlichem Hoffen;
Der Genius ergreift mich und die Musen,
Und deiner Anmut singt mein kühnes Lied.
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Buch

Diese Woche kommt Jagoda Marinic zu uns zum Lesen.
(Do.26.9., 19 Uhr)
Ich habe zwei Pressezitate, eine Rede, die sie im April hielt und ein Bericht über die Buchpräsentation in Stuttgart für Sie bereitgestellt. Die 20 Minuten lohnen sich anzuschauen.
Aus meinem Blogeintrag am Samstag entwickelte sich ein kleines Interview mit der Autorin, das noch fortgesetzt werden wird.

„Marinic ist mit diesem episodisch konstruierten Roman, der nostalgisch schwebt und irisiert, eine eindrucksvolle Suche nach verlorener Zeit gelungen.“
Stefan Dettlinger, Mannheimer Morgen, 11. September

„Es ist der doppelt gebrochene Blick einer Fremden, der dieses Buch so außergewöhnlich macht. Jagoda Marinic gibt in ihrem eindringlichen zweiten Roman einen lebensechten Einblick in das Leben und Selbstverständnis der unzähligen Einwandererfamilien, die nach dem Krieg in Deutschland ein besseres Leben suchten und die eigenen Wurzeln dabei verloren haben.“
Welf Grombacher, Neue Ruhr Zeitung, 18. September 2013

Jagoda Marinic hält einen Vortrag im Rahmen der 3. Nürnberger Integrationskonferenz am 20. April 2013. Die Konferenz stand unter dem Titel „einstimmig — mehrstimmig. Sprache und Verständigung in einer vielfältigen Gesellschaft“.

Nach der Buchpräsentation im Stuttgarter Literaturhaus, mit einführenden Worten von OB Fitz Kuhn, erschien am 12.9. ein Artikel über den Abend in der Stuttgarter Zeitung. Darin heisst es u.a.:
„Bei einem Aufenthalt in den USA lernte sie die Selbstverständlichkeit schätzen, mit der sich Migranten dort in Literatur und Leben behaupten. In Europa, wo jedem, wie es in ihrem Buch heißt, mit der Geburt tausend Jahre Geschichte in die Wiege gelegt werden, tut man sich da schwerer.“

Liebe Jagoda, ich habe auf unserem Jastramblog am vergangenen Samstag das neue Buch von Junot Díaz: „Und so verlierst du sie“ vorgestellt. Unter der Schicht der Beziehungsgeschichten, die ja immer schräg-witzig schiefgehen, steht doch sehr deutlich Díaz‘ Thema: Wo komme ich her, wie gelingt es mir, festen Boden unter den Füssen zu bekommen?
In der Stuttgarter Zeitung schreibst Du über Deine Erfahrungen in den USA. Nun ist das ja ein kleiner Zufall: Kennst Du das Buch von Díaz und können wir seine Geschichten auch auf Deutschland (und Dein Buch) übertragen?

Lieber Samy, ja, ich hab mich sehr gefreut, als ich sah, dass ihr seine Kurzgeschichten feiert. Denn Junot ist ein Autor, der Figuren zur Wort kommen lässt, die in der US-amerikanischen Literatur unterrepäsentiert waren. Er selbst beschreibt das simpel: „Noch vor 20 Jahren hätte ein Lektor ein Buch mit meinem Personal in den Mülleimer gehauen und gefragt: Wer will wissen, was die Putzfrau denkt?“ Doch die Putzfrau denkt. Und ihr Söhne und Töchter werden offensichtlich wie in Junots Fall mit Genie-Preisen ausgezeichnet. Das ist selbt in den USA neu, die Eroberung der Leser durch Bindestrich-Autoren. Und noch neuer ist es für Deutschland. Meine Generation ist nun so deutsch wie Junot Diaz US-amerikanisch ist, wir können neue, andere deutsche Geschichten erzählen – und dass ich meine erzähle verdanke ich auch Autoren wie Junot Diaz und seinen Büchern…
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Neue Bilder auf unserem Fotoblog.
Und eine öffentliche Bibliothek bei Herrenberg.

Sonntag

Heute wirklich ein Sonnentag.

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Ich wünschen Ihnen allen einen geruh- und erholsamen Tag.
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Nicht vergessen: Donnerstag, 26.9. um 19 Uhr.
Jagoda Marinic liest bei uns in der Buchhandlung
aus ihrem neuen Roman: „Restaurant Dalmatia“
(Website von Jagoda Marinic)