Freitag

Heute hat Grazia Deledda (* 1871) Geburtstag.
Die sardische Autorin war die erste weibliche Literatur Nobelpreisträgerin.
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Schon an Kalender für 2014 gedacht? Schon mal abgezählt, wieviel Neffen, Nichten und Enkel jedes jahr einen Kalender bekommen? Hier gibt es einen Vorschlag.

Lalula

Das große Lalula und andere Tiere
von Christian Morgenstern erfunden und von Adolf Born gezeichnet
Weingarten Kalenderverlag € 19,99

Die springen einem ja fast ins Auge. So bunt und frech und passend sind die Illustrationen der Fabellwesen, die Christian Morgenstern in seinen Gedichten erfunden hat. Der tschechische Künstler Adolf Born hat genau den richtigen Ton für diese Sprache getroffen. Und fast könnte man meinen, die Tiere fangen an zu leuchten, zu sprechen, zu tanzen.

Igel und Agel

Ein Igel saß auf einem Stein
und blies auf einem Stachel sein.
Schalmeiala, schalmeialü!
Da kam sein Feinslieb Agel
und tat ihm schnigel schnagel
zu seinen Melodein.
Schnigula schnagula schnaguleia lü!
Das Tier verblies sein Flötenhemd…
„Wie siehst du aus so furchtbar fremd!?“
Schalmeiala, schalmeialü -.
Feins Agel ging zum Nachbar, ach!
Den Igel aber hat der Bach zum Weiher fortgeschwemmt.
Wigula wagula waguleia wü tü tü…

Das große Lalula

Kroklokwafzi?
Semememi!
Seiokrontro – prafriplo:
Bifzi, bafzi; hulalemi:
quasti basti bo…
Lalu lalu lalu lalu la!
Hontraruru miromente zasku zes rü rü?
Entepente, leiolente klekwapufzi lü?
Lalu lalu lalu lala la!
Simarat kos malzlpempu silzuzankunkrei (;)!
Marjomar dos: Quempu Lempu Siri Suri Sei []!
Lalu lalu lalu lalu la!

Nicht im Kalender ist dieses Tiergedicht:

Das Nasobêm

Auf seinen Nasen schreitet einher das Nasobêm,
von seinem Kind begleitet.
Es steht noch nicht im Brehm.
Es steht noch nicht im Meyer.
Und auch im Brockhaus nicht.
Es trat aus meiner Leyer zum ersten Mal ans Licht.
Auf seinen Nasen schreitet
(wie schon gesagt) seitdem,
von seinem Kind begleitet,
einher das Nasobêm.

Alle Bilder zum Anschauen.

Donnerstag

Heute haben
T.S.Eliot * 1888
Ernst Schnabel * 1913
Peter Turrini * 1944
Geburtstag
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Eduard Mörike
Septembermorgen

Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmem Golde fließen.
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Kroatien

Jagoda Marinic: „Gebrauchsanweisung für Kroatien
Piper Verlag € 14,99

Rezensionen und Pressestimmen

Gebrauchsanweisung für Kroatien ist vielmehr als eine Gebrauchsanweisung für Kroatien. Es ist Literatur, Unterhaltung, Landeskunde, und einiges mehr. (…) Das Buch macht ungeheuer Lust auf das Land“
Mannheimer Morgen

„Mit federleichtem Stil und viel humorvoll verpackter Selbstkritik beschreibt Jagoda Marinic die vielen schönen, aber auch die Schattenseiten des Landes. (…) Ihr Buch ist ein perfekter, ebenso unterhaltsamer wie informativer Reisebegleiter für alle, die das Land und seine Bürger etwas besser kennen lernen wollen.“
Die Zeit

Da haben die beiden Pressestimmen aber auch wirklich vollkommen recht. Das Buch liest sich weg wie nix und ist immer für eine Überraschung gut. Es passt ausgezeichnet in die Gebrauchsanweisungs-Reihe, in dem vor Jahren auch schon Birgit Vanderbeke über ihr Südfrankreich geschrieben hat und in der ich einiges über Japan gelernt habe, obwohl ich wohl nie hinkommen werde.
Jagoda Marinic macht uns gleich zu Beginn den Mund wässrig, in dem sie vom türkisblauen Meer spricht, das es sonst nur in der Südsee gibt. Sie nennt ihr Kroatien das bessere Italien, obwohl sie von einem Besuch der Insel Krk gefrustet wieder zurückkehrt (komplett ausgebucht) und wieder froh ist, in einer Stadt übernachten zu können. Sie schreibt über essen (sehr wichtig) und trinken, über die Familienbande (sehr wichtig, s. „essen“) und wie alles zusammenhängt und unauflöslich mit einander verknotet ist. Daraus kann man auch nie entfliehen. Im Kroatischen heisst das „sich reinwaschen“; sprich sich reinwaschen vom Dreck der Familie, der für ewig an einem heftet. Sie schreibt über Hitchcock, der dort gedreht hat; über Winnetou, dessen Filme ja bekanntlicherweise hier gedreht worden sind und die wir als Kinder alle (mehrfach) angeschaut haben. Es geht um die (stets verleugendeten) türkischen Wurzeln, auch in der Sprache und ein Kapitel über Apartmentdealer. Wichtig sind im Süden die kum, die Paten. Alles ist miteinander verpatet und jeder hat mehrere davon und ist auch bei vielen anderen Pate. Ob Hochzeit-, Tauf-, Firmungspate, ob Verlobungs- und sonstiger Pate. Egal. Es ist die Familie, die sich hier erweitert. Hier brauchen Sie keinen ADAC, wenn das Auto stehen bleibt, keinen Arzt, wenn es mal wieder weh tut. „Das ist Dalmatien. Vergessen Sie das nicht. Das Land der gepunkteten Hunde. Nichts ist unmöglich“, schreibt Jagoda Marinic. Ah, nicht zu vergessen ist natürlich neben Politik, Religioen, Essen (wichtig!) und Familie (wichtig!), der Sport. Immer wieder tauchen Kroaten als Sportler auf und bringen es zu Weltruhm. Ob im Fussball in der Bundesliga (Mario Mandzukic, Ivica Olic), oder auch Toni Kukoc, der es in der us-amerikanischen NBA (Basketball) zu Weltruhm gebracht hat, obwohl er zu klein für seine Position und zu wenige für all die Postionen, die er hätte spielen können war. Kroatien hat seine Helden und die Eltern sind stolz darauf. Auch wenn es nur die Kleinen sind, die mit dem Boot aufs Meer hinausfahren und die Erwachsenen im Café ihnen interessiert nachschauen. „Doch allem voran ist Kroatien das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Das verrate ich jetzt nur Ihnen“, schreibt die Autorin am Ende des Buches. Wir klappen es zu und träumen uns jetzt schon dort hin. Aber halt! Vegetarier tun sich dort sehr schwer. Unbegreiflich, dass ein Mensch, noch viel schlimmer ein Mann, kein Fleisch ist. Wie soll er sonst zu seiner Muskelkraft kommen? Ist der Muslim, ist er krank, hat er ein Gelübde abgelegt? Nur einen Salat zu essen erzeugt im Restaurant immer noch die größten Lacher. Ich werde mich diesbezüglich bei der Autorin schlaumachen und fragen, ob es in Kroatien mittlerweile auch schon Tofu gibt, den ich auf den Grill, neben all die leckeren Fische legen kann/darf.

Jagoda Marinic liest heute abend um 19 Uhr bei uns in der Buchhandlung
aus ihrem Roman: „Restaurant Dalmatia“.
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Mittwoch

Heute haben
William Faulkner * 1897
Andrzej Stasiuk * 1960
Carlos Ruiz Zafón * 1964
Geburtstag
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Frage an Jagoda Marinic:
„Was ist denn, Deiner Meinung nach, der grundlegende Unterschied zwischen den Menschen in verschiedenen Ländern und Städten, wenn Du an Deine Auslandsaufenthalte denkst? Woran hapert es mit der deutschen Mentalität? Oder ist das Miteinander in New York nur ein notwendiges Muss, um zu überleben?“

JM:
„Die grundlegende Einteilung ist für mich eher die nach Stadt und Land als nach Nationen. Das Urbane ist komischerweise überall auf der Welt ähnlich. Städte wollen zwar individuell sein, gleichen sich jedoch bis zur Austauschbarkeit… Das Eigene eines Landes offenbart sich erst in ländlichen Gegenden. Dort entdeckt man man die Keimzellen der Kulturen, nur aus ihnen heraus wird eine Stadt dann individuell verstehbar…
Die Mentalität hierzulande hapert nicht an sich! Ich bin manchmal hin und weg, wie die Menschen hier sind. Manchmal aber auch nicht, logisch. Ich habe jedoch das Glück, hier das tun zu können, was ich tue und wie ich es tue. Die Arbeit, die ich mache, die Reden, die ich halte und gehört werde, zeigen mir auch: Dieses Land ist gestaltbar! Die Menschen lassen sich ein. Ein unbezahlbares Gut. Nur einige hier leben zu abgeschottet in sich und wie alle solche Kreise, ahnen sie nicht, was ihnen entgeht. Mehr Offenheit. Mehr Glaube ans Glück, ans Gute, ans Gelingen, auch im Chaos, das würde den Alltag hier um einiges leichter machen… Überlebenmüssen miteinander ist immer und überall ein guter Leim für eine Gesellschaft, nicht nur in New York. Ich finde das nicht verwerflich, wenn mir jemand die Hand reicht, weil er weiß, dass er eines Tages meine brauchen könnte… manchmal denk ich, uns hier geht es zu gut, als dass wir nett sein müssten, denn wer angewiesen ist auf den anderen, der ist auch freundlich zu ihm… Und das Erzählen! Ich wünschte, wir würden uns hier mehr Geschichten erzählen, auch im Alltag, mündlich… „Hör mal, ich war grad beim Bäcker und dort… „Diese Mentalität, noch aus dem kleinsten Ding eine Geschichte zu drehen, die fehlt mir manchmal….“
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Das Bayerische Fernsehen berichtet über „Restaurant Dalmatia

Morgen um 19 Uhr liest Jagoda Marinic bei uns in der Buchhandlung.
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Entenhausen

PaTrick Bahners: „Entenhausen
Die ganze Wahrheit
C.H.Beck Verlag 19,95

Na, wenn der C.H.Beck Verlag etwas veröffentlicht, hat das Hand und Fuß. Und wenn, dann gleich prima gebunden, mit Leinenrücken und Lesebändchen. Beides schön in knallgelb gehalten. So muss das sein.
PaTrick Bahners ist Kulturkorrespondent der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ in Entenhausen, mit Nebensitz in New York. Bis 2012 leitete er das Feuilleton der Zeitung. Er gehört zur deutschen Fraktion der Donaldisten und gründete die Direpol (=Donaldistisches Institut für Rechtskunde und Politik). Aha! Deshalb auch der C.H.Beck Verlag, wo sonst hätte dieses aufklärerische Werk erscheinen können. Er forschte, neben seinem Studium der Geschichte und Politik, über den Entenhausener Bürgemeister und die Rolle des Adels in der Stadtrepublik. Und: Er tauscht sogar in der deutschen Version eines Donald Duck Heftes als An- und Verkäufer von „Kunst und Krempel“ auf. Mehr Lob geht nicht. Als nächstes könnte nur noch die Adoption in die Ducksche Familie kommen und PaTrick wäre dann der kleine Bruder von Tick, Trick und Track.
Die Ducks, die Entenhausener (es gibt übrigens kaum Enten in Entenhausen!), erklären uns die ganze Welt. Dagobert ist natürlich für die Finanzwelt zuständig und bringt die Finanzmisere auf den Punkt: „Wer zuviel ausgibt, ist eines Tages Pleite.“ Mit dem Zusatz „Das weiss jedes Kind.“ So, nun wissen wir das auch. Würden nur die Ackermänner aller Länder mehr Comics lesen, die Welt sähe besser aus.
Fast hätte es das Ulmer Münster noch in die Welt von Entenhausen geschafft. Dort steht nämlich eine Kathedrale, oder auch Münster genannt, das allerdings nicht mehr liturgischen Zwecken dient, sondern sich als eine Art Museum präsentiert. Donaldistenforscher vermuten eine architektonische Nähe zu Reims. Tick, Trick und Track erwähnen den Stephansdom zu Wien. Dass nun PaTrick Bahners die Höhe des Turmes mit 144 Metern mit dem Kölner Dom vergleicht, möchte ich stark kritisieren. Wenn schon, dann mit dem höchsten Kirchturm, dem des Ulmer Münsters, der noch ein paar Meterchen höher ist.
Im Kapitel: „Enten in Entenhausen“ kommt es zur Erwähnung, dass die Enten dort zur Oberschicht gehören und dass es viele andere, sehr unterschiedliche Wesen dort gibt. Wussten Sie, das es Panzerknacker mit Hundeohren und welche mit Menschenohren gibt? Dies ist aber nur eines der vielen Beispielen, die PaTrick Bahners auflistet.
Große Philosophen kommen genauso zu Wort, wie wichtige Wirtschaftsforscher. Alexander von Humboldt wird zitiert und Jakob Burckhardt. Wagner spielt eine wichtige Rolle (Wussten Sie, dass Donald Wagnerianer ist) und Hans Blumenberg darf nicht fehlen. Das könnten wir der diesjährigen Büchner-Preisträgerin Sibylle Lewitscharoff stecken.
Sie merken schon, auf den über 200 Seiten bleiben keine Fragen offen und kein Auge trocken. Ein Muss für alle Donald-Leserinnen und solche, die vor Jahrzehnten welche waren.

Die Inhaltsangabe des Buches:

Einladung zu einer Forschungsreise

KAPITEL 1 Hineinspaziert in die Stadtgeschichte:
Das Rätsel der zwei Gründerväter

KAPITEL 2 Eine Sternstunde der Wissenschaft:
Die Zwei-Welten-Lehre des Hans von Storch

KAPITEL 3 Enten in Entenhausen: Minderheit und Oberschicht

KAPITEL 4 Olaf und die starken Männer:
Die Verfassungskrise des Vierkaiserjahrs

KAPITEL 5 Fluchtpunkt Timbuktu:
Wo die Gumpe ins Meer fließt

KAPITEL6 Was heißt Globalisierung?
Selbst Dagobert Duck kauft jedes Jahr einen neuen Globus

KAPITEL 7 Nach dem großen Knall:
Die Heimkehr des verlorenen Bruders

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Diesen selbstgebastelten Geldbeutel brachte heute ein Kunde mit:

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