Samstag

Heute können wir H.G.Wells zum Geburtstag gratulieren (* 1866)
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Wer kennt es nicht, das Bad am Samstagabend, obwohl es das ja so nicht mehr gibt. Das mit dem Kesselanheizen, so dass man sich immer die Hände verbrannt hat. Hier bekommen Sie ein ganz spezielles Samstagabendbad. Viel Vergnügen.
Das Bad am Samstagabend.
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Mein Buchtipp rettet uns durch die kühlen und bald trüben Tage des kommenden Herbstes. Die Geschichten von Junot Díaz strahlen so voller Leben, Liebe und Sonne, dass ich es körperlich spürte.

Diaz

Junot Díaz: „Und so verlierst du sie
Aus dem Amerikanischen von Eva Kemper
S.Fischer Verlag € 16,99
als eBook € 14,99
als amerikanisches Taschenbuch € 9,99

Lily Oei
(Foto: Lily Oei)

Junot Díaz ist der Autor der Storysammlung „Abtauchen“ und des Romans „Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao“, für den er den Pulitzer-Preis erhielt. 2012 wurde Díaz das MacArthur „Genius“ Fellowship verliehen, das amerikanische Bürger mit besonderen Verdiensten großzügig unterstützt. Junot Díaz wurde 1968 in der Dominikanischen Republik geboren und kam als Kind in die USA – genau wie sein Alter Ego Yunior, der Erzähler all seiner Bücher.

Literaturpreise und Auszeichnungen
Pulitzer-Preis 2008
National Book Critics‘ Circle Award 2008
MacArthur Fellowship 2012 („Genius Award“, 500.000 Dollar verteilt über 5 Jahre für Amerikaner mit besonderen Verdiensten)

Wow! Das ist mal ne Auszeichnung und rettet einen locker über fünf Jahre.
Gut für uns, denn so kann Díaz sich Zeit nehmen und muss wirklich nur das veröffentlichen, was gelungen ist.
Und das ist ihm mit diesen Erzählungen passiert. Sehr gelungen. Sehr gut.
Mit vollem Tempo erzählt er von Yunior, der von einer Beziehung in die andere stolpert. Er will eigentlich gar nicht wechseln, aber es kommen ihm verschiedene Dinge in den Weg. Plötzlich will seine Herzdame nicht mehr und hat andere Dinge im Kopf. Mal meint er, sie will nicht mehr, weil er Puertoricaner ist und ihr Umfeld das nicht mehr akzeptieren will. Es ist ein andauernder Wechsel zwischen der Karibik und New Jersey. Ein Wechsel der Gefühle und auch ein Hinundher zwischen seinem Machogehabe und seiner zarten Liebe. „Es ist ein berührend witziges und bestürzend ehrliches Buch über das Dilemma zwischen Aufbruch und Ankommen – in der Liebe wie im Leben“, so schreibt es der Verlag. Diese neun Geschichten sind so voller Lust geschrieben, dass wir meinen, wir stehen neben Yunior und seinen Kumpels. Ja, er lebt immer im Umkreis dieser Jungs, die ihm aus dem Off, oder wie der Chor in der griechischen Tragödie, Tipps geben und versuchen ihn zu führen. Und wenn es mal wieder schief gegangen ist, hören wir von ihnen sofort: „Wam wir doch gleich gesagt!“.
„Ich bin kein schlechter Kerl. Das klingt wie eine Ausrede, irgendwie gewissenlos, ich weiß, aber es stimmt. Ich bin wie alle anderen: schwach, voller Fehler, aber im Grunde gut.“ So beginnt die erste Geschichte „Die Sonne, der Mond, die Sterne“. „Magdalena sieht das allerdings anders. Sie hält mich für einen typischen Dominikaner: ein sucio, ein Arschloch.“ Ist dann der zweite Satz und nun wissen wir, wo und wie es lang geht. Er möchte schon gerne, ist der liebenswerte Liebhaber, der halt nicht komplett aus seiner Haut kann und oft halt doch nur mit seinen Jungs rumhängen will. Wer kennt das nicht.
Die Geschichte „Nilda“ beginnt so:
„Nilda war die Freundin meines Bruders. So fangen diese Geschichten immer an.“ Und so sind wir gleich mitten drin in einer Beziehungsgeschichte. „Sie war Dominikanerin, von hier und hatte superlange Haare, wie die Mädchen aus der Pfingstgemeinde, und Brüste, die ihr nicht glauben würdet – ich rede hier von Weltklasse.“
Mehr gibt es nicht, das müssen schon selbst erleben.

Leseprobe

Auf den Videos sehen Sie Junot Díaz in einem Interview auf der New Yorker Buchmesse BEA 2012 und bei einer fast einstündigen Leseveranstaltung.

Und wer noch nicht genug hat: Patti Smith hat auf der gleichen Buchmesse 2012 Neil Young interviewt, der gerade seine letzte Platte veröffentlicht hat und dessen Biografie etwas später erschienen ist.
Und jetzt kommt es: Ich war dabei und saß zwischen all den Zuhörern. Es war ein großartige Erlebnis.

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