Freitag

Gestern habe ich das Gedichte-Geschichten-Bilderbuch von Regina Kehn vorgestellt, das mit einem „Märchen“ der Brüder Grimm endet und heute hat einer der Buben Geburtstag. Knapp erpasst.

Heute haben also
Jacob Grimm * 1863
Upton Sinclair * 1878
Adolf Endler * 1930
Geburtstag
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Jagen am Freitag
Ähnlich wie dem Liebhaber, der das Fensterverbot am Freitag nicht achtet, ergeht es dem Jäger. Die Jagd am Freitag ist allgemein verpönt. Sie bringt kein Glück und manchem ist schon dabei unheimlich geworden.
(aus: Mühlviertler Sagen / Gutenberg Projekt)
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Imre Kertész: „Letzte Einkehr
Tagebücher 2001 – 2009
Aus dem Ungarischen von Kirstin Schwamm
Rowohlt Verlag € 24,95
als eBook € 21,99

Hier der erste Eintrag :

1. Januar 2001
Neujahr. Das alte war schwer und ziemlich
unproduktiv, mit garstigen Krankheiten gescheckt, von denen
eine lebenslänglich bedeutet (Parkinson) und diese bezau-
bernde Handschrift zur Folge hat; aber sie mahnt mich, daß
der Tod nahe ist und also das Leben, das heißt die Arbeit pres-
siert. – Vor zwei Tagen habe ich mir eine elektronische
Schreibmaschine (Laptop) angesehen und beschlossen, mir
diese technische Errungenschaft zu eigen zu machen; ich sehe
dem mit Aufregung entgegen, denn eine andere Lösung gibt
es ohnehin nicht – und wie gut, daß es diese gibt. Der lang-
weiligen Kaste der Erfinder Dank und Respekt!

Imre Kertész hat nun nach seinem „Galeerentagebuch“ auch seine sehr privaten Aufzeichnungen zur Veröffentlichung freigegeben. Waren es vorher die Zeit im inneren Exil in Ungarn, so sind es jetzt die Jahre, in denen er nach Berlin wechselt und den Literatur-Nobelpreis bekommt. Es sind Tagebuchnotizen über diesen Neuanfang in der deutschen Hauptstadt. Sein ständiges Wechseln zwischen hier und dort und damit verbunden sein neuer Blick auf Ungarn, aber auch auf Deutschland. Immer wieder kommen ihm Situationen hoch, wie er und sein Werk in Ungarn behandelt worden ist. Wie sich wohl in den Jahren nach dem Krieg, bis heute nichts am schlummernden, offenen Nationalismus und Antisemitismus geändert, womöglich auch in den letzten Jahren noch verschärft hat. Gut zu beobachten an der jetzigen Regierung in Ungarn. Kertész schreibt aber auch über über sein Befinden, sein Alter, seine Krankheiten. Er schreibt über seine Frau, die ihm folgt, die die finanzielle Unabhängigkeit nach dem Nobelpreis und die Freiheit in Berlin sehr genießt. Er schreibt über das „rare Geschenk guten Lebens“ (nach dem Nobelpreis), die damit verbundenen „erwürgenden Anforderungen des Ruhms“ und den „unerträglichen Terror des Alters“ und nennt dies alles sein „Trivialitäten-Tagebuch“. Es ist jedoch deutlich mehr als das, oder besser: es ist kein Trivialitätstagebuch. Außer, das ganze Leben ist trivial. Allein seine Beschreibungen der deutschen Literatenlandschaft ist lesenswert. Er, der jahrzehntelang abgelehnt worden ist, sitzt nun mitten drin, wird bewundert, hofiert und beneidet. Über allem steht natürlich sein Kampf mit dem Schreiben, sein Ringen um ein neues Buch und ist somit ein genauer Einblick in das Denken und Schaffen eines Literaturnobelreisträgers, der eine sehr bewegte Vergangenheit, die ihn natürlich bis jetzt nicht loslässt. Ich dachte, schau einfach mal rein und war dann tatsächlich gefesselt. Obwohl ich Eintragungen auf meinem eBook-Reader gelesen habe und der ja sehr nüchtern in der Hand liegt, konnte nicht mehr aufhören zu lesen.

Der nächste Eintrag vom 2.Januar

Wer bei gesundem Verstand bleibt und Glück
hat, stirbt so, wie das Kind gezwungenermaßen sein Spielzeug
liegen läßt, wenn es am Abend ins Bett geschickt wird; sich ei-
nerseits beklagend, andererseits kaum noch imstande, die Au-
gen offen zu halten. Zwar tröstet man es, daß es sein Spielzeug
am nächsten Tag wiederfinden werde, aber das Kind glaubt so
wenig an morgen wie der Sterbende.

Leseprobe
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(gefunden auf humansofnewyork.com)