Montag

Heute hat Christoph Hein Geburtstag (* 1944)
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Eine schöne Entdeckung am Wochenende, die ich gerne weitergeben möchte:

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Susanne Schedel: „Wer soll denn das anziehen, bitteschön
Rowohlt Verlag € 18,95
als eBook € 16,99

„Die Krägen, die Knöpfe, die Muster reihten sich zu Sätzen über das, was in der Luft lag, was um uns war. Sätze einer Sprache, die ich mit dem ganzen Körper verstand.“

1998 bekam Susanne Schedel den Förderpreis der Stadt Ulm.
Davor machte sie 1992 in Ulm das Abitur, lebt jedoch in Düsseldorf.
Jetzt hat sie ihr zweites Buch veröffentlicht.
Erst auf der Innenseite steht neben dem Titel der Vermerk: Erzählungen.
Sind es nun Erzählungen, oder doch acht Episoden eines Romanes?
Egal! Durch die einzelnen Texte zieht sich ein roter Faden, gibt dem Buch einen inneren Halt und eine Struktur. In allen Texten geht es um normale Menschen, die unbewusst ihrem Leben eine Wendungen geben (können/könnten). Sie handeln, ohne über Tragweite nachzudenken. Es gibt eine junge Frau, die ihren Freund in den USA beucht, der dort an einer Uni forscht. bei einem „Ausbruchsversuch“, einer Fahrt mit dem Auto zu einem Traumort, kommt sie gerade noch rechtzeitig zum vereinbarten Treffen mit einem Uni-Professor zurück.
Eine alte Dame, die bei ihrem Sohn mit Familie untergekommen ist, wird einmal die Woche ins nahegelegene Spielcasino gefahren und hat bis auf 30 Euro nie etwas gewohnen. Nun hat sie plötzlich 4.000 in der Tasche.
Eine Studentin bricht heimlich ihr Medizinstudium ab und versucht sich als Modedesignerin in Amsterdam.
Es geht um eine junge Frau, die einem Pärchen Deutschunterricht gibt. es entsteht eine vermeintliche Nähe zwischen den Dreien, bis auch die plötzlich verpufft.
Das klingt nach ausweglosen Situationen? Susanne Schedel sieht das nicht so: „Ich habe versucht, zu den Erzählungen zum Ende einen Ausweg oder wenigstens eine Art Wegweiser zu bieten. … Schlussendlich soll aber jeder seine eigene Botschaft und eigene Schlüsse aus dem Buch ziehen. … Das ist der Vorteil an der Literatur.“
Susanne Schedel lässt uns diese Personen unterschiedlich lange verfolgen, bis zu einer Wegkreuzung, an der wir und die Personen (noch) nicht wissen, wie es weitergeht.
Schön, denke ich, dass dies nicht auch nicht ausgearbeitet ist, sondern dass dieser Freiraum bleibt, in dem wir uns selber unsere Gedanken machen können. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschmelzen dann zu einem Ganzen.
Eine sehr angenehme Lektüre, die eine schöne Leichtigkeit verströmt, wie wir sie auch aus Episodenfilmen kennen.
Mit Sätzen, die nachklingen und Bildern, die nicht so schnell verschwinden.

Leseprobe
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Und hier noch das heutige Gedicht aus meinem Kalender.

August Graf von Platen

Wohl mit Hafis darf ich sagen:
Ewig trunken ist mein Mut!
Nimmer könnt’ ich es ertragen,
Diesem Rausche zu entsagen,
Dieser Liebe, dieser Glut!

Magst du, Freude, mir gesellen
Deinen sprudelnden Pokal!
Mich verleumden, mich entstellen
Mögen nüchterne Gesellen,
Ihre Liebe wäre Qual!

Keiner wird es mir entwinden,
Dies unsägliche Vertraun:
Menschen hoff ich noch zu finden,
Die mich, wie sich selbst, empfinden,
Die mich, wie sich selbst, durchschaun.

Gern als Opfer sei gespendet
Dieser Erde Ruh’ und Glück:
Kehrt doch stets, von Gott gesendet,
Jenes Glück, das nimmer endet,
Ins zerrißne Herz zurück!

Wohl ein Glück ist’s, laut zu sagen,
Was das Innre leis empfand;
Selig fühl ich mich getragen
Auf den Schwingen meiner Klagen
In des ew’gen Friedens Land.