Dienstag

Carson McCullers * 1917
und
Thomas Brasch * 1945
haben heute Geburtstag
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„Politik“ von Aristoteles

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“The Gone-Away World” von Nick Harkaway
(gefunden bei UNYPL = Underground New York Public Library)
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Müde

Der Autor des schmalen Bändchens: „MüdigkeitsgesellschaftByung-Chul Han (das ich hier auch schon vorgestellt habe) hat auf der Seite des Verlages Matthes & Seitz einen Aufsatz über das heutige Südkorea geschrieben.

Südkorea – Eine Müdigkeitsgesellschaft im Endstadium
Als die koreanische Ausgabe der „Müdigkeitsgesellschaft“ erschien, hielt ich mich in Seoul auf. So konnte ich die Reaktion der Medien auf das Buch gut beobachten. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich das Buch zu einem viel diskutierten Bestseller. Die erste Auflage war schon am Tag ihres Erscheinens vergriffen. Offenbar fühlten sich die Koreaner von der Grundthese des Buches betroffen, dass die heutige Leistungsgesellschaft eine Gesellschaft freiwilliger Selbstausbeutung ist, dass die Freiheitsrufe wie „Yes we can“ oder „Ja Du kannst“ in Wirklichkeit etwas Teuflisches an sich haben, dass sie so viele selbstgenerierte Zwänge erzeugen, an denen das Leistungssubjekt zugrunde geht (Burnout).

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(Fotos I.Gresser)

Wer in Seoul in eine U-Bahn steigt, begreift schnell, dass er sich mitten in einer fortgeschrittenen Müdigkeitsgesellschaft befindet. Viele Koreaner, die einen Sitz ergattern, fallen sofort in einen kurzen Tiefschlaf. Die U-Bahn-Züge in Seoul gleichen Schlafwagen, in denen die Koreaner den fehlenden Schlaf nachzuholen scheinen. Überall und zu unterschiedlichsten Zeiten sieht man in Korea schlafende Menschen. Offenbar kämpfen die Koreaner gegen eine permanente Übermüdung an. Sehr viele Koreaner sind längst dem Burnout erlegen. Darüber hinaus sterben jährlich Hunderte Menschen aus Erschöpfung. So stürzte das Buch „Müdigkeitsgesellschaft“ die Koreaner in einen kollektiven Selbstzweifel.
Die Jahresarbeitszeit der Koreaner beträgt 2193 Stunden, ca. 500 Stunden mehr als der OECD-Durchschnitt. Ein Modewort heißt „Saladent“. Es ist zusammengesetzt aus salary (Gehalt) und student. Immer mehr Angestellte bilden sich weiter nach der getanen Arbeit, um sich auf dem sehr instabilen Arbeitsmarkt zu behaupten. Es gibt also praktisch keine Pause mehr. Gearbeitet und gelernt wird rund um die Uhr. Angst und Unsicherheit breiten sich aus. Südkorea weist inzwischen die weltweit höchste Suizidrate auf. Bereits die Schulkinder sind einem ernormen Leistungsdruck ausgesetzt. Deutschland blickt neidisch nach Asien, wenn koreanische Schüler in der PISA-Studie Spitzenwerte erringen. Aber es wird kaum zur Kenntnis genommen, dass in Korea viele Schüler Selbstmord begehen, weil sie den Leistungsdruck einfach nicht aushalten. Manche Schulkinder schlafen nicht mehr als 6 Stunden. Vor und nach der Schule nehmen sie Nachhilfekurse, um nicht aus dem Rennen um begehrte Studienplätze zu fallen. Zu Hause sind sie also praktisch nur während des Schlafes. Kürzlich hat ein Mordfall in Korea sehr viel Aufsehen erregt. Ein Schüler hat seine Mutter grausam erstochen, weil sie ihn wegen seiner schlechten Schulleistung geschlagen und permanent mit Vorwürfen überschüttet hat.
Den kompletten Beitrag können Sie hier auf der website des Verlages lesen.
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Suzanne Choffel aus Austin/Texas, die jetzt in Brooklyn lebt,
ist heute für die Lyrik-Abteilung zuständig.